Die Anreise ist geschafft. Urlaub bedeutet für viele vor allem eines: endlich Zeit miteinander verbringen. Tagsüber locken Strand, Sehenswürdigkeiten oder Wanderwege, doch spätestens am Abend wird es gemütlich. Ob auf dem Campingplatz, im Hotelzimmer, auf der Terrasse des Ferienhauses oder mit Blick auf den Sonnenuntergang am See.
Allerdings eignet sich nicht jedes Spiel für jede Urlaubssituation. Während auf dem Campingplatz der Stauraum begrenzt ist, machen am Strand Wind und Sand den Spielern das Leben schwer. Im Hotelzimmer fehlt häufig der Platz für große Spielbretter und auf dem Balkon oder der Terrasse darf es gerne etwas entspannter zugehen.
Wir zeigen, worauf ihr in den verschiedenen Urlaubssituationen achten solltet und stellen Spiele vor, die sich in der Praxis bewährt haben.
Campingurlaub: Kompakt schlägt riesig
Ja, theoretisch bekommt man in Wohnwagen oder Camper auch größere Spieleschachteln unter. In der Praxis sieht das aber oft anders aus. Der Tisch im rollenden Feriengefährt lässt ebenso wenig ausufernde Kartenauslagen und drei Kilogramm Spielmaterial zu wie der Campingtisch vor dem Vorzelt. De facto sollten Spiele für den Campingurlaub eher kompakt bleiben – es sei denn, ihr reist mit einem Wohnmobil, das sich auf Knopfdruck in ein kleines Apartment verwandelt.
Ein weiterer Vorteil kleiner Spiele: Nach der Partie verschwinden sie schnell wieder im Schrank oder einer Schublade. Zwischen Grillzange, Geschirr, Campingmöbeln und Wanderschuhen ist schließlich jeder Zentimeter Stauraum kostbar.
Happy Double – Würfelspaß mit cleverer Reiseschachtel: Mit „Happy Double“ von Denkriesen kommt Nervenkitzel auf den Campingtisch. Das Würfelspiel für zwei bis acht Spieler ab sieben Jahren ist schnell erklärt: Wer an der Reihe ist, würfelt so lange weiter, wie er sich traut. Doch Vorsicht: Taucht dieselbe Zahl ein zweites Mal auf, sind alle in dieser Runde gesammelten Punkte verloren. Zusätzliche Aktionskarten bringen noch mehr Dynamik ins Spiel.
Für den Campingurlaub hat das Spiel einen entscheidenden Vorteil: Das Unterteil der Schachtel ist bereits mit Filz ausgelegt und dient gleichzeitig als Würfelschale. So rollen die Würfel weder vom Tisch noch unter den Wohnwagen. Mehr als einen Stift pro Spieler benötigt ihr außerdem nicht – etwas, das auf dem Campingplatz ohnehin meist griffbereit liegt.
Besonders schön: Happy Double funktioniert sowohl in kleiner Familienrunde als auch mit mehreren Campingnachbarn, wenn sich spontan eine größere Spielerunde ergibt.
Eiswürfeln – Die Eisdiele kommt an den Campingtisch: Regen auf dem Campingplatz und weit und breit keine Eisdiele in Sicht? Dann sorgt „Eiswürfeln“ von Starnberger Spiele zumindest spielerisch für Sommerstimmung.
Schokolade, Pistazie oder doch lieber Heidelbeer? Die Spieler würfeln sich nach und nach ihren perfekten Eisbecher zusammen und versuchen gleichzeitig, genügend Geld für ihre Bestellung zu erwürfeln. Wer zu gierig wird, geht am Ende leer aus.
Das Würfelspiel für zwei bis fünf Spieler ab sechs Jahren nimmt kaum Platz weg, bietet aber erstaunlich viel Langzeitmotivation. Gerade weil Glück und Risiko ausgewogen miteinander kombiniert werden, wird das Spiel weder Kindern noch Erwachsenen so schnell langweilig.
Squish It! – Hektik mit Meeresbewohnern: Wer es etwas turbulenter mag, sollte einen Blick auf „Squish It!“ (Flexiq) werfen. Das Familienspiel für zwei bis sechs Spieler ab sechs Jahren eignet sich hervorragend für jüngere Kinder und sorgt regelmäßig für Gelächter.
Die Aufgabe klingt zunächst einfach: Die ausliegenden Meeresbewohner müssen ihren Farben zugeordnet werden. Wer zuerst das richtige Tierplättchen schnappt, sammelt Karten. Doch spätestens wenn mehrere Spieler gleichzeitig zugreifen oder versehentlich den falschen Meeresbewohner erwischen, herrscht gepflegtes Chaos am Campingtisch. Ganz nebenbei trainiert das Spiel Wahrnehmung und Reaktionsgeschwindigkeit – ohne dass es sich nach Lernen anfühlt.
Lauer Sommerabend: Das perfekte Spiel zum Tagesausklang
Ein lauer Sommerabend hat seinen ganz eigenen Zauber. Vielleicht sitzt ihr am See und beobachtet den Sonnenuntergang. Vielleicht sorgt eine Lichterkette auf der Terrasse für gemütliches Licht. Oder nach einem Grillabend mit Freunden möchte eigentlich niemand schon ins Haus gehen. Jetzt fehlt nur noch das passende Brettspiel.
Der große Unterschied zu klassischen Reisesituationen: In diesem Fall muss das Spiel nicht zwingend in die Handtasche passen. Ein Sommerabend kann schließlich genauso gut auf der heimischen Terrasse, im Schrebergarten oder im Garten stattfinden. Dadurch darf das Spiel ruhig etwas größer ausfallen.
Hitster Summer Party – Der Soundtrack für warme Nächte: Was passt besser zu einem Sommerabend als die größten Sommerhits der vergangenen Jahrzehnte? Mit „Hitster Summer Party“ holt Jumbo die passende Playlist gleich mit an den Spieltisch. Von „Walking on Sunshine“ über „Sunshine Reggae“ bis zu „Sweat (A La La La La Long)“ sind zahlreiche Klassiker vertreten, die sofort Urlaubsstimmung verbreiten.
Das Musikquiz für zwei bis zehn Spieler ab 16 Jahren benötigt praktisch keine Vorbereitung. Eine Karte wird mit der kostenlosen Hitster-App gescannt, der Song startet automatisch über Spotify und schon darf geraten werden, wann der Titel erschienen ist.
Gerade für Grillabende oder gesellige Runden mit Freunden ist das ideal: Niemand muss lange Regeln erklären, stattdessen beginnt das Spiel sofort.
Waldmeister – Das perfekte Spiel für zwei: Nicht jeder Sommerabend endet in großer Runde. Manchmal sitzt man einfach gemütlich zu zweit auf dem Balkon oder vor dem Ferienhaus und möchte den Tag entspannt ausklingen lassen.
Genau dafür eignet sich „Waldmeister“. Das Strategiespiel für zwei Personen ab acht Jahren von Gerhards Spiel & Design hat mit der bekannten Maibowlen-Zutat zwar nur den Namen gemeinsam, spielt dafür aber mit einer originellen Idee.
Die Spieler pflanzen nach und nach Bäume in einer Baumschule um. Einer sammelt möglichst große Gruppen gleicher Farbe, der andere möglichst viele gleicher Höhe. Mit jedem Zug wird das Spielfeld voller und die taktischen Entscheidungen anspruchsvoller. Die Regeln sind schnell gelernt, trotzdem bietet Waldmeister genügend Tiefgang, um auch nach vielen Partien noch spannend zu bleiben.
Azul: Sommerpavillon – Wenn der Tisch etwas größer ist: Schon der Name macht Lust auf warme Tage. In „Azul: Sommerpavillon“ von Next Move errichten die Spieler im Auftrag von König Manuel I. einen prachtvollen Sommerpavillon, in dem die berühmtesten Mitglieder der königlichen Familie geehrt werden sollen.
Wie schon in den anderen Spielen der erfolgreichen Azul-Reihe platzieren die Spieler farbige Schmucksteine möglichst geschickt und sammeln dadurch Punkte. Das Spiel benötigt etwas mehr Platz als klassische Reisespiele, weshalb es für kleine Campingtische nur bedingt geeignet ist.
Für einen lauen Sommerabend auf der Terrasse, im Garten oder im Schrebergarten ist das aber ja kein Problem. Die farbenfrohen Steine passen zudem hervorragend zur sommerlichen Atmosphäre und machen auch optisch einiges her.
Hotelabende zu zweit: Entspannung statt Abendprogramm
Nicht jeder Urlaubstag endet mit einem Restaurantbesuch oder einem Cocktail an der Hotelbar. Vielleicht spielt das Wetter nicht mit, vielleicht schmerzen nach einer ausgedehnten Stadtbesichtigung einfach die Füße oder man möchte nach einem langen Strandtag den Abend ganz bewusst ruhig ausklingen lassen. Gerade dann kann ein Brettspiel den Hotelabend perfekt abrunden.
Bei der Auswahl solltet ihr allerdings einige Besonderheiten beachten. Spiele mit vielen kleinen Markern, Münzen oder Chips bergen gewisse Tücken. Hoteltische sind häufig kleiner als der heimische Esstisch und auf dem Bett gehen Kleinteile schnell verloren. Auch große Spielpläne oder ausufernde Kartenauslagen sind nicht immer ideal.
Ein weiterer Punkt ist die Lautstärke. Im Hotel wohnen ja noch andere Gäste. Reaktionsspiele mit lautem Klatschen, Hupen oder Glocken machen zwar Spaß, sind am späten Abend aber vielleicht nicht die beste Idee. Ruhige Strategie-, Karten- und Knobelspiele passen deutlich besser zur entspannten Atmosphäre.
Genius Star – Knobelduell auf kleinem Raum: Mit „Genius Star“ von SmartGames wird das Hotelzimmer zum kleinen Denkzentrum. Das Knobelspiel für ein bis zwei Spieler ab acht Jahren kombiniert Geschwindigkeit mit logischem Denken.
Zu Beginn werden sieben Blocker mithilfe von Würfeln auf dem Spielplan verteilt. Anschließend versuchen beide Spieler gleichzeitig, die verbleibenden Flächen möglichst schnell mit den elf verschieden geformten Spielsteinen zu füllen. Wer seine Aufgabe zuerst löst, gewinnt die Runde.
Besonders reizvoll sind die insgesamt 165.888 möglichen Aufgaben in fünf Schwierigkeitsstufen. Dadurch bleibt Genius Star auch über viele Urlaube hinweg abwechslungsreich. Gleichzeitig benötigt jeder Spieler lediglich seinen eigenen kleinen Spielplan – ideal für den begrenzten Platz auf einem Hoteltisch.
The Game – Gemeinsam gegen das Spiel: Kooperative Spiele eignen sich besonders gut für entspannte Hotelabende. Schließlich geht es nicht darum, den Partner zu besiegen, sondern gemeinsam eine Herausforderung zu meistern.
Genau dieses Prinzip verfolgt „The Game“ vom Nürnberger Spielkarten Verlag (NSV). Ein bis fünf Spieler ab acht Jahren versuchen gemeinsam, sämtliche Karten in der richtigen Reihenfolge auf vier Ablagestapeln unterzubringen. Zwei Stapel zählen aufwärts, zwei abwärts. Klingt einfach – ist es aber keineswegs.
Der Clou: Über die eigenen Handkarten darf nur sehr eingeschränkt gesprochen werden. Dadurch entstehen ständig spannende Diskussionen, kleine Verzweiflungsmomente und umso größere Erfolgserlebnisse, wenn doch noch eine clevere Lösung gefunden wird. Da lediglich einige Kartenstapel Platz benötigen, eignet sich The Game hervorragend für kleine Hoteltische oder sogar eine Partie auf dem Bett.
Patchwork – Der moderne Klassiker für zwei: Wer zu zweit verreist und gerne etwas strategischer spielt, kommt an „Patchwork“ von Lookout Spiele kaum vorbei. Die Spieler „nähen“ aus verschieden geformten Stoffteilen nach und nach eine Patchworkdecke zusammen. Dabei gilt es, die verfügbaren Knöpfe möglichst clever einzusetzen und den eigenen Zeitvorteil optimal zu nutzen.
Patchwork für zwei Spieler ab acht Jahren benötigt zwar etwas mehr Platz als ein Kartenspiel, passt aber problemlos auf den kleinen Tisch eines Hotelzimmers. Durch die überschaubare Spieldauer eignet es sich perfekt für einen entspannten Ausklang nach einem ereignisreichen Urlaubstag.
Praktischer Reisetipp: Die komplette Spielschachtel muss nicht mit in den Urlaub. Bei Bahn- oder Flugreisen spart es überraschend viel Platz, wenn Spielmaterial und Karten in einen Zip-Beutel umziehen. Die Spielanleitung fotografiert ihr einfach mit dem Smartphone ab. So bleibt im Koffer mehr Platz für Kleidung – oder für noch ein weiteres Spiel.
Strandspiele: Sand, Wind und Sonne spielen mit
Der Strand stellt gleich mehrere Ansprüche an Brettspiele. Wind verweht Karten, Sand findet zuverlässig seinen Weg in jede Spielschachtel und für viele Spiele fehlt schlicht eine stabile Unterlage.
Mit ein paar kleinen Tricks lässt sich das Problem jedoch lösen. Zwei nebeneinandergelegte Strandtücher schaffen bereits eine recht gute Spielfläche. Besonders geeignet sind Legespiele mit robusten Kunststoff- oder Holzteilen, die weder vom Wind verweht werden noch empfindlich auf Sand und Wasser reagieren.
Auch Würfelspiele müssen nicht zu Hause bleiben. Wer im Schachteldeckel oder -unterteil würfelt, verhindert, dass die Würfel im Sand verschwinden. Und statt einen Wertungsblock mitzunehmen, lassen sich Punkte heute ganz bequem im Smartphone notieren – das ist ja ohnehin fast immer dabei.
Qwirkle Travel – Der Klassiker für unterwegs: Das preisgekrönte „Spiel des Jahres“ von 2011 gibt es auch als Reiseedition. Bei „Qwirkle Travel“ (Schmidt Spiele) versuchen zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren, Reihen aus Farben und Symbolen zu bilden und dabei möglichst viele Punkte zu sammeln.
Die 108 Holzsteine fallen deutlich kleiner aus als beim Original, wodurch das gesamte Spiel in einer praktischen Reißverschlusstasche mit den Maßen 13,5 × 13 × 5,5 Zentimeter Platz findet. Damit verschwindet es problemlos in Strandtasche, Rucksack oder Koffer.
Gerade die robusten Holzsteine machen Qwirkle Travel zu einem idealen Begleiter für den Strand. Ein wenig Sand stört hier deutlich weniger als bei klassischen Kartenspielen.
Hive Pocket – Strategie ganz ohne Spielbrett: Ebenso unkompliziert wird es mit „Hive Pocket“ von Huch!. Das Strategiespiel für zwei Personen ab neun Jahren kommt komplett ohne Spielbrett aus. Ziel ist es, die gegnerische Bienenkönigin vollständig einzukreisen.
Die Reiseedition wird in einer kleinen Transporttasche geliefert und enthält zusätzlich die Erweiterungssteine Marienkäfer und Moskito, die weitere taktische Möglichkeiten bieten. Da ausschließlich stabile Spielsteine verwendet werden, machen Wind und Sand dem Spiel kaum etwas aus. Gerade für den Strand ist das ein großer Vorteil.
Schiff Ahoi – Würfeln mit Meerblick: Schon thematisch passt „Schiff Ahoi“ hervorragend ans Meer. Das Würfelspiel für zwei Personen ab acht Jahren verbindet Glück, Taktik und Schnelligkeit. Die Spieler stellen zunächst Schiff, Kapitän und Mannschaft zusammen und versuchen anschließend, möglichst viele Schatzfässer zu erwürfeln.
Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich sogar auf dem kleinen Klapptisch eines Strandkorbs spielen. Dann wäre aber eine Würfelschale (Snackbox, Tupperdose – lasst der Fantasie freien Lauf) sinnvoll. Denn die Minischachtel bietet keinen Platz zum Würfeln. Die Punkte notiert ihr einfach im Smartphone. Mehr braucht es für eine entspannte Partie mit Blick aufs Wasser nicht.
Brettspiel-Urlaub par excellence
Ob Campingplatz, Strand, Hotelzimmer oder lauer Sommerabend – für jede Urlaubssituation gibt es passende Brettspiele. Entscheidend ist dabei weniger das Genre als vielmehr die Frage, unter welchen Bedingungen gespielt wird. Wie viel Platz steht zur Verfügung? Gibt es Wind? Muss das Spiel besonders leise sein? Oder darf es ruhig etwas größer und geselliger werden?
Wer diese Fragen bei der Auswahl berücksichtigt, stellt schnell fest, dass sich für nahezu jede Urlaubssituation das passende Spiel findet. Die hier genannten sind eine erste Anregung und erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Fotos: © Redaktion Spieledorf (Symbolbild, KI-generiert mit DALL.E), Denkriesen, Starnberger Spiele, Flexiq, Jumbo, Gerhards Spiel & Design, Next Move, SmartGames, NSV, Lookout Spiele, Schmidt Spiele, Huch!, moses











