Wenn Regenjacke und Gummistiefel nicht mehr weiterhelfen, muss der Urlaubstag trotzdem nicht ins Wasser fallen. Diese zwölf Spiele bringen Bewegung, Abwechslung und spannende Rätsel ins Ferienhaus.
Natürlich wäre es schön, wenn im Sommerurlaub jeden Tag die Sonne vom Himmel strahlte. Wahrscheinlich wäre es aber auch ein wenig verdächtig. Selbst in vergleichsweise trockenen Regionen Deutschlands gehören Regentage zum Sommer: Für Berlin weist das langjährige Klimamittel im Juni 9,8, im Juli 8,4 und im August 7,9 Tage mit mindestens einem Millimeter Niederschlag aus. Das entspricht grob jedem dritten bis vierten Sommertag. Wie häufig und ausdauernd es tatsächlich regnet, hängt allerdings stark von der Urlaubsregion ab.
Ein kurzer Schauer muss noch kein Urlaubsprogramm durcheinanderbringen. Manchmal regnet es allerdings so ausdauernd, dass selbst Regenjacke und Gummistiefel ihren Reiz verlieren. Spätestens wenn das Wasser quer über die Terrasse läuft und der nächste Ausflug buchstäblich ins Wasser fällt, ist eine Beschäftigung für drinnen gefragt.
Ideen und Anregungen
Für solche Tage haben wir zwölf Spiele zusammengestellt, die im Ferienhaus oder in der Ferienwohnung für Abwechslung sorgen. Die Auswahl berücksichtigt verschiedene Altersgruppen: Mitspielen können jüngere Kinder, Familien mit älteren Kindern und Erwachsene. Mal geht es laut und turbulent zu, mal sind Konzentration, Planung oder gemeinsames Kombinieren gefragt.
Vollständig kann eine solche Liste natürlich nicht sein. Sie versteht sich vielmehr als Anregung für die eigene Urlaubstasche. Vielleicht steht dort am Ende ein ganz anderes Spiel – weil die Familie besonders gerne Karten spielt, gemeinsam rätselt oder beim Anblick eines Würfels grundsätzlich alles andere stehen und liegen lässt. Entscheidend ist nicht der Titel, sondern dass das Spiel zur Gruppe, zum verfügbaren Platz und zur erwartbaren Urlaubslaune passt.
Wenn der Bewegungsdrang mitspielt
Gerade jüngere Kinder möchten einen verregneten Urlaubstag nicht auch noch regungslos am Tisch verbringen. Wenn draußen schon alles grau ist, darf es drinnen ruhig etwas turbulenter werden. Die folgenden Spiele bringen Bewegung und Geschwindigkeit ins Ferienhaus. Kroko Golf benötigt dafür etwas freie Fläche, während Watt geht ab und Hurry Harry die Action direkt an den Spieltisch holen.
Kroko Golf macht aus dem Ferienhaus kurzerhand einen kleinen Minigolfplatz. Mit einem Schläger versuchen die Spieler, den Ball in das Maul des Krokodils zu befördern. Gelingt der Treffer, schleudert das Krokodil den Ball wieder zurück. Das Geschicklichkeitsspiel von Goliath kommt ohne Batterien aus und bringt vor allem jüngere Kinder in Bewegung. Ein abendfüllendes Strategiespiel ist es natürlich nicht. Das will es aber auch gar nicht sein. Dafür können Kinder zielen, schlagen und dem zurückspringenden Ball hinterherlaufen. Für die Partie sollte genügend Platz vorhanden sein – und die kostbare Ferienhausvase besser nicht direkt danebenstehen. Kroko Golf eignet sich für zwei bis vier Spieler ab vier Jahren.
Weniger Platz benötigt das nächste Spiel, obwohl sich auch dort einiges bewegt. Watt geht ab schickt mehrere Wattwurm-Teams auf ein Rennen über den Strand. Das Ziel ist das rettende Riff, doch unterwegs rollt immer wieder eine bewegliche Welle über den dreidimensionalen Spielplan. Wattwürmer, die rechtzeitig ein Sandloch erreichen, sind geschützt. Alle anderen werden zurückgespült. Das Würfelspiel von Haba verbindet Glück, Tempo und erste taktische Entscheidungen mit einem Spielplan, auf dem tatsächlich etwas passiert. Ganz ohne Schadenfreude dürfte die Watt-Rallye allerdings selten verlaufen. Watt geht ab ist für zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren gedacht.
Nach Wattwürmern und Wellen übernehmen Karten und Würfel das Kommando. Hurry Harry von fordert Kopf und Hände gleichzeitig. Jeder Spieler besitzt fünf Farbkarten, während mehrere Würfel vorgeben, welche Karte möglichst schnell in die Tischmitte gehört. Zahlen, Rechenzeichen, Farbwechsel und umgekehrte Vorgaben sorgen dafür, dass die zunächst einfache Aufgabe zunehmend verwirrender wird. Das Spiel von biwo-Spiele verläuft über drei Runden, deren Schwierigkeitsgrad stetig anzieht. Wer falsch reagiert, verliert bereits gewonnene Punkte wieder. Eine Partie dauert etwa 15 Minuten. Hurry Harry eignet sich für zwei bis sechs Spieler ab acht Jahren.
Karten auf den Tisch
Nicht jeder Regentag verlangt nach einem großen Spielaufbau. Manchmal soll nur die Zeit bis zum Abendessen überbrückt werden, manchmal folgt auf eine kurze Partie gleich die nächste. Karten- und Ratespiele sind dafür besonders praktisch: Sie brauchen wenig Platz, sind schnell erklärt und passen meist noch irgendwo ins Reisegepäck. Ruhig muss es bei ihnen trotzdem nicht zugehen.
Abgestaubt lässt die Spieler bunte Staubfussel sammeln (wir drücken aber die Daumen, dass die Ferienwohnung bei Ankunft sauber war) – und gelegentlich bei der Konkurrenz zugreifen. Wer am Zug ist, entscheidet nach jeder aufgedeckten Karte, ob es fürs Erste reicht oder noch ein weiterer Fussel gezogen werden soll. Zu viel Gier kann allerdings dazu führen, dass der gesamte Zug danebengeht. Das Kartenspiel von Kosmos verbindet einfache Regeln mit dem Push-your-Luck-Prinzip: Mit jeder weiteren Karte wächst nicht nur die mögliche Ausbeute, sondern auch das Risiko. Abgestaubt eignet sich für zwei bis sechs Spieler ab sieben Jahren.
Während bei Abgestaubt jeder auf die eigenen Fussel achtet, ist beim nächsten Spiel Zusammenarbeit gefragt. Similo: Wassertiere lässt die Gruppe gemeinsam nach einer geheimen Tierkarte suchen. Ein Hinweisgeber kennt die Lösung und legt weitere Karten aus, um Ähnlichkeiten oder Unterschiede anzudeuten. Sprechen oder zusätzliche Tipps geben darf er dabei nicht. Die übrigen Spieler entfernen Runde für Runde Karten aus der Auslage und versuchen, das gesuchte Tier übrig zu lassen. Das kooperative Ratespiel von Horrible Guild ist schnell erklärt, kompakt und nach einer Niederlage ebenso schnell neu begonnen. Diskussionen darüber, warum ausgerechnet ein Hai als Hinweis auf einen Pinguin dienen sollte, gehören dazu. Similo: Wassertiere eignet sich für zwei bis acht Spieler ab sieben Jahren.
Wird statt gemeinsamer Deutungsarbeit eine kleine taktische Auseinandersetzung gesucht, kommt Twhist ins Spiel. Twhist beginnt als klassisches Stichspiel, bleibt aber nicht lange eines. Neben den ausgespielten Farbkarten verändern Sonderkarten wie „Meins!“, „Dieb“, „Pole Position“ oder „Passen“ den Verlauf einer Runde. Gewonnene Punkte werden über drehbare Karten festgehalten – und können unter ungünstigen Umständen wieder verloren gehen. Das Kartenspiel von FlexiQ verlangt daher nicht nur ein gutes Blatt, sondern auch die Bereitschaft, Pläne kurzfristig zu ändern. Eine Partie dauert etwa zehn Minuten. Twhist ist für drei bis fünf Spieler ab acht Jahren geeignet.
Mit Ruhe und Köpfchen
Wenn der Regen gekommen ist, um zu bleiben, darf das Spiel etwas mehr Raum einnehmen. Lege-, Sammel- und Aufbauspiele entwickeln sich über mehrere Runden und bieten Entscheidungen, die über den nächsten Zug hinausreichen. Auf dem Tisch entstehen Küstenabschnitte, Eisauslagen, verschlungene Linien und eine zunehmend eigenwillige Alpakaherde.
Die Spiele in dieser Gruppe beschäftigen eine Runde nicht nur für ein paar schnelle Minuten. Gleichzeitig bleiben sie durch wechselnde Auslagen, unterschiedliche Karten und neue Kombinationsmöglichkeiten variabel. Manche Partien dauern dabei gar nicht besonders lange, landen nach der Schlusswertung aber sofort wieder auf dem Tisch. Aus einer Runde werden fünf oder sechs – und der Regen ist für eine Weile vergessen.
Strandgut passt thematisch besonders gut in den Sommerurlaub, auch wenn die Küste an diesem Tag nur auf dem Spieltisch liegt. Muscheln, Krabben, Strandläufer und andere Fundstücke werden nach und nach aus einem Beutel gezogen und am eigenen Strand gesammelt. Welche Scheibe dort landet und welche zurück ins Meer geworfen wird, beeinflusst die weiteren Möglichkeiten. Die einzelnen Elemente greifen ineinander: Strandläufer helfen beispielsweise bei der Suche nach kleinen Meerestieren, während zusätzliche Strandabschnitte Platz für weitere Muscheln schaffen. Das Sammelspiel von Edition Spielwiese verbindet Urlaubsstimmung mit kniffligen Entscheidungen. Strandgut eignet sich für einen bis fünf Spieler ab acht Jahren.
Vom Strand führt der Weg beinahe zwangsläufig zur Eisdiele – zumindest auf dem Spieltisch. Gelati lässt eine farbenfrohe Auslage aus Eissorten und Zutaten entstehen. Reihum wird ein Plättchen angelegt, wobei passende Seiten und Reihen aus vier gleichen Elementen Punkte bringen. Zusätzliche Aufträge verlangen bestimmte Eiskombinationen und können den Weg zur nötigen Punktzahl deutlich verkürzen. Das Legespiel von Jolly Dutch ist weitgehend sprachunabhängig. In der Schachtel liegen eine englische und eine niederländische Anleitung; die deutsche Regel kann über einen QR-Code heruntergeladen werden. Gelati eignet sich für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren.
Nach Eiskugeln und Waffeln wird es abstrakter. Loops & Lines lässt aus geschwungenen Linien allmählich ein gemeinsames Muster entstehen. Jeder Spieler legt Plättchen an die bestehende Auslage und versucht, geschlossene Schleifen zu bilden. Das Grundprinzip ist schnell verstanden, doch die ständig wachsende Fläche verändert nach jedem Zug die Möglichkeiten. Was eben noch nach einer sicheren Verbindung aussah, kann plötzlich von anderer Seite weitergeführt werden. Das Plättchenspiel aus dem moses Verlag verbindet ruhiges Legen mit vorausschauender Planung. Loops & Lines ist für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren geeignet.
Deutlich flauschiger wird es zum Abschluss dieser Gruppe. Alpaka ist ein Deckbauspiel, bei dem nach und nach eine ungewöhnliche Herde zusammengestellt wird. Die Tiere treten als Bibliothekare, Rocker, Holzfäller und in weiteren eigenwilligen Rollen auf. Ihre Fähigkeiten erhöhen das Einkommen, ermöglichen besondere Aktionen oder helfen beim Sammeln von Punkten. Allerdings genügt es nicht, möglichst viele Alpakas zu erwerben: Wertvoll werden sie erst, wenn passende Gehege vorhanden sind. Da pro Partie nur ein Teil der 23 verschiedenen Alpakaarten verwendet wird, verändert sich die Auswahl regelmäßig. Das Spiel von Game Factory eignet sich für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren.
Ein Fall für graue Nachmittage
Manche Regentage liefern die passende Kulisse gleich mit. Wenn Tropfen gegen die Scheiben schlagen und graue Wolken über dem Ferienhaus hängen, dürfen drinnen Tore zufallen, Menschen verschwinden und rätselhafte Hinweise auftauchen.
Escape- und Krimispiele beschäftigen eine Gruppe über längere Zeit. Hinweise werden gelesen, Möglichkeiten diskutiert und scheinbar unbedeutende Einzelheiten immer wieder neu betrachtet. Das gemeinsame Rätseln kann problemlos einen ganzen Nachmittag füllen. Allerdings sind beide Spiele nur einmal lösbar. Für den Urlaub empfiehlt es sich daher, zusätzlich noch ein Spiel einzupacken, das anschließend erneut auf den Tisch kommen kann.
EXIT – Das verfluchte Labyrinth beginnt mit einem kurzen Moment der Unaufmerksamkeit. Dann fällt das eisenbeschlagene Tor ins Schloss. Der Ausgang aus dem Labyrinth ist versperrt, und auch der steinerne Wasserspeier über dem Tor scheint plötzlich ein Eigenleben zu entwickeln. Nun müssen Hinweise gesucht, Rätsel gelöst und ungewöhnliche Zusammenhänge erkannt werden. Das Escape-Room-Spiel von Kosmos gehört zur Einsteigerstufe der EXIT-Reihe und eignet sich damit auch für Gruppen ohne größere Rätselerfahrung. EXIT – Das verfluchte Labyrinth ist für einen bis vier Spieler ab zehn Jahren vorgesehen.
Wer statt eines verschlossenen Labyrinths lieber einen umfangreicheren Kriminalfall untersucht, reist gedanklich weiter zur Vogelinsel. Tatort Meer – Die Vogelinsel beginnt mit dem Verschwinden von Smilla. Um sie zu finden, müssen die Spieler Unterlagen auswerten, Onlineinformationen überprüfen und verschiedene Hinweise miteinander verbinden. Dabei geht es nicht allein um die Entführung, sondern auch um mehrere Umweltdelikte auf der Insel. Das Krimispiel von Denkriesen startet mit einem kurzen Einführungstext; anschließend arbeitet sich die Gruppe selbstständig durch das Material. Der Fall verlangt sorgfältiges Lesen, gemeinsames Kombinieren und ausreichend Zeit für die Ermittlungen. Tatort Meer – Die Vogelinsel eignet sich für einen bis sechs Spieler ab 14 Jahren.
Wenn der Regen länger bleibt
Ein verregneter Urlaubstag wird durch ein Brettspiel nicht plötzlich sonnig. Er kann aber sehr viel schneller vergehen. Welche Schachtel dafür im Koffer landet, hängt von der Reisegruppe ab: Jüngere Kinder brauchen Bewegung, andere Gruppen bevorzugen kurze Kartenpartien, und manche Familien können sich stundenlang über einen einzigen rätselhaften Hinweis beugen.
Am besten reist daher eine kleine Mischung mit – ein schnelles Spiel für zwischendurch, ein variabler Titel für mehrere Partien und vielleicht ein größerer Fall für den langen Regennachmittag. Viel Platz braucht eine solche Auswahl nicht. Und falls der Urlaub wider Erwarten doch ausschließlich Sonnenschein bietet, wartet der nächste Spieleabend spätestens nach der Rückkehr.
Fotos: © Redaktion Spieledorf (Symbolbild, KI-generiert mit DALL.E), Goliath, HABA, biwo-Spiele, Kosmos, Horrible Guild, FlexiQ Games, Edition Spielwiese, Jolly Dutch, moses, Game Factory, Denkriesen











