SPIEL Essen: Besuch mit Kindern oder Handicap

Grafik einer Familie auf der Messe SPIEL

Volle Hallen, lange Wege und ein hoher Geräuschpegel können den Besuch der SPIEL Essen anstrengend machen. Der Ratgeber erklärt, was Familien, Rollstuhlfahrer und reizempfindliche Menschen bei der Planung beachten sollten.

Die SPIEL Essen kann für Kinder und Erwachsene ein großartiges Erlebnis sein. Gleichzeitig bedeuten volle Hallen, lange Wege, dichtes Gedränge und ein nahezu ununterbrochener Geräuschpegel eine erhebliche Belastung. Familien mit kleinen Kindern, Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität benötigen deshalb etwas mehr Vorbereitung. Das gilt ebenso für neurodivergente, hochsensible oder anderweitig reizempfindliche Menschen. Barrierefreiheit endet schließlich nicht an einer Rampe.

Das Wichtigste in Kürze

Die Eingänge Ost, Süd und West der Messe Essen sind ebenerdig zugänglich. An den U-Bahn-Haltestellen stehen je nach Eingang ein Aufzug oder eine Rampe zur Verfügung. Behindertenparkplätze befinden sich in der Nähe der Messeeingänge.

Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind vor allem die langen Wege, das Gedränge und die wenigen frei verfügbaren Sitzgelegenheiten zu bedenken. Ein leichter, tragbarer Klapp- oder Teleskophocker kann hilfreich sein, sofern er sicher steht und nicht in Lauf- oder Fluchtwegen aufgestellt wird.

Kinderwagen sind erlaubt und für kleinere Kinder meist sinnvoller als Bollerwagen. Für Kinder und Erwachsene mit hoher Geräusch- oder Reizempfindlichkeit kann ein gutsitzender Gehörschutz den Messebesuch erheblich erleichtern. Zusätzlich sollten regelmäßige Pausen und eine notfalls deutlich kürzere Besuchsdauer eingeplant werden.

Eignet sich die SPIEL Essen für Kinder?

Auf jeden Fall. Die SPIEL Essen richtet sich nicht nur an erwachsene Vielspieler. Zahlreiche Verlage präsentieren Kinder-, Familien- und Lernspiele, die direkt an den Messeständen ausprobiert werden können. Für Kinder, die gern spielen und neue Dinge entdecken, kann die Messe deshalb ausgesprochen spannend sein.

Allerdings gleicht der Besuch keinem ruhigen Spielenachmittag. Die Hallen sind groß, die Wege lang und die Zahl der Eindrücke enorm. Überall bewegen sich Menschen, werden Regeln erklärt, fallen Würfel auf Tische und laufen Gespräche gleichzeitig. Dazu kommen Lautsprecherdurchsagen, Aktionen an einzelnen Ständen und teilweise aufwendig inszenierte Messebereiche.

Ob ein Kind die SPIEL genießen kann, hängt daher weniger von einer festen Altersgrenze als von seiner Belastbarkeit ab. Manche Grundschulkinder verbringen begeistert viele Stunden in den Hallen, während andere schon nach kurzer Zeit eine Pause benötigen. Bei jüngeren Kindern sollte die Besuchsdauer grundsätzlich kürzer geplant werden als bei Erwachsenen.

Ein vollständiger Messetag von der Öffnung bis zum späten Nachmittag ist nicht automatisch das beste Erlebnis. Zwei oder drei gute Spielrunden, einige interessante Stände und ein rechtzeitiger Abschied können deutlich schöner sein als mehrere zusätzliche Stunden mit einem völlig erschöpften Kind.

Welcher Messetag eignet sich für Familien?

Der Samstag ist für viele Familien organisatorisch am einfachsten, gleichzeitig aber meist auch der vollste Messetag. In stark besuchten Hallen wird das Vorankommen mit Kinderwagen schwieriger, an beliebten Spieltischen entstehen Wartezeiten und selbst eine kurze Pause kann an fehlenden Sitzplätzen scheitern.

Wer zeitlich flexibel ist, findet am Donnerstag, Freitag oder Sonntag möglicherweise angenehmere Bedingungen. Ruhig ist die SPIEL allerdings an keinem Tag. Auch vermeintlich weniger stark besuchte Zeiten können sich in einzelnen Hallen und Übergängen sehr voll anfühlen.

Am Sonntag endet die Messe früher als an den anderen Tagen. Zudem können einzelne Spiele oder Promos bereits ausverkauft sein. Für einen Familienbesuch muss das kein Nachteil sein. Wer in erster Linie ausprobieren und gemeinsam einen schönen Tag verbringen möchte, ist nicht auf eine vollständig gefüllte Verkaufstheke angewiesen.

Unabhängig vom Messetag lohnt sich ein früher Beginn. Am Vormittag sind Kinder meist ausgeruhter, und an einigen Spieltischen bestehen noch bessere Chancen auf einen freien Platz.

Eintrittskarten für Kinder

Kinder unter vier Jahren haben freien Eintritt. Für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren sind Kindertickets erhältlich. Außerdem bietet die SPIEL ein Familienticket für zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder dieser Altersgruppe an.

Eintrittskarten gibt es ausschließlich im Online-Ticketshop. Tageskassen vor Ort stehen nicht mehr zur Verfügung. Da einzelne Messetage ausverkauft sein können, sollte man auch Familientickets rechtzeitig kaufen.

Jede Person benötigt ein eigenes Ticket, sofern sie nicht aufgrund ihres Alters freien Eintritt hat. Die Tickets sollten bei einem Familienbesuch möglichst auf mehr als einem Smartphone verfügbar sein. Wird die Gruppe im Eingangsbereich getrennt, befinden sich sonst womöglich sämtliche Eintrittskarten bei der falschen Person.

Den Familienbesuch nicht überladen

Vor der Messe kann man eine kleine Auswahl an Kinder- und Familienspielen zusammenstellen. Die Ausstellerliste und die SPIEL-App helfen dabei, passende Verlage und Standnummern zu finden.

Fünf oder sechs wichtige Anlaufpunkte reichen für einen ersten Plan vollkommen aus. Dazwischen bleibt Raum für spontane Entdeckungen. Ein eng getakteter Ablauf mit zahlreichen Pflichtstationen erzeugt dagegen unnötigen Druck.

Kinder bleiben häufig an anderen Dingen hängen als Erwachsene. Eine auffällige Spielfigur, ein Geschicklichkeitsspiel oder ein Stand mit ungewöhnlichem Material kann interessanter sein als die Neuheit, die zu Hause sorgfältig auf der Wunschliste markiert wurde. Dieser Umweg gehört zum Messebesuch dazu.

Bei längeren Spielen sollte vorab nach der ungefähren Dauer einer Proberunde gefragt werden. Eine vollständige Stunde am Tisch kann für ein Kind genau richtig oder viel zu lang sein. Auf der Messe genügt häufig eine verkürzte Runde, um einen Eindruck zu gewinnen.

Kinderwagen oder Bollerwagen?

Ein Kinderwagen ist für jüngere Kinder auf der SPIEL oft hilfreich. Er ermöglicht eine Pause, wenn die Beine nicht mehr mitmachen, und bietet etwas Stauraum für Jacken, Verpflegung und kleinere Einkäufe.

In vollen Gängen wird der Kinderwagen allerdings schnell unhandlich. Besonders an Hallenübergängen, beliebten Ständen und eng belegten Spielbereichen ist Geduld erforderlich. Große Modelle mit umfangreicher Ladefläche nehmen entsprechend mehr Raum ein.

Bollerwagen sind auf dem Messegelände nicht grundsätzlich verboten. Der Veranstalter rät wegen der vollen Gänge und des damit verbundenen Verletzungsrisikos jedoch davon ab. Für den Transport von Kindern ist ein Kinderwagen die geeignetere Lösung. Auch der sollte aber möglichst kompakt sein und nicht zusätzlich als rollendes Spielelager dienen.

Was gehört mit Kindern in die Messetasche?

Neben Eintrittskarten, Smartphone und Powerbank sind Getränke und unkompliziert essbare Snacks wichtig. Eigene Speisen und Getränke dürfen mitgebracht werden. Je nach Alter und persönlichen Bedürfnissen können außerdem Wechselkleidung, Feuchttücher, Windeln, benötigte Medikamente und eine kleine vertraute Beschäftigung für Wartezeiten sinnvoll sein.

Für geräuschempfindliche Kinder gehört ein passender Gehörschutz in die Tasche. Kapselgehörschützer lassen sich schnell auf- und absetzen und werden von vielen Kindern besser akzeptiert als Ohrstöpsel. Das Modell lieber einmal vor der Messe ausprobieren. Ein unbekannter, drückender Gehörschutz wird mitten in einer vollen Halle kaum plötzlich Begeisterung auslösen.

Was passiert, wenn ein Kind verloren geht?

In dichten Menschenmengen kann eine kurze Unaufmerksamkeit ausreichen, um ein Kind aus den Augen zu verlieren. Deshalb sollte bereits vor dem Betreten der Hallen festgelegt werden, was in diesem Fall passiert.

Ältere Kinder können einen eindeutig beschriebenen Treffpunkt aufsuchen. Dafür eignet sich ein fester Bereich an einem Eingang oder einer Messeinformation besser als der „große bunte Stand“, von denen es auf der SPIEL einige gibt.

Bei jüngeren Kindern sollten Name und Mobilfunknummer einer Begleitperson mitgeführt werden, beispielsweise auf einem Armband, einer Karte in der Kleidung oder einem dafür vorgesehenen Anhänger. Die Adresse gehört aus Datenschutzgründen nicht darauf.

Ein Foto am Morgen dokumentiert außerdem, welche Kleidung das Kind an diesem Tag trägt. Sollte tatsächlich Hilfe bei der Suche benötigt werden, ist eine konkrete Beschreibung damit einfacher möglich.

Wickelräume und Toiletten

Auf dem Messegelände stehen mehrere Wickelräume zur Verfügung. Sie befinden sich unter anderem in den Foyers und in verschiedenen Hallenbereichen. Die genauen Standorte können in der SPIEL-App beziehungsweise in den aktuellen Besucherinformationen nachgesehen werden.

Die Wege dorthin sollte man nicht erst dann suchen, wenn es bereits besonders dringend ist. Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Hallenübergänge und volle Gänge können aus einer vermeintlich kurzen Entfernung einen deutlich längeren Weg machen.

Ist die SPIEL Essen barrierefrei zugänglich?

Die Eingänge Ost, Süd und West sind ebenerdig angelegt. Damit lässt sich das Messegelände grundsätzlich ohne Treppen betreten. Die einzelnen Hallen und Übergänge sind ebenfalls für Rollstuhlfahrer zugänglich.

Bei der Anreise mit der U11 stehen zwei Haltestellen zur Wahl. An der Haltestelle Messe Ost/Gruga führt ein Aufzug zum Eingang Ost. Von Messe West-Süd/Gruga führt eine Rampe zum Eingang West. Bis zum Eingang Süd beträgt der Weg von dort ungefähr 300 Meter.

Baustellen, defekte Aufzüge oder kurzfristige Änderungen können aber Probleme verursachen. Vor der Anreise empfiehlt sich deshalb eine Kontrolle der aktuellen Verkehrsmeldungen und Aufzugsinformationen.

Die formale Zugänglichkeit sagt zudem wenig darüber aus, wie angenehm das Vorankommen während des laufenden Messebetriebs ist. Breite Gänge können durch wartende Gruppen, Taschen, Trolleys und Besucher vor Verkaufsständen erheblich schmaler werden. Besonders am Samstag ist mit dichtem Gedränge zu rechnen.

Behindertenparkplätze an der Messe Essen

In der Nähe der Eingänge Ost, Süd und West gibt es Parkplätze für Menschen mit Behinderung. Sie können mit dem entsprechenden blauen Parkausweis der Straßenverkehrsbehörde genutzt werden, der normale Schwerbehindertenausweis reicht dafür nicht aus. Die Verkehrsordner weisen vor Ort den Weg.

Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 80 können nach Angaben der Messe kostenlos parken. Dafür muss das Parkticket an einer Information unter Vorlage des Schwerbehindertenausweises rabattiert werden.

Besonders bei einer zwingend erforderlichen, eingangsnahen Parkmöglichkeit ist eine vorherige Anfrage bei der Messe sinnvoll. Eine spontane Klärung im morgendlichen Messeverkehr könnte problematisch werden.

Ermäßigte Tickets und Begleitpersonen

Für Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 wird ein ermäßigtes Eintrittsticket angeboten. Benötigt eine schwerbehinderte Person aufgrund eines entsprechenden Merkzeichens eine Begleitung, kann die Begleitperson ein kostenfreies Ticket erhalten.

Dieses Ticket wird nicht automatisch zusammen mit dem ermäßigten Eintritt ausgestellt. Nach dem Kauf des Tickets für die schwerbehinderte Person müssen die erforderlichen Angaben und ein Nachweis per E-Mail an den Veranstalter übermittelt werden. Anerkannt werden nach den aktuellen Vorgaben die Merkzeichen B, Bl, G, aG und H.

Da jede Person auf dem Messegelände ein eigenes Ticket benötigt, sollte dieser Vorgang rechtzeitig abgeschlossen werden. Eine Klärung erst am Eingang ist riskant, zumal es keine Tageskassen mehr gibt.

Rollstuhlverleih auf der SPIEL Essen

Die Messe Essen bietet einen kostenfreien Rollstuhlverleih an. Für die Ausleihe sind ein Personalausweis und eine Kaution von 50 Euro erforderlich. Der Rollstuhl kann für den gesamten Besuchstag genutzt werden.

Eine vorherige Reservierung ist notwendig. Die Zahl der verfügbaren Rollstühle ist naturgemäß begrenzt. Der Service eignet sich unter anderem für Menschen, die kurze Strecken noch bewältigen können, denen ein vollständiger Messetag mit vielen Kilometern zu Fuß aber nicht möglich ist.

Auch bei einer nur zeitweise benötigten Mobilitätshilfe sollte der tatsächliche Kraftaufwand nicht unterschätzt werden. Auf dem Messegelände kommen lange Wege, Wartezeiten und die Anreise zusammen. Ein Hilfsmittel vorsorglich einzuplanen ist sinnvoller, als erst nach mehreren Hallen festzustellen, dass der Rückweg kaum noch zu schaffen ist.

Barrierefreie Toiletten

Behindertengerechte Toiletten befinden sich in den Foyers Ost, West und Süd sowie in den Hallen 3, 4 und 6. Die Anlagen sind mit einem EURO-WC-Schloss ausgestattet.

Falls kein eigener EURO-WC-Schlüssel vorhanden ist, kann das Personal der Toilettenwartung die Tür öffnen. Außerdem lässt sich an den Messeinformationen gegen Hinterlegung eines Ausweises ein Schlüssel ausleihen.

Die Standorte sollten möglichst früh im Hallenplan markiert werden. Gerade bei einer körperlichen Einschränkung ist es wenig hilfreich, erst im Bedarfsfall durch mehrere Hallen nach einer zugänglichen Toilette suchen zu müssen.

Wenige Sitzplätze und lange Wege

Die SPIEL Essen bietet viele Spieltische, aber vergleichsweise wenige frei verfügbare Sitzgelegenheiten. Das klingt zunächst widersprüchlich, hat jedoch einen einfachen Grund: Die Stühle an den Spieltischen sind für laufende Proberunden vorgesehen und meist belegt. Sie können nicht als allgemeiner Pausenbereich betrachtet werden.

Auch in den gastronomischen Bereichen ist ein freier Platz keineswegs garantiert. Besonders mittags sind Restaurants, Imbissbereiche und die dazugehörigen Sitzplätze stark ausgelastet. Wer auf regelmäßige Sitzpausen angewiesen ist, sollte die Planung deshalb nicht auf die Hoffnung stützen, irgendwo werde schon ein freier Stuhl stehen.

Für Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit kann ein leichter, tragbarer Klapphocker oder Teleskophocker hilfreich sein. Solche Modelle lassen sich zusammengefaltet an einer Tasche tragen und bei Bedarf für eine kurze Pause nutzen. Wichtig sind ein sicherer Stand, eine ausreichende Belastbarkeit und eine einfache Handhabung.

Auch ein Gehstock mit integriertem Drehsitz oder eine andere Sitzhilfe kann eine Möglichkeit sein. Das Modell sollte vor der Messe ausprobiert werden. Ein wackeliger Mechanismus oder eine ungewohnte Sitzhöhe fallen in einer ruhigen Wohnung weniger unangenehm auf als in einer vollen Messehalle.

Pausen nicht dem Zufall überlassen

Pausen sollten bei Kindern und Menschen mit eingeschränkter Belastbarkeit zum festen Ablauf gehören. Das bedeutet nicht, dass genaue Uhrzeiten eingehalten werden müssen. Sinnvoll sind vielmehr regelmäßige kurze Unterbrechungen, bevor Müdigkeit, Schmerzen oder Reizüberlastung deutlich einsetzen.

Die Restaurants sind für eine ruhige Pause häufig nur bedingt geeignet. Neben der Auslastung bleibt dort der Geräuschpegel hoch. Mitgebrachte Getränke und Snacks machen unabhängiger und ermöglichen eine Pause zu einer weniger stark besuchten Zeit.

Wer das Messegelände zwischendurch verlässt, muss sich am Ausgang ein Wiedereintrittsbändchen geben lassen. Das ursprüngliche Ticket kann nicht mehrfach gescannt werden. Eine Ausnahme bilden die Freiflächen zwischen den Messehallen – der Aufenthalt dort gilt nicht als Verlassen des Messegeländes. Ein kurzer Aufenthalt im Freien oder eine längere Pause außerhalb der Hallen kann besonders bei Reizüberlastung hilfreich sein.

Hochsensibilität, Neurodivergenz und Reizüberflutung

Nicht jede Barriere ist sichtbar. Für autistische Menschen, Personen mit ADHS, hochsensible Menschen und andere Besucher mit starker Reizempfindlichkeit kann die SPIEL besonders anstrengend sein.

In den Hallen treffen dauerhafte Hintergrundgeräusche auf viele einzelne Stimmen, Regelerklärungen, Musik und Geräusche von Spielmaterial. Gleichzeitig bewegen sich ständig Menschen durch das Sichtfeld. Beleuchtung, Gerüche und unvermeidbare Berührungen im Gedränge können zusätzliche Belastungen auslösen.

Auch Menschen, die solche Situationen grundsätzlich bewältigen können, erreichen unter diesen Bedingungen möglicherweise schneller ihre persönliche Grenze. Reizüberlastung zeigt sich nicht immer sofort. Konzentrationsprobleme, zunehmende Gereiztheit, Kopfschmerzen, Erschöpfung oder das plötzliche Bedürfnis, die Halle umgehend zu verlassen, können Warnzeichen sein.

Hilfreich ist ein Plan, der von Anfang an weniger Programmpunkte vorsieht. Wer bereits mit einer vollständig gefüllten Wunschliste startet, empfindet jede notwendige Pause als Verlust. Eine kleinere Auswahl erleichtert es, den Besuch an die aktuelle Belastbarkeit anzupassen.

Gehörschutz für Kinder und Erwachsene

Ein Gehörschutz kann den dauerhaften Geräuschpegel deutlich reduzieren. Das gilt nicht nur für kleine Kinder. Auch Erwachsene mit Autismus, ADHS, Hochsensibilität, Migräneneigung oder allgemein starker Geräuschempfindlichkeit können davon profitieren.

Kapselgehörschützer sitzen über den Ohren und lassen sich schnell abnehmen. Für Kinder sind spezielle Modelle erhältlich, die an kleinere Köpfe angepasst sind. Bei Erwachsenen kommen außerdem Ohrstöpsel oder geräuschreduzierende Kopfhörer infrage.

Noise-Cancelling-Kopfhörer dämpfen gleichmäßige Hintergrundgeräusche häufig gut, bei Stimmen und plötzlich auftretenden Geräuschen wirken sie je nach Modell unterschiedlich. Spezielle Ohrstöpsel mit Filter reduzieren den Pegel, ohne Gespräche vollständig auszublenden. Welche Lösung passt, sollte vor der Messe in einer alltäglichen Umgebung ausprobiert werden.

Der Gehörschutz darf wichtige Kommunikation nicht vollständig verhindern. Kinder müssen ihre Begleitpersonen weiterhin wahrnehmen können. Auch Durchsagen oder Warnsignale sollten nicht völlig ausgeblendet werden.

Niemand muss einen Gehörschutz den ganzen Tag tragen. Häufig genügt es, ihn in besonders vollen Hallen, während längerer Wege oder beim ersten Anzeichen einer Überlastung einzusetzen.

Sichtbare Orientierung entlastet

Eine vorbereitete Route hilft nicht nur dabei, Wege zu verkürzen. Sie reduziert zugleich die Zahl spontaner Entscheidungen in einer ohnehin reizintensiven Umgebung.

Einige wenige Wunschstände können in der SPIEL-App markiert und zusätzlich als Screenshot gespeichert werden. Damit bleibt die Orientierung auch dann erhalten, wenn Mobilfunknetz oder App nicht zuverlässig funktionieren.

Bei Kindern und neurodivergenten Besuchern kann ein grober Ablauf Sicherheit geben: zunächst zwei bekannte Stände, anschließend eine Pause, danach ein Bereich für spontane Entdeckungen. Der Plan sollte jedoch flexibel bleiben. Eine notwendige Unterbrechung ist kein Scheitern der Tagesplanung.

Ebenso hilfreich ist eine klare Vereinbarung für den Fall, dass die Gruppe getrennte Wege geht. Treffpunkte sollten eindeutig und leicht erreichbar sein. Ein bestimmter Eingang oder eine Messeinformation eignet sich besser als ein großer Stand, der von mehreren Seiten zugänglich ist.

Essen und Trinken ohne zusätzlichen Stress

Eigene Speisen und Getränke dürfen mit auf das Messegelände genommen werden. Gerade für Kinder, Menschen mit Unverträglichkeiten oder Besucher mit festen Essenszeiten aufgrund von Medikamenteneinnahme ist das ein wichtiger Vorteil.

Die gastronomischen Bereiche sind insbesondere rund um die Mittagszeit stark besucht. Schlangen, volle Tische und zusätzlicher Lärm können eine ohnehin bestehende Überlastung verstärken. Ein mitgebrachter Snack ermöglicht eine Pause, ohne zunächst einen Platz im Restaurant erkämpfen zu müssen.

Geeignet sind Lebensmittel, die unkompliziert gegessen werden können, nicht stark riechen und keine umfangreiche Vorbereitung benötigen. Ausreichend Wasser gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Getränke sollten allerdings so verpackt sein, dass sie weder in der Tasche noch über einem Spieltisch auslaufen.

Medikamente und Erste Hilfe

Regelmäßig benötigte Medikamente gehören in die persönliche Tasche und nicht in einen Koffer an der Garderobe. Auch Notfallmedikamente müssen jederzeit erreichbar bleiben.

Auf dem Messegelände befinden sich Erste-Hilfe-Räume in den Hallen 3 und 7. Ihre Standorte können bereits vor dem Besuch im Hallenplan markiert werden. Bei gesundheitlichen Einschränkungen ist außerdem eine kurze Information innerhalb der Begleitgruppe sinnvoll: Wo befinden sich Medikamente, was ist im Notfall zu beachten und wer kann unterstützen?

Medizinische Assistenzhunde dürfen auf das Messegelände, andere Tiere sind nicht zugelassen. Wegen der Menschenmengen und des Geräuschpegels wäre die Messe für sie ohnehin kaum ein vergnüglicher Ausflug.

Lieber früher gehen als bis zum Ende durchhalten

Ein früheres Ende ist kein misslungener Messebesuch. Das gilt für Kinder ebenso wie für Menschen mit Schmerzen, Erschöpfung oder Reizüberlastung.

Wer Warnzeichen ignoriert, gewinnt möglicherweise noch eine zusätzliche Halle, verliert aber den angenehmen Eindruck des gesamten Tages. Ein Besuch, der nach vier guten Stunden endet, kann deutlich erfolgreicher sein als ein achtstündiges Durchhalteprogramm.

Bei mehrtägigen Aufenthalten lohnt es sich ebenfalls, Kräfte einzuteilen. Nicht jeder Tag muss von der Öffnung bis zum Messeschluss ausgenutzt werden. Die SPIEL findet im nächsten Jahr wieder statt. Der eigene Energiehaushalt veranstaltet dagegen keine unbegrenzten Zusatzrunden.

Checkliste für besondere Bedürfnisse

Je nach Alter und persönlichen Voraussetzungen können folgende Dinge hilfreich sein:

  • Eintrittskarten offline und gegebenenfalls ausgedruckt
  • Medikamente und Notfallmedikamente
  • Getränk und geeignete Snacks
  • Kapselgehörschutz, Ohrstöpsel oder geräuschreduzierende Kopfhörer
  • leichter Klapp-, Teleskop- oder Drehsitz
  • kompakter Kinderwagen
  • Wechselkleidung und Feuchttücher
  • Kontaktdaten für Kinder
  • Screenshot wichtiger Wege und Standnummern
  • Informationen zu barrierefreien Toiletten
  • EURO-WC-Schlüssel, sofern vorhanden
  • Powerbank und Ladekabel
  • festgelegte Treffpunkte
  • bewusst klein gehaltener Tagesplan

Barrierefreiheit braucht mehr als einen stufenlosen Eingang

Die SPIEL Essen ist grundsätzlich auch für Kinder, Rollstuhlfahrer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich. Ebenerdige Eingänge, behindertengerechte Toiletten, ausgewiesene Parkplätze und ein reservierbarer Rollstuhlverleih schaffen wichtige Voraussetzungen.

Der tatsächliche Messebesuch wird jedoch ebenso von langen Wegen, vollen Gängen, wenigen frei verfügbaren Sitzplätzen und einem hohen Geräuschpegel bestimmt. Diese Belastungen betreffen nicht nur Menschen mit sichtbaren Behinderungen. Auch neurodivergente, hochsensible oder anderweitig reizempfindliche Besucher können eine deutlich kleinere Tagesplanung, Gehörschutz und regelmäßige Ruhepausen benötigen.

Mitgebrachte Verpflegung schafft Unabhängigkeit von überfüllten Restaurants. Eine leichte tragbare Sitzhilfe kann kurze Pausen ermöglichen, solange sie sicher verwendet wird und keine Wege blockiert. Für Kinder kann ein passender Gehörschutz ebenso sinnvoll sein wie für Erwachsene.

Entscheidend ist nicht, möglichst lange in den Hallen auszuhalten. Ein gelungener Besuch orientiert sich an den Menschen, die ihn erleben sollen – und nicht an der Zahl der abgehakten Stände.

Grafik: © Redaktion Spieledorf (KI-generiert mit DALL∙E)

Heute 290

Gestern 380

Woche 2.163

Monat 7.720

Insgesamt 5.422.681

Wir benutzen Cookies

Um unsere Webseite optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch das Klicken auf „Akzeptieren“ stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Klicken Sie auf „Ablehnen“, werden keine Tracking-Cookies gesetzt. Die Webseite kann in diesem Fall unter Umständen nicht in vollem Umfang genutzt werden. Weitere Informationen zu den eingesetzten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
CookieHint and Consent by reDim GmbH (Öffnet in neuem Fenster)