Spiel ´22: Zurück in den heiligen Hallen

Nach der Lightversion im Vorjahr waren in diesem Jahr wieder viele Verlage vertreten, die 2021 coronabedingt nicht teilnehmen konnten oder freiwillig darauf verzichtet haben. Aber auch zahlreiche Neulinge mischten sich unter die alten Hasen in Essen. Zu entdecken gab es deshalb viel.

Amigo WürfelheldenDer erste Schritt in die Messehallen ist untrennbar verbunden mit dem Geruch vieler neuer Spiele. Die frisch ausgepackten Schachteln haben einen ganz eigenen Geruch (by the way: wie wäre es mit der Vermarktung eines Parfums „Spiel“ mit dem Duft neuer Spieleschachteln? Das fände vermutlich unter Fans reißenden Absatz). Es ist und bleibt immer wieder ein Erlebnis, wenn sich die Türen der Hallen öffnen und die Menschen wie eine Welle hineinschwappen. Fast so wie immer. Das einzige, was in gewisser Form an Corona erinnerte, war die Pflicht, eine medizinische Maske zu tragen. Dies war im Vorfeld in den sozialen Medien von zahlreichen Menschen kritisiert worden, aber eben von noch mehr Menschen (auch von uns) begrüßt. Diskussionen über dieses Thema sind ohnehin müßig, der Friedhelm Merz Verlag hat in diesem Fall Hausrecht und dieses ausgeübt – entweder, der Besucher findet sich damit ab oder er lässt es bleiben und verzichtet.

Ansonsten war es tatsächlich wie immer: Fröhliche Besucher aller Orten, die glücklich darüber waren, wieder miteinander spielen zu dürfen. Wer für ein Spiel keinen Spielpartner hatte, wurde an anderen Tischen hinzugebeten, nicht selten fanden sich komplett neue Gruppen zusammen, um gemeinsam eine Neuheit auszuprobieren. Im Spiel sind alle gleich und das ist das wunderbar.

Spiel ´22: Und sonst so?

Natürlich gab es gleich zu Beginn wieder die obligatorischen Schlangen am ein oder anderen Stand, die teilweise mehrere Meter durch die Hallen reichten – und die sich schlagartig auflösten, wenn das begehrte Spiel mit einem schlichten „ausverkauft“ gekennzeichnet war. Was in diesem Jahr fehlte, war das eine Highlight, über das schon vor der Messe groß berichtet wurde und das sich von allem anderen abhob. Beispiele dafür in den vergangenen Jahren waren Terraforming Mars (2017), Azul (2018) oder Gloomhaven (2021). Es gab viel Schönes und Spannendes zu entdecken, aber nichts, was aus der Masse so deutlich herausstach, dass man darin schon den garantierten Sieger des Deutschen Spielepreises 2023 sehen konnte.

Ansonsten war schon im Vorfeld klar, dass niemand die Chance haben würde, alle Neuheiten auszuprobieren. Bei 1800 Spielen besteht nicht einmal der Hauch einer Möglichkeit, auch nur das anzuschauen, was man sich vorher auf die Liste setzt. Bei uns standen sage und schreibe 144 Favoriten nur bei den Ausstellern auf dem Programm. An dieser Stelle übrigens ein großes Dankeschön an den Friedhelm Merz Verlag für die Umsetzung der App, die sich bei der Planung des Messebesuchs als äußerst hilfreich erwiesen hat.

Wie immer waren wir nicht auf der Suche nach den großen Deckbuilding-Spielen, die ihre Fans für mehrere Stunden an den Spieltisch fesseln, sondern richteten unseren Blick auf generationenübergreifende Spiele für Familien und solche, die auch im kleinen Kreis oder nur zu zweit eine Herausforderung bieten. Unser erster Weg führt traditionell zum Stand von Gerhards Spiel & Design, an dem wir die Neuheiten „Laniakea“ und „Waldmeister“ anspielten, die beide auf Anhieb überzeugten. Unser Faible für Logikspiele lockte einmal mehr zu  Smartgames. Die meisten Spiele sind nur für einen Spieler geeignet, seit einiger Zeit gibt es jedoch auch Spiele für Familien oder für zwei Spieler. Eine der Neuheiten, „Kuschelkolonien“, ist ein Strategiespiel für bis zu vier Personen, das auch schon kleinere Kinder mitspielen können. Es gilt, Pinguinfamilien so nah wie möglich zusammenzustellen. Da die Mitspieler etwas dagegen haben, ist das gar nicht so einfach.

Beim Zoch-Verlag spielten wir ein Ründchen „Pizza Rabazza“. Dabei geht es darum, möglichst schnell Pizzen zu den richtigen Kunden zu bringen. Dabei gibt es natürlich eine Reihe von Hindernissen und ab sofort haben wir noch mehr Respekt als bislang vor unserem Pizzalieferanten. Die „Würfelhelden“ am Stand von Amigo bieten nicht nur ein tolles Spielprinzip, von dem wir sehr schnell begeistert waren, sondern vor allem eine sehr liebevolle und schön ausgearbeitete Grafik. Und gerade für Zocker ist es ein richtig schönes Spiel. Etwas weniger überzeugt hat uns die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ bei der Game Factory. Das Spiel ist schön gestaltet, bietet aber viel zu viele Möglichkeiten, die viel zu sehr vom Zufall abhängen. Am Ende kommt es mitunter vor, dass das Spielziel überhaupt nicht erreicht wird.

"Obstsalat" und Musik raten

Am Stand von Huch! haben wir bei „Fresh Fruits“ frische Früchte zermatscht – ein kurzweiliges Spiel, das generationenübergreifend hervorragend funktioniert. Ebenfalls überzeugt hat uns „Hitster“ von Jumbo, ein Musikratespiel, das mit Hits von den 1920er- bis zu den 2020er-Jahren arbeitet. Es gilt, diese durch Anhören in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ein Spieler scannt mit der kostenlosen App eine Musikkarte und dann raten alle reihum, wann der Song von wem veröffentlicht wurde und wie er heißt. Kleines Manko: Dafür ist zusätzlich die Spotify-App nötig, das Spiel funktioniert aber mit einem kostenfreien Account.

Auf Geschicklichkeit setzt das neue Kinder- und Familienspiel von Spin Master: „Rubinjagd im Treibsand“. Auf einer Fläche bestehend aus verschränkten Stäben befindet sich eine Fläche aus „Treibsand“ (Kinetic Sand, ein fluffiger Spielsand). Darauf werden Figuren platziert und nach und nach Stäbchen herausgezogen. Welche das sind, bestimmt der Würfel. Je mehr Stäbchen verschwinden, desto mehr gerät der Sand ins Rutschen. Wer als letzter noch auf dem Treibsand steht, hat gewonnen. Weniger aufregend, aber nicht weniger vergnüglich geht es bei „Maui“ (Next Move) zu. Dabei belegen die Spieler ihre Strände, indem sie Handtücher nah ans Wasser oder unter Bäumen und Sonnenschirmen auslegen, um Punkte zu erhalten. Der Spieler, der gleich gemusterte Handtücher am geschicktesten verbindet und die perfekten Liegeplätze am Strand schafft, gewinnt. Die Regeln klingen auf den ersten Blick einfach, das Spielprinzip bietet jedoch auch Taktikmöglichkeiten und zudem eine Variante für noch mehr Herausforderungen.

Soweit unser Überblick über einige wenige der 1800 Neuheiten. Es war einmal mehr eine wunderbare Messe und wir freuen uns schon jetzt auf das kommende Jahr.


Save the Date: Die nächsten Internationalen Spieltage Spiel ´23 finden vom 5. bis 8. Oktober 2023 in der Messe Essen statt.

Hier gibt es jeweils eine Bildergalerie von der Neuheitenschau und eine von der Preisverleihung des Deutschen Spielepreises.

Foto: © spieledorf.net

 

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