Die SPIEL Essen ist groß, voll und für Brettspielfans ein besonderes Erlebnis. Unsere Tipps zeigen Erstbesuchern, wie sie sich in den Hallen zurechtfinden, Spiele ausprobieren und den Messetag genießen, ohne einem unmöglichen Zeitplan hinterherzulaufen.
Wer zum ersten Mal die SPIEL Essen besucht, freut sich vermutlich auf viele neue Brettspiele, volle Spieletische und den einen oder anderen überraschenden Fund. Trotzdem lässt sich die weltgrößte Publikumsmesse für Brettspiele kaum mit einem gewöhnlichen Einkaufsbummel vergleichen. Dafür sind die Hallen zu groß, die Eindrücke zu zahlreich und die Möglichkeiten schlicht zu verlockend. Mit etwas Vorbereitung wird der erste Besuch jedoch nicht nur deutlich entspannter, sondern vor allem zu einem besonderen Erlebnis.
Das Wichtigste in Kürze
Die SPIEL Essen findet jedes Jahr im Oktober auf dem Gelände der Messe Essen statt. Eintrittskarten sind ausschließlich vorab im Internet erhältlich. Tageskassen vor Ort gibt es nicht mehr. Da einzelne Besuchstage ausverkauft sein können, sollte man Tickets rechtzeitig kaufen.
Sämtliche Hallen, Neuheiten und Aussteller an einem Tag abzuhaken ist so gut wie unmöglich. Besser: Man sucht sich stattdessen einige Verlage oder Spiele heraus, die man unbedingt sehen will, und lässt dazwischen ausreichend Raum für spontane Entdeckungen. Gerade die kleinen, vorher völlig unbekannten Spiele gehören oft zu den schönsten Messeerlebnissen.
Was ist die SPIEL Essen?
Die SPIEL Essen ist die weltweit größte Publikumsmesse für Brettspiele. Verlage, Autoren, Händler und Anbieter von Spielezubehör präsentieren dort ihre Neuheiten und laden zum Ausprobieren ein. Das Angebot reicht vom kleinen Kartenspiel über Familien- und Kennerspiele bis zu umfangreichen Strategiespielen, Rollenspielen, Miniaturensystemen und Sammelkartenspielen.
Im Unterschied zu einer reinen Fachmesse richtet sich die SPIEL ausdrücklich an das Publikum. Besucher können sich an zahlreichen Ständen Spiele erklären lassen, Proberunden absolvieren, Neuheiten kaufen und mit Verlagsmitarbeitern oder gelegentlich sogar mit den Autoren ins Gespräch kommen. Für eine Partie am Messestand fallen keine zusätzlichen Kosten an. Mit dem Eintrittsticket können grundsätzlich alle Hallen und öffentlich zugänglichen Stände besucht werden.
Die Messe ist zugleich international ausgerichtet. Neben den bekannten deutschen Spieleverlagen sind zahlreiche kleinere Anbieter aus anderen europäischen Ländern, Asien, Nordamerika und weiteren Regionen vertreten. Dadurch lassen sich Spiele entdecken, die später möglicherweise gar nicht oder erst mit deutlicher Verzögerung auf Deutsch erscheinen.
Die SPIEL ist damit Verkaufsmesse, Spielveranstaltung und Branchentreffpunkt zugleich. Vor allem ist sie jedoch eines: sehr groß.
Wie groß ist die SPIEL Essen?
Selbst regelmäßige Besucher unterschätzen mitunter, wie weitläufig das Messegelände ist. Mehrere große Hallen, Galerien, Verbindungsgänge und Foyers bilden eine eigene kleine Spielewelt. Bereits der Weg von einem Ende des Geländes zum anderen kann einige Zeit beanspruchen – vorausgesetzt, man bleibt unterwegs nicht an fünf interessanten Ständen hängen. Und genau das passiert fast zwangsläufig.
Hinzu kommen die Menschenmengen. An beliebten Verlagsständen, in den Übergängen zwischen den Hallen und rund um bekannte Neuheiten geht es zeitweise nur langsam voran. Wer einen Stand lediglich anhand eines auffälligen Plakats wiederfinden möchte, stellt außerdem schnell fest, dass auffällige Plakate auf der SPIEL keineswegs selten sind.
Deshalb ist es sinnvoll, sich nicht nur den Namen eines Verlages, sondern auch die Halle und die vollständige Standnummer zu notieren. Das gilt ebenfalls für zufällige Entdeckungen. Ein schnelles Foto vom Spiel und von der Standnummer erspart später die Suche nach „diesem kleinen Verlag irgendwo hinten links“.
Reicht ein Tag für die SPIEL Essen?
Für einen ersten Eindruck reicht ein Messetag durchaus. Um die gesamte SPIEL kennenzulernen, reicht er nicht. Das ist allerdings auch nicht notwendig.
An einem Tag kann man durch mehrere Hallen schlendern, einige Wunschstände besuchen, Spiele ausprobieren und sich vom Angebot treiben lassen. Man wird aber trotzdem nur einen Ausschnitt der Messe sehen. Wer versucht, jede Halle vollständig und jeden Gang systematisch abzulaufen, hat am Abend wahrscheinlich viele Schachteln gesehen, aber kaum ein Spiel richtig wahrgenommen.
Noch deutlicher wird das beim Ausprobieren. Selbst eine verkürzte Demorunde dauert schnell eine halbe Stunde. Bei längeren Spielen oder vollständigen Partien kann deutlich mehr Zeit vergehen. Dazu kommen Wartezeiten, Gespräche, Pausen und die Wege zwischen den Ständen.
Zwei oder mehr Messetage bieten natürlich mehr Freiraum. Dann lässt sich beispielsweise ein Tag stärker für geplante Termine und bekannte Verlage nutzen, während an einem weiteren Tag Zeit für kleine Aussteller und spontane Proberunden bleibt. Für Erstbesucher ist ein mehrtägiger Aufenthalt aber kein Muss. Entscheidend ist vielmehr, die Erwartungen an die verfügbare Zeit anzupassen.
Welcher Messetag eignet sich für den ersten Besuch?
Die SPIEL beginnt traditionell am Donnerstag und endet am Sonntag. Jeder Tag hat eine etwas andere Atmosphäre.
Am Donnerstag möchten besonders interessierte Spieler die Neuheiten möglichst früh entdecken. Auch zahlreiche Medienvertreter, Händler und andere Branchenangehörige sind unterwegs. Die Auswahl ist zu diesem Zeitpunkt noch vollständig, zugleich kann der Andrang bei begehrten Spielen entsprechend groß sein.
Der Freitag gilt häufig als gute Möglichkeit für Besucher, die zeitlich flexibel sind und den großen Wochenendandrang vermeiden möchten. Ruhig ist allerdings ein relativer Begriff. Eine nahezu leere Messehalle sollte auf der SPIEL an keinem Öffnungstag erwartet werden.
Am Samstag kommen besonders viele Besucher, weil die meisten Menschen weder Urlaub nehmen noch einen Schultag berücksichtigen müssen. Entsprechend voll können Hallen, Spieltische, gastronomische Bereiche sowie öffentliche Verkehrsmittel werden.
Der Sonntag eignet sich unter anderem für Familien und für Besucher, die gezielt noch einige Stände ansehen möchten. Allerdings können einzelne Neuheiten, Promos oder mitgebrachte Kleinauflagen dann bereits ausverkauft sein. Außerdem schließt die Messe sonntags üblicherweise etwas früher als an den übrigen Tagen.
Welcher Tag am besten passt, hängt daher von den eigenen Möglichkeiten und Erwartungen ab. Wer Menschenmengen möglichst schlecht verträgt, sollte nach Möglichkeit nicht automatisch den Samstag wählen. Wer nur an diesem Tag kann, muss sich die SPIEL aber keineswegs ausreden lassen. Etwas mehr Geduld gehört dann einfach ins Messegepäck.
Eintrittskarten gibt es nur online
Ein spontaner Besuch mit anschließendem Ticketkauf am Eingang ist nicht mehr möglich. Die Eintrittskarten für die SPIEL Essen werden inzwischen nur noch über den Online-Ticketshop verkauft; Tageskassen auf dem Messegelände gibt es nicht mehr. Einzelne Messetage können zudem bereits vor Beginn der Veranstaltung ausverkauft sein. Wer zur SPIEL fahren möchte, sollte sich deshalb frühzeitig um das Ticket kümmern.
Das Ticket kann in der SPIEL-App gespeichert beziehungsweise auf dem Smartphone vorgezeigt werden. Eine zusätzliche offline verfügbare Version ist trotzdem sinnvoll. Schließlich ist ein leerer Akku vor dem Messeeingang ungefähr so hilfreich wie ein Regelheft, bei dem die entscheidende Seite fehlt.
Die jeweils aktuellen Öffnungszeiten, Preise und Ticketbedingungen gehören zu den Angaben, die vor jedem Besuch noch einmal auf der offiziellen Seite der SPIEL geprüft werden sollten.
Wie viel Planung ist sinnvoll?
Ganz ohne Vorbereitung kann der erste Besuch schnell unübersichtlich werden. Ein vollständig durchgetakteter Stundenplan funktioniert auf der SPIEL allerdings ebenfalls nur selten. Dazwischen liegt eine recht angenehme Lösung: einige feste Orientierungspunkte und viel Luft.
Vorab sollte man eine überschaubare Anzahl an Verlagen, Spielen oder Programmpunkten heraussuchen, die einem besonders wichtig sind. Was „überschaubar“ bedeutet, hängt davon ab, ob man lediglich kurz vorbeischauen oder ausführlich spielen möchte. Zehn Stände lassen sich theoretisch an einem Tag erreichen. Zehn längere Proberunden eher nicht.
Halle und Standnummer zu notieren ist mehr als sinnvoll. So kann man mehrere Stände in derselben Halle miteinander verbinden und unnötige Wege quer über das Gelände vermeiden. Prioritäten – so wichtig: Welche zwei oder drei Spiele möchte man auf jeden Fall sehen? Welche wären eine nette Ergänzung? Und welche schaut man nur an, wenn man ohnehin am Stand vorbeikommt?
Völlig unnötig ist ein Plan für jede Viertelstunde. Dafür sind freie Tische, Wartezeiten und spontane Entdeckungen zu wenig vorhersehbar. Vielleicht ist das vermeintliche Wunschspiel gerade dauerhaft belegt. Vielleicht entpuppt sich eine unscheinbare Neuheit am Nachbarstand als genau DAS Spiel. Wer dann bereits gedanklich zum nächsten Pflichttermin hetzt, nimmt sich einen großen Teil des Messevergnügens.
Die SPIEL-App als Orientierungshilfe
Die offizielle SPIEL-App enthält unter anderem Aussteller, Neuheiten, Hallenpläne und Informationen zum Programm. Favoriten lassen sich speichern, sodass die persönliche Vorauswahl nicht auf verschiedenen Notizzetteln verteilt werden muss. Eine Navigationsfunktion hilft dabei, Wege über das Messegelände zu finden.
Trotzdem schadet es nicht, wichtige Standnummern zusätzlich außerhalb der App zu sichern. Smartphones verlieren bekanntlich bevorzugt dann ihre Internetverbindung oder die letzten Prozent Akkuleistung, wenn man sie dringend benötigt.
Vor der Messe sollte außerdem geprüft werden, ob die App bereits mit den aktuellen Daten des jeweiligen Jahres versehen wurde. Ausstellerlisten, Standnummern und Hallenbelegungen ändern sich von Jahr zu Jahr.
Wie findet man sich in den Messehallen zurecht?
Die Hallen sind in nummerierte Standbereiche und Gänge unterteilt. Eine Standnummer verrät deshalb wesentlich genauer, wo ein Verlag zu finden ist, als die Beschreibung „in Halle 3 irgendwo in der Nähe des großen Drachen“.
Zu Beginn lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben und den Aufbau einer Standnummer mit dem Hallenplan abzugleichen. Danach wird die Orientierung einfacher. Schilder über den Gängen und an den Hallenübergängen helfen zusätzlich.
Man sollte trotzdem davon ausgehen, dass man sich mindestens einmal verläuft. Das gehört fast zum ersten Besuch. Problematisch wird es erst, wenn die Suche nach einem bestimmten Stand den halben Tag bestimmt. In diesem Fall ist es häufig sinnvoller, die ursprüngliche Route loszulassen und erst einmal zu schauen, was sich in der aktuellen Halle entdecken lässt.
Wer mit mehreren Personen unterwegs ist, sollte eindeutige Treffpunkte vereinbaren. „Am großen Kosmos-Stand“ klingt zunächst vernünftig, bis mehrere Menschen von verschiedenen Seiten auf einen entsprechend großen Stand zulaufen. Ein bestimmter Halleneingang, eine nummerierte Säule oder ein anderer klar definierter Punkt eignet sich besser.
Wie funktioniert das Spielen an einem Messestand?
An fast allen Verlagsständen stehen Tische bereit, an denen die vorgestellten Spiele ausprobiert werden können. Das Angebot reicht von wenigen erklärten Spielzügen bis zur vollständigen Partie. Ob und wie lange gespielt wird, hängt vom Spiel, vom Verlag und vom jeweiligen Andrang ab.
Ist ein Tisch frei, solltest du trotzdem nicht einfach kommentarlos Platz nehmen. Frage kurz am Stand, ob das gewünschte Spiel erklärt werden kann. Häufig weist ein Mitarbeiter einen Tisch zu oder organisiert einen Erklärer. An stark besuchten Ständen existieren manchmal Wartelisten oder feste Zeitslots. Bei anderen heißt es schlicht: warten, bis ein Platz frei wird.
Einige Verlage erklären mehrere Tische gleichzeitig. Andere verfügen nur über wenige Mitarbeiter und können nicht jede Runde sofort begleiten. Gerade bei kleineren Ausstellern steht möglicherweise der Autor selbst am Tisch, während gleichzeitig Fragen beantwortet, Spiele verkauft und Regeln erklärt werden müssen. Ein wenig Geduld ist deshalb angebracht.
Oft wird auf der Messe keine vollständige Partie gespielt. Eine verkürzte Einführung reicht in vielen Fällen aus, um einen Eindruck von den Regeln, den Entscheidungen und dem Spielgefühl zu gewinnen. Bei einem zehnminütigen Kartenspiel lässt sich dagegen problemlos eine ganze Runde einschieben.
Wenn bereits nach wenigen Zügen klar ist, dass ein Spiel nicht zu einem passt, darf man das freundlich sagen. Niemandem ist geholfen, wenn man aus Höflichkeit noch eine Stunde weiterspielt und innerlich längst den Fluchtweg berechnet. Umgekehrt sollte ein Tisch aber nicht mitten in der Regelerklärung wortlos verlassen werden, nur weil am Nachbarstand gerade ein bekannter Autor aufgetaucht ist.
Muss man sich für eine Proberunde anmelden?
Das handhaben die Aussteller unterschiedlich. Bei vielen Spielen genügt es, am Stand nach einem freien Tisch zu fragen. Besonders große Verlage und stark nachgefragte Neuheiten können mit Wartelisten oder Reservierungen arbeiten. Bei längeren Rollenspielen, Turnieren und besonderen Veranstaltungen ist teilweise eine vorherige Anmeldung erforderlich.
Wer ein bestimmtes Spiel unbedingt ausprobieren möchte, sollte sich deshalb vorab beim Verlag oder im Veranstaltungsprogramm informieren. Für normale Proberunden ist eine langfristige Reservierung jedoch nicht der Regelfall.
Es lohnt sich außerdem, nicht ausschließlich die Neuheiten zu wählen, vor denen sich ohnehin Warteschlangen bilden. Nebenan steht vielleicht ein ebenso interessantes Spiel, das bislang nur niemand auf dem persönlichen Neuheitenradar hatte. Gerade bei internationalen Kleinverlagen kommt man häufig schneller an einen Tisch und erhält eine besonders engagierte Erklärung.
Muss ich Englisch sprechen können?
Nein. An den Ständen deutscher Verlage werden Spiele selbstverständlich auf Deutsch erklärt. Auch viele internationale Aussteller bringen deutschsprachige Mitarbeiter mit oder finden eine andere Möglichkeit, die Regeln verständlich zu vermitteln.
Ein wenig Englisch erweitert die Auswahl jedoch erheblich. Bei kleinen ausländischen Verlagen ist nicht immer eine deutschsprachige Erklärung verfügbar. Perfekte Sprachkenntnisse braucht es dafür selten. Spielmaterial, Beispiele und ein paar gemeinsam ausgeführte Züge überbrücken manche sprachliche Lücke erstaunlich gut.
Vor einem Kauf sollte allerdings geklärt werden, in welcher Sprache Anleitung und Spielmaterial vorliegen. Ein Spiel kann am Stand leicht verständlich wirken, weil es gerade ausführlich erklärt wurde. Zu Hause sitzt der persönliche Erklärer aus Taiwan, Frankreich oder den USA leider nicht mehr daneben. Ob und wie viel Text das Spielmaterial enthält, spielt deshalb eine wichtige Rolle.
Die Mischung aus Wunschliste und Zufallsfund
Eine sorgfältig zusammengestellte Neuheitenliste kann dabei helfen, den Überblick zu behalten. Sie kann aber auch zum persönlichen Pflichtenkatalog werden. Plötzlich wird die Messe nicht mehr besucht, sondern abgearbeitet.
Dabei sind es häufig gerade die bereits mehrfach erwähnten Entdeckungen, an die man sich später erinnert. Ein ungewöhnliches Thema, schönes Material oder eine lebhafte Spielrunde kann neugierig machen, obwohl das Spiel zuvor auf keiner Vorschau aufgetaucht ist. Kleine Verlage abseits der besonders großen Stände sind daher mehr als bloße Lückenfüller für den Weg zum nächsten bekannten Namen.
Das bedeutet umgekehrt natürlich auch nicht, dass jede unbekannte Schachtel automatisch ein Geheimtipp ist. Natürlich gibt es Spiele, bei denen man nach fünf Minuten recht gut versteht, warum sie bislang unter dem Radar geblieben sind. Auch das gehört zur Messe. Entdecken heißt schließlich nicht, alles großartig finden zu müssen.
Feste Ziele einplanen, aber Augen und Zeitplan offenhalten: Eine gute Messeauswahl besteht nicht nur aus Spielen, die man bereits vor dem Besuch kannte.
Pausen sind kein verlorenes Messeprogramm
Die Mischung aus Lautstärke, künstlichem Licht, Menschenmengen, Gesprächen und ständig neuen Eindrücken ist anstrengend. Das fällt häufig erst auf, wenn die Konzentration nachlässt und selbst die Erklärung eines einfachen Kartenspiels plötzlich wie die Anleitung zur Steuerung eines Kernreaktors klingt.
Regelmäßige Pausen helfen, den Tag tatsächlich länger genießen zu können. Wer morgens bis nachmittags ohne Unterbrechung durch die Hallen läuft, hat zwar keine vermeintlich wertvolle Messezeit verschwendet, nimmt irgendwann aber kaum noch etwas auf.
Ein kurzer Aufenthalt in einem ruhigeren Bereich, etwas zu trinken und eine kleine Mahlzeit wirken oft Wunder. Besonders zur üblichen Mittagszeit sind die gastronomischen Bereiche und Sitzplätze stark ausgelastet. Es kann deshalb sinnvoll sein, die Pause etwas früher oder später einzulegen.
Auch ein kurzes Verlassen des Geländes ist grundsätzlich möglich. Wichtig ist dabei, sich am Ausgang ein Wiedereintrittsbändchen geben zu lassen. Das Eintrittsticket allein kann nicht beliebig mehrfach eingescannt werden.
Allein, zu zweit oder in der Gruppe?
Die SPIEL lässt sich sowohl allein als auch gemeinsam besuchen. Beide Varianten haben Vorteile.
Allein kann man spontan entscheiden, wo man stehen bleibt und welches Spiel man ausprobiert. An manchen Tischen werden einzelne Mitspieler sogar schneller untergebracht als eine vollständige Vierergruppe. Gespräche mit anderen Besuchern ergeben sich beim gemeinsamen Spielen meist von selbst.
Mit einer Begleitung macht das Entdecken ebenfalls Spaß, sofern die Interessen einigermaßen zusammenpassen. Schwierig wird es, wenn eine Person ausschließlich komplexe Strategiespiele ausprobieren möchte, während die andere nach fünf Stunden Regelstudium noch immer auf die erste Runde eines kleinen Kartenspiels wartet.
Größere Gruppen sollten nicht zwingend den gesamten Tag gemeinsam durch die Hallen ziehen. Jeder zusätzliche Teilnehmer bringt eigene Wunschstände, Laufgeschwindigkeiten, Pausenbedürfnisse und Kaufentscheidungen mit. Zeitweise getrennte Wege und feste Treffpunkte sind häufig entspannter als der Versuch, dauerhaft alle zusammenzuhalten.
Kann man die SPIEL besuchen, ohne viel zu kaufen?
Selbstverständlich. Der Messebesuch lohnt sich auch ohne eine lange Einkaufsliste. Spiele auszuprobieren, neue Verlage kennenzulernen, Illustrationen und Materialien anzusehen oder einfach die besondere Atmosphäre zu erleben, ist bereits ein vollständiges Programm.
Nicht jede Messe-Neuheit muss sofort mit nach Hause. Viele Spiele erscheinen anschließend regulär im Handel. Andere können nach einer Proberunde interessant wirken, verlieren diesen Reiz aber nach einer Nacht Bedenkzeit erstaunlich schnell. Was beim Kauf auf der SPIEL zu beachten ist, welche Angebote sich tatsächlich lohnen und warum ein festgelegtes Budget sinnvoll sein kann, behandeln wir in Kürze in einem eigenen Beitrag.
Die SPIEL ist jedenfalls kein Wettbewerb darum, wer am Abend den höchsten Spielekartonstapel nach Hause trägt. Auch wenn manche Bilder in den sozialen Netzwerken einen anderen Eindruck vermitteln.
Für wen eignet sich die SPIEL Essen?
Die Messe richtet sich nicht ausschließlich an erfahrene Vielspieler. Familien-, Kinder-, Party- und Gelegenheitsspiele nehmen ebenso ihren Platz ein wie komplexe Expertenspiele. Auch Rollenspieler, Miniaturenfans, Sammler und Menschen, die einfach neugierig auf aktuelle Brettspiele sind, finden ein umfangreiches Angebot.
Allerdings sollte niemand einen gemütlichen Spielenachmittag mit ein paar zusätzlichen Verkaufsständen erwarten. Die SPIEL ist laut, groß und insbesondere am Wochenende sehr voll. Wer Menschenmengen oder anhaltenden Lärm als belastend empfindet, benötigt mehr Pausen und sollte den Tagesplan bewusst klein halten.
Für den Besuch mit Kindern und für Menschen mit Behinderung spielen außerdem Wege, Zugänge, Rückzugsmöglichkeiten und weitere organisatorische Fragen eine besondere Rolle.
Was bleibt vom ersten Besuch?
Am Ende des ersten Messetages werden die Füße vermutlich müde, die Tasche möglicherweise schwer und der Kopf ziemlich voll sein. Gleichzeitig ist die SPIEL für Brettspielfans ein außergewöhnlicher Ort. Innerhalb weniger Stunden lassen sich Spiele aus zahlreichen Ländern kennenlernen, neue Mechanismen ausprobieren und Menschen treffen, die dieselbe Begeisterung teilen.
Nicht alles wird funktionieren. Ein erhoffter Spieltisch bleibt vielleicht dauerhaft besetzt, ein Wunschspiel ist schon vergriffen oder der sorgfältig geplante Weg endet am falschen Hallenübergang. Das ist kein gescheiterter Messebesuch, sondern ziemlich normal.
Die sinnvollste Vorbereitung besteht deshalb nicht darin, jede Minute zu verplanen. Dazwischen sollte genügend Raum bleiben, um sich treiben zu lassen, spontan Platz zu nehmen oder an einem Stand hängen zu bleiben, dessen Namen man morgens noch nicht kannte.
Auf der SPIEL Essen ist weniger manchmal mehr
Die wichtigste Erkenntnis für Erstbesucher lautet: Du wirst nicht alles sehen. Nicht an einem Tag und vermutlich auch nicht an mehreren. Sobald dieser Gedanke akzeptiert ist, wird der Besuch deutlich entspannter.
Wer am Abend nicht jede Schachtel gesehen, dafür aber ein paar interessante Spiele ausprobiert und einen guten Tag erlebt hat, hat auf der SPIEL ziemlich viel richtig gemacht.
Grafik: © Redaktion Spieledorf (KI-generiert mit DALL∙E)