Gerhards Spiel und Design: Die Herbstneuheiten 2026

Tanzende Spielfiguren, ein Apfel voller Raupen und Spielsteine, die plötzlich ihre Farbe wechseln: Gerhards Spiel und Design setzt auch im Herbst 2026 auf ungewöhnliche Spielideen und hochwertiges Material. Vier Neuheiten hat der Verlag für Oktober angekündigt. Dabei stehen vor allem logisches Denken, räumliche Orientierung und taktisches Geschick im Mittelpunkt.

Das Programm reicht vom Puzzlespiel für jüngere Kinder bis zum abstrakten Strategiespiel für Erwachsene. Drei der vier Neuheiten kommen ohne umfangreiche Spielpläne oder Kartensätze aus. Stattdessen sind es die Anordnung und Bewegung der Spielsteine, die für immer neue Herausforderungen sorgen.

Cha-Cha-Cha

Auf dieser Tanzfläche herrscht zunächst ein ziemliches Durcheinander. Bei Cha-Cha-Cha stehen 14 Tänzer bunt gemischt auf dem Spielbrett. Einige gehören als feste Paare zusammen, andere bewegen sich frei über die Fläche. Die Aufgabe besteht darin, die Gesellschaft wieder in die richtige Ordnung zu bringen.

Ganz beliebig dürfen die Figuren allerdings nicht versetzt werden. Jeder Stecker bewegt sich nach dem Prinzip des Rösselsprungs, wie man ihn vom Springer beim Schach kennt, und landet dabei immer auf dem gerade freien Feld. Wer die Tänzer sortieren möchte, muss deshalb mehrere Züge vorausdenken. Schließlich kann ein vermeintlich günstiger Schritt an anderer Stelle neue Schwierigkeiten verursachen.

Anders als bei vielen Logikspielen gibt es keine vorgegebenen Aufgaben mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Stattdessen entstehen durch die jeweilige Ausgangsstellung immer neue Herausforderungen, die laut Verlag allesamt lösbar sind.

Cha-Cha-Cha stammt von Oliver Schaudt und ist ein Solospiel für Kinder ab sieben Jahren. Eine Aufgabe kann bereits nach etwa einer Minute gelöst sein, bei kniffligeren Ausgangsstellungen dürfte das Grübeln entsprechend länger dauern. Trotz der niedrigen Altersempfehlung ist das Spiel keineswegs nur für Kinder interessant. Wer gerne allein knobelt und sich mit räumlichen Bewegungsabläufen beschäftigt, findet hier auch als Erwachsener eine Herausforderung.

Quint-X (Reisespiel)

Das abstrakte Strategiespiel Quint-X bekommt eine kompakte Reiseausgabe. Statt Murmeln kommen nun Stecker zum Einsatz, die auch unterwegs leichter an ihrem Platz bleiben und für mehr Übersicht auf dem Spielfeld sorgen.

Am Spielprinzip ändert sich dagegen nichts Grundlegendes. Zwei Spieler setzen abwechselnd ihre Stecker in verschiedene Quadrate. Die Besonderheit: Der vorherige Zug des Gegners bestimmt, in welchem Quadrat man selbst weiterspielen muss. Solange dort noch freie Plätze vorhanden sind, kann man sich einen davon aussuchen. Ist das Quadrat vollständig besetzt, wird stattdessen ein vorhandener Stecker ausgetauscht.

Damit kommt es nicht nur darauf an, die eigenen Steine geschickt zu platzieren. Jeder Zug beeinflusst zugleich die Möglichkeiten des Gegners. Wer eine der Gewinnbedingungen erfüllen möchte, muss deshalb ständig abwägen, welche Position gerade nützlich ist und wohin der nächste Zug den Mitspieler führt.

Entwickelt wurde Quint-X von Hartmut Kommerell. Das taktische Zweipersonenspiel eignet sich ab acht Jahren und dauert rund zwölf Minuten. Durch die überschaubare Spieldauer und das kompakte Format bietet sich die Reiseausgabe besonders für kurze Duelle an. Die taktischen Entscheidungen dürften allerdings auch erfahrene Spieler beschäftigen.

Raupenrallye Puzzle

Ein Apfel, vier Raupenfamilien und ein gemeinsames Ziel: Bei Raupenrallye Puzzle wollen sich die kleinen Krabbler bis zum Kerngehäuse durchfuttern. Bevor es losgeht, muss der Apfel allerdings erst einmal zusammengesetzt werden.

Anders als bei der kleineren Raupenrallye besteht das Spielfeld hier aus vier Puzzleteilen. Anschließend werden farbige Scheiben in die vorgesehenen Vertiefungen gelegt. Sie bestimmen während der Partie, auf welche Felder die Raupen ziehen dürfen.

Für die Bewegung sorgt ein großer Würfel mit Farben und Symbolen. Die gewürfelte Farbe gibt vor, wohin eine Raupe ziehen kann. Das Kleeblatt dient als Joker, während das Raupensymbol erlaubt, eine Figur vom Spielfeld zu nehmen. Besonders interessant wird es, wenn drei oder vier eigene Raupen eine Reihe bilden. Dann dürfen sie sich am Festschmaus beteiligen.

Raupenrallye Puzzle stammt von Lilly Schauf und richtet sich an zwei bis vier Spieler ab fünf Jahren. Eine Partie dauert etwa 15 Minuten. Damit ist es das klare Kinderspiel unter den vier Herbstneuheiten. Das Zusammensetzen des Apfels und die farbigen Wege machen den Spielablauf auch für jüngere Kinder anschaulich. Zugleich sorgen die unterschiedlichen Würfelergebnisse dafür, dass sich nicht jeder Zug im Voraus planen lässt.

Rivolto

Bei Rivolto kann sich die Mehrheit auf dem Spielfeld mit einem einzigen Zug verändern. Das liegt an den besonderen Spielsteinen, die auf einer Seite schwarz und auf der anderen weiß sind. Welche Farbe gerade sichtbar ist, entscheidet darüber, wem sie zugerechnet werden.

Zu Beginn werden kleine Markierscheiben auf dem Spielbrett verteilt. Sie legen die Farben der einzelnen Felder fest. Anschließend setzen die beiden Spieler abwechselnd ihre Steine ein. Dabei kommt es darauf an, ob die sichtbare Farbe des gelegten Steins mit der Markierung des Feldes übereinstimmt.

Je nach Übereinstimmung werden bereits ausliegende Steine umgedreht. Aus schwarzen Steinen können dadurch weiße werden und umgekehrt. Eine scheinbar sichere Mehrheit kann also innerhalb weniger Züge verschwinden. Wer gewinnen möchte, muss nicht nur die aktuelle Verteilung im Blick behalten, sondern auch berücksichtigen, welche Veränderungen der nächste Stein auslösen könnte.

Am Ende gewinnt, wer die Mehrheit der Steine in seiner zuvor festgelegten Sammelfarbe besitzt. Für zusätzliche Abwechslung sorgt die variable Anordnung der Markierscheiben, die vor jeder Partie neu verteilt werden können.

Autor von Rivolto ist Alessandro Rizzi. Das abstrakte Strategiespiel ist für zwei Spieler ab acht Jahren gedacht und dauert ungefähr 15 Minuten. Die Regeln wirken überschaubar, doch durch das ständige Wenden der Steine entsteht ein taktisches Duell, das besonders ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene ansprechen dürfte.

Vier Spiele, vier unterschiedliche Herausforderungen

Mit seinen Herbstneuheiten bleibt Gerhards Spiel und Design seiner Linie treu. Statt auf große Themenwelten oder aufwendige Geschichten setzt der Verlag auf Spielideen, bei denen sich die Herausforderung unmittelbar aus dem Material und dessen Bewegung ergibt.

Cha-Cha-Cha richtet sich an Solospieler, die gerne logische Aufgaben lösen. Quint-X und Rivolto bieten kurze, taktische Duelle für zwei Personen, wobei die Entscheidungen des Gegners jeweils eine wichtige Rolle spielen. Raupenrallye Puzzle bildet dagegen den familienfreundlichen Gegenpol und bringt mit seinem vierteiligen Apfel bereits Kinder ab fünf Jahren an den Spieltisch.

Auffällig ist außerdem, wie unterschiedlich die Spiele mit ihren wenigen Grundelementen umgehen: Mal wird im Rösselsprung sortiert, mal durch geschicktes Platzieren Einfluss auf den nächsten Zug genommen, und bei Rivolto kann sich durch das Umdrehen der Steine gleich die gesamte Spielsituation verändern. Gerade darin liegt der Reiz abstrakter Spiele: Die Regeln sind häufig schnell verstanden. Die richtige Entscheidung zu treffen, ist eine andere Sache.

Fotos: © Gerhards Spiel und Design

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