Mr. Meeple hat sich die Top 10 des Deutschen Spiele Preises 2026 angesehen. Und er hat ein kleines Problem.
Nicht mit den Spielen. Die können hervorragend sein. Einige davon sind es vermutlich sogar. Das Problem liegt an einer ganz anderen Stelle: Mr. Meeple fragt sich zunehmend, für wen dieser Publikumspreis eigentlich noch ein Publikumspreis ist.
Denn wer sich durch die diesjährige Liste arbeitet, findet vor allem Titel, die Menschen kennen, die ziemlich tief im Hobby stecken. Artengarten, Galactic Cruise, Rebirth oder Am Goldenen Fluss sind keine Spiele, die zufällig im Einkaufswagen landen, weil Tante Hildegard noch etwas für den nächsten Spieleabend sucht. Selbst Mischwald – Dartmoor setzt voraus, dass Mischwald schon ein Begriff ist.
Natürlich darf ein anspruchsvolles Spiel den Deutschen Spiele Preis gewinnen. Selbstverständlich sogar. Ein Publikumspreis soll schließlich nicht das einfachste Spiel auszeichnen, sondern dasjenige, das bei den Abstimmenden besonders gut angekommen ist.
Genau da beginnt allerdings die interessante Frage.
Wer ist eigentlich dieses Publikum?
Abstimmen darf heute grundsätzlich jeder, der in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lebt. Theoretisch ist der Deutsche Spiele Preis damit ausgesprochen offen.
Praktisch muss man allerdings erst einmal wissen, dass die Abstimmung stattfindet. Man muss sich für aktuelle Brettspiele interessieren, genügend Neuerscheinungen kennen und schließlich auch noch den Weg zur Abstimmung finden. Das dürfte Menschen, die regelmäßig Spielemedien lesen, Newsletter abonnieren, Gruppen und Foren verfolgen oder jedes Jahr nach Essen fahren, deutlich leichter fallen als der Familie, bei der am Wochenende durchaus regelmäßig ein Brettspiel auf den Tisch kommt.
Und das sieht man möglicherweise auch an den Ergebnissen.
Schon 2023 standen mit Planet Unknown, Erde, Marrakesh, Woodcraft und Tiletum mehrere Spiele weit oben, die kaum zum klassischen Familienprogramm gehören. Gleichzeitig schafften es aber auch Dorfromantik, Next Station: London und Hitster in die Top 10.
2024 wurde die Liste noch einmal deutlich spezieller: Neben Mischwald und Sky Team standen dort unter anderem Darwin’s Journey, Too Many Bones, Revive, Obsession und Nukleum. 2025 setzte sich diese Mischung mit SETI, Endeavor: Die Tiefsee, Civolution, Slay the Spire und Dune: Imperium – Uprising fort.
Das ist keine Kritik an diesen Spielen. Es ist eher eine Beobachtung.
Eine offene Wahl ist noch keine breite Wahl
Seit 2024 gibt es zudem eine Liste mit wählbaren Spielen. Andere Titel können weiterhin eingetragen werden. Wer sein Lieblingsspiel dort nicht findet, darf es also trotzdem wählen. Nur haben solche Listen eine interessante Eigenschaft: Sie zeigen einem, worüber man nachdenken soll.
Wer ohnehin genau weiß, welches Spiel seine Stimme bekommen soll, wird sich davon kaum beeindrucken lassen. Wer sich dagegen erst durch die Vorschläge arbeitet, bekommt automatisch einen Rahmen gesetzt. Ob und wie stark sich das auf das Ergebnis auswirkt, wäre durchaus eine spannende Frage.
Noch entscheidender dürfte aber sein, wer überhaupt abstimmt.
Denn ein Verfahren kann vollkommen offen sein und trotzdem überwiegend eine bestimmte Gruppe erreichen. Wenn die Menschen, die von einer Abstimmung erfahren, größtenteils aus derselben Community stammen, wird aus einer offenen Wahl nicht automatisch ein Querschnitt des gesamten Spielepublikums.
Vielleicht muss sie das auch gar nicht sein.
Der Deutsche Spiele Preis war schon immer stärker von engagierten Spielern geprägt als beispielsweise das Spiel des Jahres. Gerade das macht seinen Charakter aus. Und niemand braucht einen zweiten Preis, der am Ende exakt dieselben Spiele auszeichnet.
Trotzdem bleibt beim Blick auf die Top 10 des Jahres 2026 ein etwas merkwürdiges Gefühl. Denn zwischen einem Preis von Spielern für Spieler und einem Preis aus der Brettspielszene für die Brettspielszene liegt ein kleiner, aber wichtiger Unterschied.
Vielleicht wäre es an der Zeit, einmal genauer hinzusehen, wer beim Deutschen Spiele Preis eigentlich abstimmt – und ob es noch ein Publikumspreis oder ein Szenepreis ist.
Mr. Meeple würde es jedenfalls interessieren.
Grafik: © Redaktion Spieledorf (KI-generiert mit DALL∙E)