Michael Kiesling – der Ingenieur, der Brettspiele erfindet

Michael Kiesling, geboren 1957 in Bremen, ist ein deutscher Diplom-Ingenieur und Spieleautor – bekannt durch seine Zusammenarbeit mit Wolfgang Kramer, aber auch als Soloproduzent erfolgreich im Geschäft.

Bevor Kiesling zum festen Bestandteil der Szene wurde, führte ihn sein Weg erst einmal in eine ganz andere Richtung. Er arbeitete viele Jahre bei der Deutschen Telekom, machte dann im Zweiten Bildungsweg sein Ingenieurstudium – und wagte 1995 sogar den Sprung zum eigenen Verlag. Der war allerdings schnell wieder Geschichte. Aber manchmal muss eine Tür eben einmal krachend zufallen, damit die nächste richtig aufgeht.

Seitdem erfindet er Brettspiele, oft zusammen mit Wolfgang Kramer oder anderen Autoren, teils allein. In Summe sind es inzwischen mehr als 50 Veröffentlichungen, das entspricht rund 2,5 Spielen pro Jahr.

Der Weg zum Erfolg – Tikal, Torres & Co.

Zusammen mit Wolfgang Kramer hat Michael Kiesling früh Erfolge erzielt: So stammen die Klassiker Tikal (1999) und Torres (2000) aus ihrer Feder – beide wurden als „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet, neben dem Deutschen Spielepreis eine der bekanntesten Auszeichnungen Deutschlands.

Diese ersten Auszeichnungen legten den Grundstein für Kieslings Ruf als namhafter Spieleautor.

Azul – der Solitär-Hit

Im Jahr 2017 erschien mit Azul ein Soloprojekt, das Kieslings ersten alleinigen Sieg beim Spiel des Jahres brachte. Das Legespiel verbindet auf einzigartige Weise Ästhetik und Mechanik. Die Spieler schmücken Palastwände mit portugiesischen Fliesen („Azulejos“) – ein einfaches Prinzip, das aber taktischen Tiefgang bietet.

Azul wurde 2018 ebenfalls als „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet und hat darüber hinaus zahlreiche weitere Auszeichnungen weltweit gewonnen:

  • Deutscher Spielepreis 2018
  • Spiel der Spiele (Familienhit) 2018
  • As d’Or (Frankreich) 2018
  • Mensa Select 2018
  • Origins Award – Best Family Game 2018
  • Dice Tower Award – Best Family Game 2018

... sowie weitere internationale Nominierungen und Preise.

Die Jury lobte insbesondere die Kombination aus schlichter Funktionalität und ästhetischer Schönheit, die haptische Qualität der Fliesen und den hohen Wiederspielreiz trotz einfacher Regeln.

Azul-Varianten und die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte

Nach dem Erfolg des Grundspiels folgten mehrere eigenständige Varianten, die das Spielprinzip weiterentwickelten:

  • Azul: Die Buntglasfenster von Sintra (2018) – Neues Thema, aber gleiche Mechanik
  • Azul: Der Sommer-Pavillon (2019) – Rautenförmige Fliesen, eigenständige Variante
  • Azul: Die Gärten der Königin (2021) – mit sechseckigen Steinen
  • Azul: Chocolate Edition (2022) – gleiche Mechanik mit anderem, süßem Thema
  • Azul Duel (2025) – eine Version für zwei Spieler

Diese Varianten zeigen Kieslings Geschick, eine erfolgreiche Idee in unterschiedliche Versionen zu übertragen und weiterzuentwickeln.

Spielmechanik trifft Emotion – Kieslings Handschrift

Was macht die Faszination von Michael Kieslings Spielen aus? Er hält sich gern an abstrakte, klar strukturierte Mechanismen – so bezeichnet er selbst Spiele wie Azul, Qwirkle, Quixx als seine Favoriten. Wobei die beiden Letztgenannten von anderen Autoren stammen.

Seine Gestaltung lebt vom eleganten Zusammenspiel aus visueller Gestaltung, haptischem Material und durchdachtem Regelwerk. Besonders bei Azul zeigt sich das: Wer geschickt wählt und platziert, wird belohnt – wer zu viel wählt, büßt dafür. Der Wettkampf ums beste Muster bleibt spannend. Zudem ist ihm gemeinsames Testspielen wichtig – in Brettspielclubs, Firmen oder bei Treffen holt er sich Feedback, bis ein Spiel rund ist.

Mehr als 50 Spiele

Michael Kiesling gilt inzwischen als einer der prägenden deutschen Spieleautoren. Besonders die Azul-Reihe zeigt, dass es ihm gelingt, elegantes Spieldesign mit Emotionen am Spieltisch zu verbinden: klare, strukturierte Regeln, attraktives Material und langfristige Spieltiefe.

Seine Ingenieursmentalität kommt ihm dabei ebenso zugute wie seine Zusammenarbeit mit Größen wie Wolfgang Kramer und seine Liebe zu einem aufwendigen Testprozess. Kiesling ist ein Beispiel dafür, dass technische Klarheit und spielerischer Spaß Hand in Hand gehen können. Michael Kiesling ist ein Name, der bei anspruchsvollen und zugleich zugänglichen Brettspielen immer wieder auftaucht – und das völlig verdient.

Spiel des Jahres 2018

Foto: © Spiel des Jahres e.V.

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