Fazit: Spielemesse 2016 endet mit Besucherrekord

„Die Welt zu Gast zum Spielen“ – vier Tage lang haben in Essen die Internationalen Spieltage Spiel ‘16 sowie die parallel stattfindende Messe „Comic Action“ Menschen aus aller Welt begeistert. In der 34-jährigen Geschichte der Veranstaltung war es die mit Abstand größte und erfolgreichste Spielemesse. Insgesamt 174.000 Spielefans und Einkäufer aus aller Welt waren zu Gast – 12.000 mehr als im Vorjahr. Sie testeten 1200 Neuheiten in den inzwischen sieben Messehallen (zwei mehr als im Vorjahr).

Ansturm Spielemesse 2016Großer Ansturm auf die Spielemesse 2016.An allen Messetagen hatten sich die Veranstalter dazu entschlossen, aufgrund des großen Andrangs die Türen bereits vor dem eigentlichen Messebeginn zu öffnen. Viele der begehrten Neuheiten waren bereits am Donnerstag und Freitag ausverkauft. Verzweifelte Anfragen an den Verlagsständen, bei welchem Händler es denn noch dieses oder jenes Spiel gebe, wurde mit ebenso verzweifeltem Achselzucken beantwortet.

Das Wachstum der Spielemesse 2016 und die Begeisterung ihrer Besucher zeigen, dass Gesellschaftsspiele immer beliebter werden. Und auch, dass viele Menschen in Brett- und Kartenspielen einen Ausgleich zur digitalen Hektik sehen. Nicht nur in Deutschland: Rund 60 Prozent der 1021 Aussteller kam aus dem Ausland. Zu ohnehin stark vertretenen Nationen wie den USA, Frankreich und Polen kamen zum Beispiel Aussteller aus Kolumbien, Mazedonien und Aserbaidschan.

 

Escape-Spiele waren der Trend bei der Spielemesse 2016

Auf der Spielemesse 2016 überall klar zu erkennen: der diesjährige Trend „Escape-Spiele“. Dabei müssen die Spieler vor Ablauf einer vorgegebenen Zeit Codes knacken und Rätsel lösen. Drei Hersteller (Kosmos, Noris und HCM Kinzel) stellten entsprechende Neuheiten vor. Zum Teil bauten sie an ihren Ständen große Escape-Räume auf, in denen die Besucher eigens für die Messe entwickelte Aufgaben lösen konnten. Inwieweit sich Spiele durchsetzen, bei denen zum Teil das Spielmaterial zerstört werden muss oder die nach einmaligem Lösen der Aufgabe kein zweites Mal genutzt werden können, weil es nur einen Lösungsweg gibt, bleibt abzuwarten. Die Händler jedenfalls sind zuversichtlich: Schon jetzt wurden für das kommende Jahr Fortsetzungsabenteuer der diesjährigen Escape-Spiele angekündigt.

 

„Die Messe war für unsere
Aussteller ein großer Erfolg.“

 

Begeistert von der Spielemesse 2016 zeigte sich auch Hermann Hutter, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Spieleverlage e.V., dem Zusammenschluss aller führenden deutschen Brettspielverlage: „Die Messe war für unsere Aussteller ein großer Erfolg. Alle Stände waren an allen Tagen gut besucht und die Besucher zeigten sich von den Messeständen, den Angeboten und Veranstaltungen der Verlage begeistert.“

 

Das Spieledorf-Fazit: Eine tolle Messe mit fast zu vielen Neuheiten

Bei Kilt Castle von Zoch müssen Türme gebaut werden.Bei Kilt Castle von Zoch müssen Türme gebaut werden.Und auch unser Fazit ist mehr als positiv: Spielen, spielen und nochmals spielen hieß es in Essen. Allein – es war unmöglich, alle Neuheiten zu testen, manches konnte man nur im Vorbeiflanieren bewundern. Dennoch haben wir viele schöne Spiele für Familien kennengelernt und getestet. Darunter „Kilt Castle“ (Zoch Verlag). Was nach einfachem Türmchenbauen aussieht, entpuppt sich als schönes und spannendes Familienspiel, das es durchaus erlaubt, Strategien zu entwickeln und Gegner zu ärgern. Und das, ohne ewig über den eigenen Zug nachdenken zu müssen, denn das lässt der Spielverlauf nicht zu. Definitiv ein Kandidat für das kommende Spiel des Jahres.

Beim Verlag Drei Hasen in der Abendsonne überzeugte uns „Länder toppen“, ein schönes Stichspiel rund um Erdkunde, beim dem es zwar einerseits darum geht, den höchsten oder niedrigsten Wert einer bestimmten Kategorie zu haben, aber eben nicht nur. Nein, man muss vorher selbst einteilen, welche Karte man in welcher Kategorie (z. B. Einwohnerzahl, Fläche des Landes oder höchste Erhebung) ins Rennen schickt. Positiv: Man muss all diese Dinge nicht wissen – sie stehen auf der Karte. Aber man muss seine Karten geschickt in die Rubriken einordnen. Dass nebenbei ein paar Infos hängenbleiben ist ein schöner Nebeneffekt.

Bei Queen Games entfällt die Qual der Wahl – auf dem von uns ergatterten Spieltisch liegt „World Monuments“. Das Spiel bietet einen überraschend einfachen Einstieg und eine spannende Thematik. In jeder Runde bauen die Spieler wahlweise das Kapitol in Washington, das Taj Mahal, den Petersdom in Rom oder Notre-Dame in Paris. Der talentierteste Baumeister bekommt die meisten Punkte. Das Spiel besticht durch Kurzweil und sehr wertiges Spielmaterial.

Ulm Huch! BoxBei Huch & Friends stand eine Runde „Ulm“ auf dem Programm. Autor Michael Menzel hat sich einiges einfallen lassen: Das Strategiespiel bietet nicht nur Tiefe, sondern auch einen innovativen Schiebemechanismus, durch den die Spielaktionen ausgelöst werden. Ziel ist es, Einfluss in der aufstrebenden Stadt Ulm zu gewinnen. Und ganz nebenbei wächst das Ulmer Münster in die Höhe. Ein weiteres Plus: „Ulm“ bietet eine Variante für fortgeschrittene Spieler.

Haba hat sein im vergangenen Jahr begonnenes Projekt der Familienspiele fortgeführt. Statt des komplexen Strategiespiels „Meduris“ stand eine Runde „Lady Richmond“ an. Ursprünglich hatten wir das Spiel nicht auf dem Zettel, aber am Ende doch jede Menge Spaß damit. Jeder Spieler übernimmt einen Charakter aus dem großen Clan der plötzlich verstorbenen Lady Richmond. Und dann geht es ums Erbe. Es gilt, die guten Stücke zu ersteigern und den anderen Mitgliedern der Familie die wertlosen Stücke zuzuschustern. Zwar beginnt das Spiel leicht zögerlich (es werden solange Karten mit Erbstücken aufgedeckt, bis ein Spieler eine Auktion startet und am Anfang warten alle erst einmal ab), aber dann geht es rund. Es wird geboten und gesteigert, was das Zeug hält.

Die genannten Spiele sind nur ein klitzekleiner Teil dessen, was es auf der Messe zu sehen gab. Gespielt wurde noch viel mehr. Und so vieles leider auch nicht. Aber gerade bei den kleinen Verlagen in den hinteren Hallen war es oft schwierig einen Platz zu ergattern. Die Messe wächst eben und mit ihr die Besucherströme.

 

Den Termin für das kommende Jahr vormerken

Was so gigantisch wächst, hat immer auch ein paar Nachteile: Schon nach wenigen Stunden überfüllte Mülleimer, lange Schlangen vor den Toiletten sowie ähnlich lange Schlangen in den Restaurants (wer nach zehn Minuten die Kassenschlange hinter sich gebracht und dann tatsächlich einen Platz gefunden hatte, durfte sein Essen noch lauwarm genießen). Von der Verkehrssituation rund um die Essener Messe gar nicht zu sprechen – an diesen Stellschräubchen müssen Messe und Veranstalter noch etwas drehen. Dann aber steht einem weiteren Wachstum nichts entgegen.

Die nächste Spiel mit Comic Action findet vom 26. bis 29. Oktober 2017 wieder in der Messe Essen statt. Denn auch in der derzeitigen Umbauphase des Messegeländes bleibt der Friedhelm Merz Verlag dem traditionellen Standort weiter treu.

www.merz-verlag.com

 

Fotos: ©Redaktion Spieledorf (1), Queen Games (1), Friedhelm Merz Verlag (1)

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