Fünfmal „Spiel des Jahres“, zahlreiche internationale Auszeichnungen und mehr als vier Jahrzehnte voller erfolgreicher Brettspiele: Wolfgang Kramer gehört zu den bedeutendsten Spieleautoren Deutschlands. Viele seiner Titel gelten heute als Klassiker und mit der nach ihm benannten Kramerleiste hat er eine Idee geschaffen, die aus modernen Brettspielen kaum noch wegzudenken ist.
Ein Spieleautor, dessen Ideen Generationen prägen
Es gibt Spieleautoren, deren Name sofort mit einem bestimmten Spiel verbunden wird. Bei Wolfgang Kramer ist das anders. Seine Handschrift steckt in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Spiele, die Familien ebenso begeistern wie erfahrene Vielspieler. Oft erkennt man seine Arbeit nicht an einem einzelnen Titel, sondern an der Art, wie sich ein Spiel anfühlt: Entscheidungen haben Gewicht, der Spielstand bleibt spannend und bis zum Schluss ist meist offen, wer am Ende gewinnt.
Die Kramerleiste – eine Idee wird zum Standard
Sein bekanntester Beitrag zur Brettspielgeschichte ist dabei eigentlich gar kein komplettes Spiel, sondern ein Spielelement. Die sogenannte Kramerleiste, natürlich benannt nach ihrem Erfinder, begegnet heute Millionen Spielerinnen und Spielern ganz selbstverständlich. Dabei handelt es sich um eine Punkteleiste am Rand des Spielplans, auf der die Wertungssteine während der Partie Zug um Zug voranschreiten.
Erstmals bei einem regulären Spiel eingesetzt wurde dieses Prinzip Mitte der 1980er-Jahre in Heimlich & Co. Statt Punkte erst am Ende auszuzählen, blieb der Spielstand jederzeit sichtbar. Das machte Wertungen deutlich spannender und sorgte dafür, dass jede Entscheidung unmittelbar erkennbare Folgen hatte. Heute gehört dieses Prinzip bei zahlreichen Brettspielen zum Standard.
Vom Hobbyautor zum Profi
Geboren wurde Wolfgang Kramer 1942 in Stuttgart. Bevor er hauptberuflich Spiele entwickelte, arbeitete er viele Jahre in einem technisch-kaufmännischen Beruf, unter anderem bei Bosch. Das Erfinden von Brettspielen war zunächst ein Hobby, das er neben seiner eigentlichen Arbeit verfolgte. Erst der außergewöhnliche Erfolg seiner ersten großen Veröffentlichungen veränderte seinen beruflichen Weg.
1986 erhielt Heimlich & Co. die Auszeichnung „Spiel des Jahres“, nur ein Jahr später folgte Auf Achse. Zwei aufeinanderfolgende Siege beim wichtigsten deutschen Spielepreis waren damals eine Besonderheit und machten Kramer weit über die Brettspielszene hinaus bekannt. 1989 entschloss er sich daher, seinen bisherigen Beruf aufzugeben und sich vollständig der Entwicklung von Brettspielen zu widmen.
Erfolgreiche Spiele und starke Zusammenarbeit
Die Entscheidung sollte sich auszahlen. Im Laufe seiner Karriere entstanden weit mehr als hundert veröffentlichte Spiele, einige Quellen sprechen sogar von rund 200 Titeln. Insgesamt wurden sie weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Darunter finden sich nicht nur preisgekrönte Klassiker, sondern auch zahlreiche Spiele, die bis heute regelmäßig auf den Tisch kommen – in Familien, bei Spieleabenden oder in Spielvereinen.
Auffällig ist außerdem, dass Wolfgang Kramer häufig gemeinsam mit anderen Autoren arbeitet. Besonders erfolgreich waren seine Kooperationen mit Richard Ulrich sowie mit Michael Kiesling. Gemeinsam entstanden unter anderem El Grande, Tikal und Torres. Drei Spiele, die bis heute als Meilensteine moderner Brettspielentwicklung gelten.
Trotz der unterschiedlichen Themen besitzen viele seiner Spiele gemeinsame Eigenschaften. Die Regeln bleiben meist überschaubar und sind dennoch voller interessanter Entscheidungen. Gleichzeitig achtet Kramer darauf, dass eine Partie möglichst lange spannend bleibt und niemand schon früh chancenlos zurückfällt. Genau diese Mischung aus Zugänglichkeit und spielerischer Tiefe prägt viele seiner Entwürfe.
Auszeichnungen und bleibender Einfluss
Auch seine Auszeichnungen spiegeln diese außergewöhnliche Karriere wider. Gleich fünfmal wurde eines seiner Spiele mit dem Preis „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet: Heimlich & Co. (1986), Auf Achse (1987), El Grande (1996), Tikal (1999) und Torres (2000). Hinzu kommen zahlreiche weitere Ehrungen im In- und Ausland, darunter die Aufnahme in die Hall of Fame der Origins Awards sowie ein Sonderpreis für sein Lebenswerk im Jahr 2012.
Vor allem aber hat Spieleautor Wolfgang Kramer das moderne Brettspiel nachhaltig geprägt. Viele seiner Ideen sind heute so selbstverständlich geworden, dass kaum noch auffällt, woher sie eigentlich stammen. Die Kramerleiste ist dafür das beste Beispiel. Eine ebenso einfache wie geniale Lösung, die das Punktezählen dauerhaft verändert hat. Sie steht sinnbildlich für Kramers Arbeitsweise: klare Regeln, elegante Ideen und Spiele, die Menschen auch viele Jahre nach ihrer Veröffentlichung noch immer gern gemeinsam spielen.
Relevante Auszeichnungen (Auswahl)
- Spiel des Jahres 1986: Heimlich & Co.
- Spiel des Jahres 1987: Auf Achse
- Spiel des Jahres & Deutscher Spielepreis 1996: El Grande (mit Richard Ulrich)
- Spiel des Jahres & Deutscher Spielepreis 1999: Tikal (mit Michael Kiesling)
- Spiel des Jahres 2000: Torres (mit Michael Kiesling)
- Sonderpreis Lebenswerk (Deutscher Spielepreis): 2012
- AAGAD/Origins Hall of Fame: Inducted 2020
Zehn bekannte Spiele von Wolfgang Kramer
- Heimlich & Co.
- Auf Achse
- 6 nimmt!
- El Grande (mit Richard Ulrich)
- Tikal (mit Michael Kiesling)
- Torres (mit Michael Kiesling)
- Die Fürsten von Florenz / The Princes of Florence (mit Richard Ulrich)
- Verflixxt! (mit Michael Kiesling)
- Asara
- Abluxxen
Foto: © Redaktion Spieledorf