Die SPIEL Essen 2026 meldet neue Rekordzahlen: mehr Aussteller, mehr Fläche, mehr Neuheiten und voraussichtlich auch mehr Besucher. Doch wie viel Wachstum ist überhaupt noch möglich? Auf der Pressekonferenz vor dem Messestart gab Geschäftsführerin Carol Rapp eine klare Antwort auf die Frage nach der Zukunft der weltweit größten Brettspielmesse: „Wir bleiben in Essen.“
SPIEL Essen 2026: Mehr Fläche, mehr Aussteller, mehr Neuheiten
Traditionell begann die Pressekonferenz zur SPIEL Essen mit einem Video, das die schönsten Impressionen des vergangenen Jahres noch einmal aufleben ließ. Anschließend begrüßten Carol Rapp, Geschäftsführerin des veranstaltenden Merz Verlags, und Kommunikationsdirektor Robin de Cleur die internationalen Medienvertreter. Erstmals fand die Pressekonferenz in der denkmalgeschützten Grugahalle statt. Ein traditionsreicher Veranstaltungsort, der zugleich zeigte, dass Platz in Essen inzwischen ein kostbares Gut geworden ist.
Denn die SPIEL wächst weiter. Nach 77.500 Quadratmetern im vergangenen Jahr stehen den Ausstellern 2026 insgesamt 81.200 Quadratmeter zur Verfügung. Das entspricht einem Zuwachs von 4,8 Prozent. Umgerechnet belegt die Messe damit eine Fläche von rund 11,4 Fußballfeldern. Mit der zusätzlichen Halle 8 werden nun sämtliche acht Messehallen sowie die Galeria genutzt. Zum vierten Mal in Folge erreicht die SPIEL damit eine neue Rekordgröße.
Auch die Zahl der Aussteller hat erneut zugelegt. 997 Unternehmen und Verlage präsentieren ihre Spiele und Neuheiten, im Vorjahr waren es noch 948. Die symbolische Marke von 1.000 Ausstellern wurde damit nur knapp verfehlt. Die Teilnehmer stammen aus 53 Nationen auf fünf Kontinenten. Deutschland ist mit 285 Ausstellern am stärksten vertreten, gefolgt von den USA mit 102, Frankreich mit 54, China mit 47 und Polen mit 42 Ausstellern. Nach einer Pause sind unter anderem Island, Indonesien, Argentinien, die Slowakei und Kuwait wieder vertreten.
Bei den Besuchern rechnen die Veranstalter ebenfalls mit einem neuen Rekord. Nachdem 2025 rund 220.000 Menschen zur SPIEL kamen, werden in diesem Jahr bis zu 230.000 erwartet. Das wäre ein Plus von rund 4,5 Prozent. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz waren die Eintrittskarten für Donnerstag, Freitag und Samstag bereits vollständig ausverkauft. Lediglich für Sonntag waren noch Tickets erhältlich. Sollten auch diese verkauft werden, dürfte die prognostizierte Besucherzahl erreicht werden.
Besonders eindrucksvoll ist die Zahl der angekündigten Neuheiten: 1.885 Spiele und Erweiterungen stehen auf der Liste, gegenüber 1.719 im vergangenen Jahr. Das entspricht einem Zuwachs von 9,6 Prozent. Allein in der Neuheitenschau waren 1.023 Titel zu sehen, elf Prozent mehr als 2025.
Allerdings verdient der Begriff Neuheit eine differenzierte Betrachtung. Nicht hinter jedem neuen Eintrag verbirgt sich zwangsläufig eine völlig neue Spielidee. Bekannte Spiele erscheinen mit neuen Lizenzen, erfolgreiche Titel erhalten Erweiterungen oder zusätzliche Editionen. Hinzu kommen internationale Spiele, die bereits in früheren Jahren veröffentlicht wurden und nun erstmals in einer deutschen Ausgabe erhältlich sind. Das schmälert nicht unbedingt ihren Spielwert, relativiert aber die beeindruckenden Zahlen.
„Wir bleiben in Essen“ – Wachstum hat seine Grenzen
Die Frage, wie lange die SPIEL noch weiterwachsen kann, ließ deshalb auch bei der Pressekonferenz nicht lange auf sich warten. Schließlich sind inzwischen sämtliche regulären Messehallen belegt. Muss die Veranstaltung irgendwann an einen anderen Standort wechseln?
Carol Rapp machte deutlich, dass ein Umzug nicht zur Debatte steht. „Wir bleiben in Essen“, lautete ihre klare Antwort. Die Geschäftsführerin räumte zugleich ein, dass die Möglichkeiten für weiteres Flächenwachstum begrenzt sind. Künftig müsse es deshalb verstärkt darum gehen, die Messe weiterzuentwickeln und ihre Qualität zu verbessern, statt ausschließlich auf immer neue Größenrekorde zu setzen.
Ganz ausgeschöpft sind die räumlichen Möglichkeiten allerdings noch nicht. So könnte perspektivisch auch die Halle 1A, die in diesem Jahr als Wartebereich dient, stärker einbezogen werden. Ob und in welcher Form das geschieht, bleibt offen.
Mit der begrenzten Fläche stellt sich zugleich eine weitere Frage: Werden kleinere Verlage künftig noch genügend Platz finden, wenn große Unternehmen ihre Standflächen frühzeitig buchen und langfristig sichern?
Auch hier betonte Rapp die Bedeutung einer vielfältigen Verlagslandschaft. Für besonders kleine Stände und Verlage gebe es bereits vergünstigte Angebote, an denen festgehalten werden solle. Vielfalt und Diversität seien wichtige Bestandteile der SPIEL. Schließlich lebt die Messe nicht allein von den großen Namen, sondern ebenso von kleinen Verlagen, ungewöhnlichen Ideen und internationalen Entdeckungen.
Zwischen Popkultur, Natur und gemütlichen Spieleabenden
Welche Spiele die Messe 2026 prägen, ließ sich bereits bei der Neuheitenschau erkennen. Zwei Entwicklungen stechen besonders hervor: die anhaltende Bedeutung bekannter Marken und Lizenzen sowie die große Zahl an Spielen mit Naturmotiven und einer eher gemütlichen Atmosphäre.
Ob Batman, Minecraft, Dungeons & Dragons oder Cyberpunk – bekannte Figuren und Marken begegnen den Besuchern inzwischen in den unterschiedlichsten Spielgenres. Dabei werden nicht nur neue Konzepte entwickelt. Auch etablierte Spieleklassiker erhalten immer wieder eine neue thematische Einkleidung. Das kann neue Zielgruppen erschließen, wirft aber zugleich die Frage auf, wie viel Innovation tatsächlich hinter mancher Neuerscheinung steckt.
Einen deutlich ruhigeren Gegenpol bilden Natur- und sogenannte Cozy Games. Wälder, Wiesen, Tiere, Landschaften und idyllische Orte finden sich auf zahlreichen Spieleschachteln wieder. Spiele sollen hier nicht nur unterhalten, sondern auch mit ihrer Atmosphäre überzeugen. Liebevoll gestaltete Illustrationen, angenehme Materialien und harmonische Farbwelten spielen dabei eine wichtige Rolle.
Dabei handelt es sich keineswegs ausschließlich um einfache Spiele. Auch anspruchsvollere Titel greifen Naturthemen auf. Bekannte Reihen werden zudem durch neue Varianten und Erweiterungen ergänzt, etwa Dorfromantik oder Cascadia. Die Neuheitenschau zeigte, wie vielfältig diese Themen inzwischen umgesetzt werden – vom kleinen Kartenspiel bis zum aufwendigen Strategiespiel mit umfangreichem Material.
Auffällig sind außerdem die zahlreichen neuen Kinderfassungen bekannter Spiele. Mit Titeln wie Azul Kids und Dixit Kids sollen erfolgreiche Spielkonzepte auch jüngeren Spielern zugänglich gemacht werden. Ob dabei tatsächlich neue Spielerlebnisse entstehen oder vor allem bekannte Namen genutzt werden, muss sich im Einzelfall zeigen.
Mehr als nur Spiele: Die SPIEL verbindet Menschen und die Stadt
Die SPIEL Essen versteht sich längst nicht mehr ausschließlich als Verkaufs- und Präsentationsmesse. Sie ist ein internationaler Treffpunkt für Menschen, die eine gemeinsame Leidenschaft verbindet. Sprachliche und kulturelle Unterschiede treten beim Spielen oft in den Hintergrund. Gleichzeitig soll ein umfangreiches Rahmenprogramm Gelegenheit bieten, neue Perspektiven auf das Medium Gesellschaftsspiel kennenzulernen.
Peter Mohrbacher verbindet Spielewelt und Kunst
Als Botschafter der SPIEL 2026 wurde der US-amerikanische Künstler und Illustrator Peter Mohrbacher vorgestellt. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Arbeiten für Magic: The Gathering und sein eigenständiges Kunstprojekt Angelarium, in dem er mythologische Motive mit einer modernen, fantasievollen Bildsprache verbindet.
Die Wahl des Illustrators unterstreicht, welche Bedeutung die visuelle Gestaltung für Gesellschaftsspiele inzwischen besitzt. Illustrationen sind oft der erste Kontakt mit einem Spiel. Sie eröffnen den Zugang zu seiner Welt, vermitteln Atmosphäre und unterstützen die Geschichte, die am Spieltisch entsteht. Autoren und Illustratoren erschaffen gemeinsam ein Erlebnis, bei dem Spielmechanik und künstlerische Gestaltung ineinandergreifen.
Mohrbacher verkörpert diesen Anspruch mit seinen Arbeiten, die gleichermaßen Spielefans, Kunstliebhaber und Sammler ansprechen. Damit schlägt er eine Brücke zwischen dem klassischen Gesellschaftsspiel und benachbarten Interessengebieten. Das Botschafterprogramm, das 2024 mit Alea von Saltatio Mortis begann, soll genau solche Verbindungen herstellen und neue Zielgruppen auf die SPIEL aufmerksam machen.
Dass Mohrbacher nicht nur beruflich mit Spielen verbunden ist, zeigte sich ebenfalls bei seiner Vorstellung. Er besitzt selbst eine umfangreiche Spielesammlung und spielt regelmäßig mit seiner Familie. Aktuell beschäftigt sie insbesondere das kooperative Spiel Bomb Busters, bei dem sie sich gemeinsam durch die Herausforderungen arbeiten.
Während der Messetage wird Mohrbacher auch bei den SPIEL Talks auf der Bühne zu erleben sein. Das diesjährige Messeplakat hat er selbst gestaltet.
Rahmenprogramm von Bildung bis Miniaturen
Zu den festen Programmpunkten gehören die SPIEL Talks und der Educators Day. Auf der Bühne in Halle 4 wird an allen vier Messetagen diskutiert, informiert und gespielt. Beim Educators Day geht es unter anderem um den Einsatz von Spielen in Bildung und Ausbildung. Ein Programmpunkt widmet sich beispielsweise Spielen, die Rettungskräfte auf Katastrophensituationen vorbereiten sollen. Wie relevant solche Konzepte sein können, zeigte sich nach Angaben der Veranstalter bereits im Zusammenhang mit dem großen Stromausfall in Portugal.
Am Samstag wird außerdem der deutsche Pavillon für die Expo in Belgrad vorgestellt. Unter dem Motto „Play for Humanity“ soll das Spielen als verbindendes Element im Mittelpunkt stehen.
Auch das Bemalen von Miniaturen hat seinen festen Platz im Programm. Zum dritten Mal wird der internationale Wettbewerb Golden Demon in Essen ausgetragen. Der Wettbewerb von Games Workshop gilt als eine der bedeutendsten Veranstaltungen für Miniaturenmaler. Am Sonntag wird unter anderem das begehrte Slayer Sword für die beste Miniatur vergeben. Erstmals ist Games Workshop zudem mit einem Kill-Team-Live-Angebot vertreten, bei dem Besucher eine Lasertag-Variante ausprobieren können.
Für Sammelkartenspiel-Fans gibt es eine weitere Premiere: Am Donnerstagabend werden erstmals die TCG Awards verliehen. Insgesamt gibt es 13 Auszeichnungen. In neun Kategorien konnte die Community ihre Favoriten wählen, drei Branchenpreise werden von einer Expertenjury vergeben. Eine weitere Auszeichnung berücksichtigt die Leistungen im Wettbewerb.
Ebenfalls am Donnerstagabend lädt Asmodee zu einer besonderen Veranstaltung rund um Die Werwölfe von Düsterwald in die Grugahalle ein. Bekannte Streamer von Rocket Beans TV gestalten dazu eine Bühnenshow.
„Essen spielt!“ – Gesellschaftsspiele erobern die Stadt
Eine besondere Rolle spielt in diesem Jahr die Verbindung zwischen der SPIEL und ihrem Standort Essen. Unter dem Titel „Essen spielt!“ finden erstmals drei große Spieleabende an außergewöhnlichen Orten statt. Bereits am heutigen Mittwoch wird im Rathaus hoch über den Dächern der Stadt gespielt, und zwar im 22. Stock. Am Donnerstag verwandelt sich das Red Dot Design Museum auf Zollverein in einen Spielort mitten zwischen den Ausstellungsstücken. Am Freitag folgt ein Spieleabend auf einem für Halloween dekorierten Schiff auf dem Baldeneysee.
Auch darüber hinaus sollen Messebesucher die Stadt entdecken. Mit ihrem Eintrittsticket erhalten sie an 13 verschiedenen Orten Vergünstigungen, beispielsweise in Museen und bei ausgewählten Aktionen. In Bars und gastronomischen Betrieben in Essen sowie in benachbarten Städten wird zudem erstmals ein eigens für die Messe kreierter Cocktail angeboten: der „Gin and Win“.
Dass Gesellschaftsspiele auch über die Messetage hinaus eine Rolle spielen, zeigt eine weitere Veranstaltung auf Zollverein. Im Rahmen der Sonderausstellung „Überleben in der Eiszeit“ ist für den 8. November ein Spieltag geplant. Bei zwei Spielrunden mit jeweils 200 Teilnehmern können insgesamt 48 verschiedene Spiele rund um das Thema Eiszeit ausprobiert werden.
Die SPIEL will damit nicht nur vier Tage lang Menschen aus aller Welt zusammenbringen. Sie soll zugleich Impulse setzen, das gemeinsame Spielen über die Messehallen hinaus in den Alltag zu tragen.
Brettspielbranche blickt optimistisch auf das Weihnachtsgeschäft
Die deutsche Spielebranche hat allen Grund, zuversichtlich auf die kommenden Monate zu blicken. Während der Spielwarenmarkt in den ersten drei Quartalen 2026 um drei Prozent wuchs, legte der Bereich Spiele und Puzzles sogar um acht Prozent zu. Damit entwickelt sich das Segment deutlich besser als der Gesamtmarkt.
Zu den Wachstumstreibern gehören Sammelkartenspiele, die insbesondere durch den anhaltenden Pokémon-Boom profitieren. Doch auch klassische Karten- und Gesellschaftsspiele sowie Partyspiele entwickeln sich positiv. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Circana verzeichneten Spiele für Erwachsene in den ersten drei Quartalen sogar ein Umsatzplus von mehr als 20 Prozent.

Die Branche profitiert zugleich davon, dass Gesellschaftsspiele zunehmend als Freizeitbeschäftigung für alle Altersgruppen wahrgenommen werden. Gerade das gemeinsame Erlebnis gewinnt an Bedeutung. In einer Umfrage des Vereins Spieleverlage e. V. bezeichneten 84 Prozent der befragten Unternehmen die soziale Interaktion als besondere Stärke analoger Spiele. Auch kommunikative Teamspiele gelten als wichtiger Trend.
Dennoch bleiben Herausforderungen. Bürokratie, wirtschaftliche Unsicherheit und Kaufzurückhaltung belasten die Verlage. Gleichzeitig verändern der demografische Wandel und neue Freizeitgewohnheiten die Zielgruppen. Der Verein Spieleverlage e. V. sieht die Branche trotzdem gut aufgestellt: 90 Prozent der befragten Unternehmen rechnen 2026 mit stabilen oder steigenden Umsätzen. Für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft erwarten 86 Prozent ein gleichbleibendes oder besseres Ergebnis.
Die SPIEL Essen ist dabei nicht nur ein wichtiger Treffpunkt der Branche, sondern auch ein Gradmesser für das Interesse an neuen Spielen zum Jahresende.
Deutscher Spiele Preis 2026: Artengarten setzt sich durch
Ein weiterer Höhepunkt der Pressekonferenz war die Verleihung des Deutschen Spiele Preises 2026. Anders als beim Spiel des Jahres entscheidet hier keine Jury über die Auszeichnungen. Der Deutsche Spiele Preis ist ein Publikumspreis, bei dem Spielebegeisterte ihre Favoriten wählen.
Bereits vor der Messe waren die Platzierungen vier bis zehn bekannt gegeben worden. Die drei bestplatzierten Spiele wurden dagegen erst während der Pressekonferenz in der Grugahalle ausgezeichnet. Zunächst betraten die Vertreter der Verlage in alphabetischer Reihenfolge der Spieletitel die Bühne und stellten ihre Spiele vor.
Artengarten: Vom komplexen Zoo zum zugänglicheren Spielerlebnis
Den ersten Platz sicherte sich schließlich Artengarten von Feuerland Spiele. Das Spiel stammt von Mathias Wigge, der bereits mit Arche Nova einen großen Erfolg feiern konnte.
Während Arche Nova mit seinem umfangreichen Regelwerk und seinen zahlreichen strategischen Möglichkeiten vor allem erfahrene Spieler anspricht, sollte Artengarten ursprünglich einen zugänglicheren Weg zum Thema Zoo bieten. Auf der Bühne sorgte die Entstehungsgeschichte für einige Heiterkeit: Der Wunsch nach einem echten Familienspiel mit Zoo-Thema war offenbar nicht ganz so einfach umzusetzen.
Auch Artengarten verlangt seinen Spielern einiges ab. Dennoch ist ein eigenständiges Spiel entstanden, das die Teilnehmer der Publikumswahl besonders überzeugen konnte.
Für Feuerland Spiele ist der erste Platz eine Bestätigung dafür, dass auch anspruchsvollere Spielideen beim Publikum großen Anklang finden.
Boss Fighters QR: Analoges Spiel trifft digitale Technik
Auf dem zweiten Platz landete Boss Fighters QR, erschienen bei Pegasus Spiele. Das Spiel von Michael Palm und Lukas Zach verbindet klassische Brettspielelemente mit digitaler Technik. Es handelt sich um ein Hybridspiel, bei dem analoge Komponenten und digitale Funktionen ineinandergreifen.
Damit sich nicht nur erfahrene Spieler an die Herausforderungen wagen können, bietet Boss Fighters QR verschiedene Schwierigkeitsstufen. So sollen auch Familien angesprochen werden, die sich gemeinsam den Gegnern stellen möchten.
Besonders bemerkenswert war ein Plädoyer für menschliche Kreativität. Ein Verlagsvertreter von Pegasus Spiele sprach sich ausdrücklich dagegen aus, bei der Gestaltung von Gesellschaftsspielen auf KI-generierte Illustrationen zu setzen. Stattdessen betonte er die enge Zusammenarbeit zwischen Spieleautoren und Illustratoren. Beide seien für die Entwicklung eines Spiels unverzichtbar. Gestaltung und Spielmechanik müssten als Ganzes betrachtet werden.
Gerade angesichts der zunehmenden Diskussionen über KI-generierte Illustrationen in der Brettspielbranche war das ein bemerkenswert deutliches Plädoyer für menschliche Kreativität.
Galactic Cruise: Ein Schwergewicht mit Liebe zum Detail
Den dritten Platz belegte Galactic Cruise aus dem PD-Verlag. Das Spiel von T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thompson hebt sich schon optisch durch seine aufwendige Gestaltung im Art-déco-Stil hervor.
Diese überzeugte auch den diesjährigen SPIEL-Botschafter Peter Mohrbacher, der die Gestaltung des Spiels während der Preisverleihung ausdrücklich lobte. Der Künstler zeigte sich von der visuellen Umsetzung beeindruckt.
Für den PD-Verlag hat die Auszeichnung zudem eine besondere Bedeutung. Vor rund 20 Jahren brachte der Verlag sein erstes Spiel auf den Markt und erreichte damals ebenfalls den dritten Platz beim Deutschen Spiele Preis. Mit Galactic Cruise wiederholt sich diese Platzierung nun.
Das Spiel selbst ist ein echtes Schwergewicht: Rund 5,5 Kilogramm bringt die Schachtel auf die Waage. Doch nicht allein die Materialfülle soll überzeugen. Bei der Entwicklung wurde nach Aussage des Verlags besonderer Wert auf die Details gelegt. Die Gestaltung erwecke das Spiel zum Leben und trage wesentlich zu seiner Atmosphäre bei.
Galactic Cruise steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die auch in der Neuheitenschau auffiel: Aufwendig gestaltetes Spielmaterial ist längst nicht mehr nur Beiwerk, sondern für viele Verlage ein wichtiges Merkmal ihrer Spiele.

Toriki gewinnt den Deutschen Kinderspiele Preis
Auch der Deutsche Kinderspiele Preis wurde im Rahmen der Pressekonferenz vergeben. Die Auszeichnung ging in diesem Jahr an Toriki: Eine Insel voller Abenteuer von Wojciech Grajkowski, erschienen bei Mirakulus.
Damit würdigt das Publikum neben den großen Strategiespielen auch ein Spiel, das sich gezielt an jüngere Spieler richtet. Die Kinderspielauszeichnung ist ein eigenständiger Bestandteil des Deutschen Spiele Preises.
Bemerkenswert war schließlich auch die Reihenfolge der drei Hauptpreisträger. Artengarten, Boss Fighters QR und Galactic Cruise waren zunächst alphabetisch auf die Bühne gebeten worden. Genau in dieser Reihenfolge standen sie anschließend auch auf dem Siegertreppchen. Der Zufall hatte die endgültige Platzierung damit bereits vorweggenommen.
Neuheitenschau: Zwischen Spieleflut und kleinen Entdeckungen
Mehr als tausend Spiele an einem Ort – was auf dem Papier beeindruckend klingt, wird bei der Neuheitenschau der SPIEL Essen schnell zu einer Herausforderung. Auf zwei Ebenen präsentierten die Verlage ihre Neuerscheinungen, von kleinen Kartenspielen bis zu aufwendigen Strategiespielen mit riesigen Schachteln und umfangreichem Material. Dazwischen drängten sich Journalisten, Fotografen, Spieleautoren und Verlagsvertreter. Wer ein Spiel aus der Nähe betrachten oder ein vernünftiges Foto machen wollte, brauchte mitunter Geduld.
Dabei gab es durchaus einiges zu entdecken. Besonders ins Auge fielen die vielen liebevoll gestalteten Spiele, bei denen nicht nur die Illustrationen, sondern auch das Material selbst zum Blickfang wurde. So präsentierte Moses mit Nautilus ein abstraktes Spiel mit Holzelementen und Glasmurmeln. Bei Mebo zog Ambar mit seinen an Bernstein erinnernden Spielsteinen die Aufmerksamkeit auf sich. Und Fadenfroh von Asmodee fiel schon durch seine ungewöhnliche Gestaltung auf, die an einen Stickrahmen erinnert. Bei Zoch gefiel insbesondere Funkel Munkel, das mit seiner fantasievollen Gestaltung und dem Thema rund um funkelnde Schätze und Bergbau auffiel.
Dass ein Spiel nicht unbedingt eine große Schachtel benötigt, um neugierig zu machen, zeigten zahlreiche kleinere Titel. Auch Pocket Pisa (ebenfalls Zoch), bei dem Geschicklichkeit gefragt ist, machte einen sympathischen Eindruck. Einen anderen Weg geht Metro Bingo von Game Factory: Hier dienen U-Bahn-Netze bekannter Städte als Grundlage für ein Bingo-Spiel. Eine ebenso ungewöhnliche wie charmante Idee.
Überhaupt bot die Neuheitenschau immer wieder Spiele, die mit einer originellen Grundidee neugierig machten. Dazu gehörte auch Temple Twist von Kosmos, das durch seinen ungewöhnlichen Spielmechanismus auffiel. Solche Entdeckungen zeigen, dass Neuheiten nicht zwangsläufig mit besonders umfangreichem Material oder immer komplexeren Regeln verbunden sein müssen.
Natürlich war auch für Kinder und Familien einiges dabei. Bei HUCH! fiel Mutter Natur mit seiner an Strickwerk erinnernden Kartengestaltung auf. Piatnik präsentierte mit Versteckt entdeckt ein hübsch illustriertes Kinderspiel mit Waldthema. Und bei Abacusspiele machten unter anderem Blattwerk und Bärenstich mit ihrer Gestaltung neugierig.
Auch Katzenfreunde wurden fündig. Zwischen den zahlreichen Tiermotiven begegneten ihnen unter anderem Die glücklichste Katze der Welt und Lucky Kitty. Dass ausgerechnet Katzen immer wieder ihren Weg auf die Spieleschachteln finden, dürfte angesichts ihrer Beliebtheit kaum überraschen.
Doch schöne Illustrationen und außergewöhnliches Material sind nicht alles. Bei manchem Spiel erwies sich schon der erste Blick auf den Umfang der Ausstattung als Hinweis darauf, dass es sich eher an erfahrene Spieler richtet. Andere Titel wirkten zunächst wie unkomplizierte Familienspiele, entpuppten sich bei näherer Betrachtung aber als deutlich anspruchsvoller. Gerade die optische Gestaltung lässt also nicht immer auf die tatsächliche Zielgruppe schließen.
Auffällig war außerdem, wie viele Verlage bekannte Spielideen erneut aufgreifen. Mal erscheinen Kinderfassungen erfolgreicher Titel, mal neue Themenwelten für bewährte Spielsysteme, mal weitere Varianten oder Erweiterungen. Das bietet vertraute Einstiegsmöglichkeiten, sorgt aber nicht zwangsläufig für ein völlig neues Spielerlebnis.
Bei aller Vielfalt zeigte die Neuheitenschau vor allem eines: Die Brettspielbranche versteht es, neugierig zu machen. Zwischen aufwendigen Strategiespielen, fantasievollen Kinderspielen und kleinen Kartenspielen finden sich immer wieder überraschende Ideen. Allerdings ist die Auswahl inzwischen so groß, dass selbst mehrere Stunden kaum ausreichen, um mehr als einen ersten Eindruck zu gewinnen.
Und vielleicht liegt gerade darin in en kommenden Jahren eine der Herausforderungen für die SPIEL: Nicht nur immer mehr Spiele zu präsentieren, sondern den Besuchern auch dabei zu helfen, in dieser Fülle ihre persönlichen Entdeckungen zu machen.
Wer die Spiel besuchen möchte: Für Sonntag gibt es noch einige Restkarten. Diese sind ausschließlich online erhältlich, es gibt keine Tageskasse.
Save the Date: Die nächste SPIEL findet vom 21. bis 24. Oktober in Essen statt