Internationale Spieledesigner prägen die Messe Spiel 18

Die Internationalen Spieltage in Essen tragen ihr Adjektiv nicht umsonst. Schon seit vielen Jahren kommen nicht nur Besucher aus aller Herren Länder, sondern auch Aussteller. In den vergangenen Jahren wuchs vor allem ihre Zahl rasant.

Mythbond Designer Lith FungLith Fung ist der Designer von Mythbond.Waren es 2011 noch 34 verschiedene Nationen, erhöhte sich die Anzahl stetig (2013: 39; 2014: 41) und liegt seit 2016 konstant bei 50 Ländern. Im vergangenen Jahr war Saudi-Arabien erstmals vertreten. Drei gemeldete Verlage aus dem Iran konnten 2017 allerdings nicht kommen – sie hatten keine Ausreisegenehmigung erhalten. Nicht immer ist spielen so unpolitisch wie es wünschenswert wäre.

Koreanische und taiwanesische Hersteller präsentieren sich seit vielen Jahren gemeinschaftlich auf der Spiel. In diesem Jahr kamen Gemeinschaftsstände aus Großbritannien und Frankreich hinzu. Und auch die kleineren skandinavischen Verlage schließen sich zur Spiel in Essen gern zusammen. Zum ersten Mal gab es 2018 einen indonesischen Pavillon in Halle 3, an dem die von der indonesischen Regierung unterstütze Creative Economy Agency zusammen mit der Indonesia Boardgame Players Association Spiele von 15 indonesischen Spieleautoren vorstellten.

 

Mythbond bringt einen ganz neuen „Gegner“

Mythbond SpielDer Mythbond-Prototyp auf der Spiel in Essen.Dass sich Asien zu einem starken Markt für Brettspieldesigner entwickelt, zeigen auch die vielen Kickstarter-Projekte, deren Prototypen in Essen zumeist an kleineren Ständen vorgestellt wurden. Nicht immer waren diese „Perlen“ einfach zu finden, versteckten sie sich doch alle in den kleineren Hallen. Stellvertretend wollen wir an dieser Stelle ein Projekt vorstellen, das uns besonders beeindruckt hat, obwohl es nicht direkt unsere Zielgruppe anspricht: „Mythbond – Wake the Monsters“ von BRam Games aus Hongkong. Designer Lith Fung war gemeinsam mit Rosemary Wong zur Spiel gekommen, um sein Fantasy-Spiel um einen Drachen zu präsentieren.

Lith Fung hat im Jahr 2000 mit dem Entwickeln von PC- und Online-Spielen begonnen und ist über diesen Weg zum Brettspiel-Design gekommen – um „die virtuelle Welt in die Realität zu bringen“, wie er selbst sagt. Zudem betreibt er ein Brettspiel-Café im Stadtzentrum von Hongkong. Für Mythbond gründete er 2017 seinen eigenen Verlag BRam Games, in dem mit „Mythbond: „Don‘t wake the Monsters“ bereits ein Partyspiel erschienen ist, bei dem Abenteurer versuchen, so viele Schätze wie möglich zu stehlen, ohne das Monster zu wecken. In Essen war dieses Spiel nicht zu sehen, dort konzentrierten sich BRam Games komplett auf ihr neues Projekt „Mythbond – Wake the Monsters“. Spieltechnisch übrigens das komplette Gegenteil des Erstlings.

„Wake the Monsters“ ist ein semikooperatives Monster-Kampfspiel, bei dem nach und nach in vier Stufen ein riesiger Do-it-Yourself-Drache aus stabiler Pappe entsteht, der im Verlauf des Spiels bekämpft werden muss. Das wird von Stufe zu Stufe schwieriger, da der Drache wächst und sich entwickelt. Im Spiel kontrollieren die Spieler sowohl ihre eigenen Charaktere als auch ihren Anteil an der Aktion des Monsters, was das Spiel sehr unberechenbar macht. „Man stirbt anfangs recht häufig, wenn man nicht aufpasst, welche Aktionen man durchführt“, erklärt der Designer. Um alle Kapitel des Spiels erfolgreich abzuschließen sind laut Autor je nach gewählten Aktionen etwa 20 bis 24 Stunden nötig.

Der Spielablauf versteckt sich in einem Buch, das Kapitel für Kapitel gespielt wird und so die Geschichte von „Wake the Monsters“ enthüllt. Das Buch enthält auch die Stanzplatten mit dem Drachenbausatz. In Essen wurde der Drache in den Ausbaustufen eins und drei präsentiert. „Auf die letzte Ausbaustufe haben wir verzichtet, um die Überraschung zu erhalten“, erklärte Lith Fung. Eines sei verraten: Fertig zusammengesetzt misst der Drache stolze 40 Zentimeter. Doch auch Stufe drei, die in einer Glasvitrine zu bestaunen war, zog die Blicke auf sich. „Eine Dame wollte den Drachen für ihren Enkel kaufen, so beeindruckt war sie“, ergänzt Rosemary Wong.

 

Die Spielidee wurde bereits ausgezeichnet

Mythbond CoverDas geplante Artwork für das Spiel.„Mythbond – Wake of Monsters“ erregte erstmals die Aufmerksamkeit vieler Spieler, als es in Hongkong einen großen Game-Design-Wettbewerb gewann. Die Spielidee wurde 2017 vom ACG + Capital-Projekt mit Unterstützung der Regierung von Hongkong ausgezeichnet. Zu den Richtern zählen Michael Moriarty (Geschäftsführer von HFE & SVP Global Sourcing, Hasbro), Günther Hake (Chief Representative von Time Warners Turner Greater China), Alex Woo (ehemals Pixar Animation Studios Story Lead) und Tim Cheung (Animationsregisseur, u.a. für „Shrek“). Als „Mythbond – Wake the Monsters“ in diesem Jahr in Hongkong und Taiwan zum ersten Mal vorgestellt wurde, sorgte es für entsprechenden Wirbel.

Neben dem Wunsch, die Welt der Videospiele auf den Spieltisch zu holen, ist vor allem das Drachenmodell ein Herzensprojekt des Spieleautors. „Ich finde es sehr schade, dass bei klassischen Tabletop-Spielen die Miniaturfiguren nach dem Spiel in der Schachtel landen und sie niemand mehr zu Gesicht bekommt“, sagt Lith Fung. Mit seinem Drachen wollte er eine Spielfigur schaffen, die auch nach dem Spiel für Begeisterung sorgt. „So etwas können sich vor allem Fantasy-Fans später in eine Vitrine stellen. Von diesem Monster hat man lange etwas“, sagt der Spieledesigner.

Unterstützt wird „Mythbond“ auch vom Hongkonger Minister für Handel und wirtschaftliche Entwicklung, Edward Yau, der BRam Games in diesem Jahr auf der Ani-Com & Games HK besuchte. Ab Dezember ist eine Kickstarter-Kampagne geplant, um Mythbond auf den Markt zu bringen. Wer in Essen den Stand von Lith Fung und Rosemary Wong besuchte, konnte eine „Early Bird“-Vorbestellungsmöglichkeit nutzen.

www.bramgames.com

 

Mythbond DracheDer Mythbond-Drache in der dritten Ausbaustufe.

 

Fotos: © Hong Kong Economic and Trade Office Berlin, Redaktion Spieledorf

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