Seit vielen Jahren vergibt Mensa in Deutschland (MinD) eigene Spieleauszeichnungen – doch 2026 setzt der Verein einen neuen Schwerpunkt. Erstmals steht ausschließlich das Segment der besonders anspruchsvollen Brettspiele im Mittelpunkt. Damit richtet sich der Blick gezielt auf Titel, die selbst erfahrene Spieler fordern und oft mehrere Stunden Konzentration verlangen.
Hintergrund dieser Entscheidung: Während Familien- und Kennerspiele bereits zahlreiche Preise erhalten, blieb der Bereich der komplexen Expertenspiele bislang eher unterrepräsentiert. Genau hier möchte Mensa nun ansetzen und eine Bühne für die strategisch tiefsten und forderndsten Neuerscheinungen schaffen.
Für die aktuelle Auswahl des MinD-Spielepreises wurden mehr als 20 Spiele gesichtet, die seit der SPIEL im vergangenen Herbst erschienen sind. Daraus hat sich eine engere Auswahl von sechs Titeln herauskristallisiert, die nun über mehrere Monate hinweg intensiv getestet werden. Die Juroren nehmen sich dabei bewusst Zeit – schließlich richten sich diese Spiele an eine Zielgruppe, die auch vor langen Spieleabenden nicht zurückschreckt.
Die Entscheidung fällt im November 2026. Der Gewinner wird rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft bekannt gegeben und reiht sich in die Liste der bisherigen Preisträger ein.
Nur etwas für echte Experten
Die diesjährige Auswahl richtet sich klar an Vielspielerinnen und Vielspieler, die komplexe Strategien, lange Partien und tief verzahnte Mechaniken schätzen. Hier geht es nicht um schnellen Einstieg, sondern um Planung, Optimierung und das Ausloten aller Möglichkeiten über mehrere Stunden hinweg.
Galactic Cruise (PD Verlag): Ein interstellares Luxusunternehmen entsteht: Hier planen die Spielenden Weltraumreisen, koordinieren Personal und bauen ihre Flotte aus. Besonders spannend ist die Verbindung aus Worker-Placement und einem raffinierten Zeitmanagement-System, das langfristiges Denken belohnt.
Luthier (Funtails): Als Instrumentenbauer begleiten die Spielenden mehrere musikalische Epochen und ringen um Einfluss im Orchester. Ein versteckter Mechanismus zur Bestimmung der Aktionsreihenfolge sowie die intensive Ressourcenverwaltung sorgen für taktische Tiefe und thematische Dichte.
Mondbasis Shackleton (Giant Roc): Am Südpol des Mondes entsteht eine Forschungsbasis, gesteuert durch unterschiedliche Konzerne mit eigenen Fähigkeiten. Variable Kombinationen und verzahnte Wertungssysteme machen jede Partie zu einer neuen strategischen Herausforderung.
Speakeasy (Skellig Games): Zur Zeit der Prohibition bauen die Spielenden ein Netzwerk aus illegalen Etablissements auf. Gebietskontrolle, Konkurrenz um lukrative Standorte und das Risiko, entdeckt zu werden, prägen dieses interaktive Strategiespiel.
Thebai (Pegasus): In diesem anspruchsvollen Optimierungsspiel werden Ressourcen gesammelt, Einheiten eingesetzt und die Stadt Theben wieder aufgebaut. Unterschiedliche Wege zum Erfolg und enge Verzahnung der Mechaniken verlangen präzise Planung.
Thesauros (Elznir Games): Schatzsuche mit wirtschaftlichem Anspruch: Von der Bergung bis zum Verkauf müssen Budgets klug verwaltet werden. Langfristige Planung und flexible Anpassung an die Konkurrenz stehen im Mittelpunkt.
Nominierte für zwei Personen
Auch im Bereich der reinen Zwei-Personen-Spiele zeigt sich eine spannende Bandbreite – von schnellen Duellen bis zu taktisch anspruchsvolleren Partien:
Kamon (Cosmoludo)
Autor: Bruno Cathala
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: ca. 15 Minuten
Niwashi (AllGo, 2025)
Autoren: Gautier de Cottreau & Baptiste Laurent
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: ca. 20 Minuten
Orapa (Nice Game, 2024)
Autorin: Junghee Choi
Alter: ab 8 Jahren
Dauer: ca. 20 Minuten
Perfect Murder (Kosmos, 2026)
Autor: Tobias Tesar
Alter: ab 10 Jahren
Dauer: ca. 30 Minuten
Playball (Borderline Editions, 2025)
Autoren: David Florsch & Pauline Détraz
Alter: ab 7 Jahren
Dauer: ca. 20 Minuten
Strategeti (FlexIQ, 2025)
Autor: Ignasi Ferré
Alter: ab 7 Jahren
Dauer: ca. 10 Minuten
Suna Valo (The Game Builders, 2024)
Autor: ode.
Alter: ab 14 Jahren
Dauer: ca. 75 Minuten
Nominierte kurze Dauer
In dieser Kategorie stehen kompakte Spielerlebnisse im Fokus – ideal für zwischendurch, ohne auf spielerische Qualität zu verzichten:
Chaosteria (frechverlag, 2025)
Autor: Maldón
Alter: ab 8 Jahren
Spieler: 3–10
Dauer: ca. 30 Minuten
Krakelorakel (frechverlag, 2024)
Autor: 7 Bazis
Alter: ab 10 Jahren
Spieler: 2–6
Dauer: ca. 30 Minuten
Next (Noctis, 2024)
Autoren: Verena Wiechens & Lukas Setzke
Alter: ab 12 Jahren
Spieler: 2–5
Dauer: 15–30 Minuten
Take Time (Libellud, 2025)
Autoren: Alexi Piovesan & Julien Prothière
Alter: ab 10 Jahren
Spieler: 2–4
Dauer: ca. 30 Minuten
Wilmot's Warehouse (CMYK, 2024)
Autoren: David King, Ricky Haggett & Richard Hogg
Alter: ab 8 Jahren
Spieler: 2–6
Dauer: ca. 30 Minuten
Zenith (Play Punk, 2025)
Autoren: Grégory Grard & Mathieu Roussel
Alter: ab 10 Jahren
Spieler: 4
Dauer: ca. 30 Minuten
So läuft die Abstimmung ab
Auch bei der Wahl selbst setzt Mensa auf ein durchdachtes Verfahren. In der Kategorie „kurze Spieldauer“ erstellen die Teilnehmenden ein persönliches Top-5-Ranking, bei dem die Plätze mit unterschiedlich vielen Punkten gewichtet werden. Am Ende gewinnt das Spiel, das insgesamt die höchste Punktzahl erreicht.
Anders funktioniert die Bewertung bei den komplexen Spielen sowie den Titeln für zwei Personen. Hier wird jedes nominierte Spiel einzeln beurteilt – und zwar anhand von zwei Kriterien: dem Anspruch (auf einer Skala von 1 bis 5) und dem Wiederspielreiz (auf einer Skala von 1 bis 10). Damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben, muss eine Mindestanzahl an Stimmen erreicht werden. Entscheidend ist schließlich der Durchschnittswert: Das Spiel mit der höchsten Gesamtbewertung sichert sich den Preis.
Wer mit abstimmen möchte, hat dafür bis zum Jahresende mehrere Möglichkeiten. Stimmen können per E-Mail abgegeben werden, direkt bei Präsentationsterminen vor Ort oder bequem online über die entsprechenden Formulare auf der Website.

Logo/Grafik: © Mensa