Was ist eigentlich…ein Meeple?

Fünf bunte Meeple

Der Meeple gehört zur Brettspielwelt wie Würfel und Karten – dabei ist diese kleine Holzfigur noch gar nicht so alt. Wer im Jahr 2000 die Spielemesse in Essen besuchte, konnte dort ein neues Legespiel entdecken, das nicht nur die Brettspiellandschaft nachhaltig prägen sollte, sondern auch eine der bekanntesten Spielfiguren überhaupt hervorbrachte.

Die Geburt einer neuen Spielfigur

Als Bernd Brunnhofer für das damals neue Spiel Carcassonne nach einer passenden Figur suchte, hatte er ganz bestimmte Vorstellungen: Sie sollte verschiedene Rollen verkörpern können – je nach Platzierung auf dem Spielplan einen Ritter, Wegelagerer, Mönch oder Bauern. Außerdem musste die Figur zwei Positionen einnehmen können: stehend und liegend. Mit Stift und Papier zeichnete er mehrere Entwürfe, bis schließlich gemeinsam mit einem Spielfigurenhersteller die heute bekannte Form entwickelt wurde.

Was zunächst schlicht „Gefolgsmann“ genannt wurde, sollte bald einen deutlich einfacheren, aber auch einprägsameren Namen bekommen. Der kam allerdings nicht aus der Marketingabteilung des Verlags, sondern direkt vom Spieltisch.

Vom Gefolgsmann zum Meeple

Wie die kleinen Holzmännchen zu ihrem Namen kamen, ist eine Geschichte, wie sie nur die Brettspielwelt schreiben kann. Im November 2000, nur rund einen Monat nach der Veröffentlichung von Carcassonne auf der Spiel in Essen, tauchte der Begriff erstmals im Internet auf. Brettspiel-Fan Alison Hansel soll während einer Partie die englischen Wörter „my“ (mein) und „people“ (Menschen) spontan zu „Meeple“ zusammengezogen haben. Das Kofferwort beschreibt perfekt, worum es geht: meine kleinen Leute auf dem Spielbrett.

Bereits im Dezember desselben Jahres wurde der Begriff in einer Newsgroup verwendet. Von dort aus verbreitete er sich rasant in der Online-Community BoardGameGeek, der größten Brettspiel-Plattform weltweit. Aus einem spontanen Ausruf beim Spieleabend wurde innerhalb kürzester Zeit ein etablierter Begriff der Brettspielszene.


Meeples sind nur ein Teil der großen Welt des Spielmaterials. Auch diese Begriffe begegnen dir am Spieltisch immer wieder:

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Mehr als ein bisschen Holz und Farbe

Was Meeples so besonders macht, ist ihre Form: eine stilisierte menschliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen, rundem Kopf und breitem Standfuß. Diese simple Silhouette hat bis heute einen hohen Wiedererkennungswert. Traditionell werden Meeples aus Holz gefertigt und in verschiedenen Farben lackiert – eine vergleichsweise kostengünstige Art der Produktion.

Die Figuren erfüllen in Brettspielen verschiedene Funktionen. Sie repräsentieren die Spieler auf dem Brett, zeigen an, ob und welche Aktionen ausgeführt werden dürfen, und sorgen dafür, dass die Spieler den Überblick über die eigenen Züge behalten. Die Meeples sind dank ihrer Form leicht zu greifen und zu platzieren – und standfest sind sie auch.

Die Meeple-Familie wächst

Der Erfolg der klassischen Meeple-Form hat zu zahlreichen kreativen Varianten geführt. Bei Agricola wurden beispielsweise „Animeeples“ eingeführt – hölzerne Tierfiguren statt einfacher Würfel, wobei sich der Begriff aus „animal“ (Tier) und „meeple“ zusammensetzt. Es gibt auch „Vegimeeples“ für Pflanzenteile. Und die Brettspielcommunity erfindet sowieso ständig neue Wortkreationen: Sheeples für Schafe, Zeeples für Zombies und viele mehr.

Heute nutzen zahlreiche Spiele die charakteristische Meeple-Form, wobei Entwickler sie oft an das jeweilige Spielthema anpassen. Manche Meeples werden mit Symbolen bedruckt, andere in besondere Formen gebracht. Das Spiel Rajas of Ganges verwendet beispielsweise hochwertige, filigran ausgefräste den Meeples ähnliche Spielfiguren, die aber über die ursprüngliche simple Form hinausgehen.

Meeples – eine komplizierte rechtliche Geschichte

Die weite Verbreitung des Begriffs „Meeple“ führte zu einigen rechtlichen Verstrickungen. Obwohl der Verlag selbst die Bezeichnung nicht erfunden hatte, stellte Hans im Glück 2017 beim Europäischen Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) einen Antrag auf Markenschutz für das Wort „Meeple“, der 2019 genehmigt wurde.

Zwischen 2019 und 2024 erschienen mehr als 40 Spiele mit „Meeple“ im Titel, was zeigt, wie selbstverständlich der Begriff verwendet wird. Die meisten Verlage nutzen den Namen mit stiller Zustimmung von Hans im Glück. Spiele wie „Meeple Land“, „Meeple Quest“ und „Meeple Towers“ zeigen einen grundsätzlich entspannten Umgang des Verlags mit der Marke.

2024 kam es allerdings zu Diskussionen, als Hans im Glück eine Unterlassungserklärung gegen das Crowdfunding-Projekt „Meeple Inc.“ beantragte. Das Projekt, das mehr als 230.000 Dollar eingesammelt hatte, wurde daraufhin in „Tabletop Inc.“ umbenannt. Als Reaktion darauf beantragten Community-Mitglieder in den USA ihrerseits eine Markeneintragung für „Meeple“, um den Begriff vor allzu restriktiver Nutzung zu schützen.

Symbol einer lebendigen Spielkultur

Trotz aller rechtlichen Fragen ist klar, dass der Meeple ist zu einem Symbol der modernen Brettspielkultur geworden ist. Von T-Shirts über Schmuck bis hin zu Geschirr – die charakteristische Silhouette ist allgegenwärtig. Meeples zieren Kissen, Ohrringe, Weihnachtsdekorationen und bei echten Brettspiel-Fans sogar Hochzeitstorten.

Interessanterweise ist der Begriff „Meeple“ im internationalen Sprachgebrauch weitaus verbreiteter als im deutschsprachigen Raum, wo traditionell eher von Pöppeln gesprochen wird – eine Bezeichnung, die aus dem niederdeutschen Sprachraum stammt. Während „Pöppel“ ursprünglich eher für einfache, kegelförmige Spielfiguren verwendet wurde, hat sich „Meeple“ speziell für die menschenförmigen Holzfiguren etabliert.

Die Geschichte des Meeples zeigt wie aus einfachem Spielzubehör – einer Spielfigur für Carcassonne – und einem spontanen Wortspiel ein weltweites Phänomen werden kann. Bernd Brunnhofers Entwurf und Alison Hansels kreativer Namenseinfall funktionieren nur zusammen. Mit dem „Meeple“ ist ein Symbol für ein Hobby entstanden, das heute in Tausenden von Wohnzimmern weltweit zu Hause ist.

Foto: © Pavel – stock.adobe.com

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