Neuheiten, Promos und angeblich exklusive Spiele sorgen auf der SPIEL Essen schnell für Kaufdruck. Unser Ratgeber zeigt, wann sich ein Messekauf lohnt und was bei Budget, Sprache und Transport zu beachten ist.
Überall stapeln sich Neuheiten, an zahlreichen Ständen locken Promos und manche Spiele scheinen angeblich nur dort erhältlich zu sein. Wer auf der SPIEL Essen nicht nur spielen, sondern auch einkaufen möchte, gerät deshalb schnell in einen eigentümlichen Sog. Dabei ist längst nicht jedes Spiel auf der Messe günstiger, exklusiv oder nach dem Wochenende für immer verschwunden. Eine Wunschliste, ein festes Budget und etwas Gelassenheit helfen dabei, aus der großen Auswahl die Spiele herauszufiltern, die auch zu Hause noch Freude machen.
Das Wichtigste in Kürze
Spiele sind auf der SPIEL Essen nicht automatisch günstiger als im Handel. Einige Verlage bieten Messepreise, Bundles oder kleine Zugaben an, andere verkaufen ihre Neuheiten zum regulären Preis. Ein kurzer Preisvergleich kann sich daher lohnen.
Bei ausländischen Spielen sollte vor dem Kauf geklärt werden, in welcher Sprache Anleitung und Spielmaterial vorliegen. Auch ein scheinbar sprachneutrales Spiel kann viele Kartentexte, Szenarien oder Sonderregeln enthalten.
Ein festes Messebudget schützt vor Spontankäufen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie große und schwere Spieleschachteln durch die Hallen und anschließend nach Hause transportiert werden sollen. Kartenzahlung ist an vielen, aber nicht an allen Ständen möglich. Etwas Bargeld gehört deshalb weiterhin in die Messetasche.
Muss ich auf der SPIEL Essen überhaupt etwas kaufen?
Die SPIEL Essen ist Verkaufsmesse und Spieleveranstaltung zugleich. An vielen Ständen können Neuheiten direkt erworben werden, zwingend erforderlich ist das natürlich nicht. Ein gelungener Messetag bemisst sich nicht an der Höhe des Schachtelstapels, der am Abend zum Ausgang getragen wird.
Zahlreiche Spiele erscheinen nach der Messe regulär im Handel. Manches ist bereits vor der SPIEL erhältlich, anderes folgt wenige Wochen später. Wer ein Spiel zunächst nur ausprobiert und anschließend in Ruhe über den Kauf nachdenkt, verpasst daher nicht automatisch eine einmalige Gelegenheit.
Trotzdem kann der Kauf auf der Messe attraktiv sein. Kleine ausländische Verlage vertreiben ihre Titel möglicherweise nicht regulär in Deutschland. Andere bringen nur eine begrenzte Zahl englischsprachiger Exemplare mit. Hinzu kommen Promos, Sonderausgaben oder Spiele von Kleinstverlagen, die später nur mit hohen Versandkosten bestellt werden könnten.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen einer echten Gelegenheit und dem bloßen Gefühl, sofort zugreifen zu müssen. An Letzterem herrscht auf der SPIEL kein Mangel.
Sind Spiele auf der SPIEL Essen günstiger?
Der Begriff „Messepreis“ klingt nach einem besonderen Angebot. Tatsächlich gibt es Verlage, die ihre Spiele während der SPIEL günstiger anbieten, mehrere Titel zu einem Paket zusammenstellen oder dem Kauf eine Promo beilegen. Ein allgemeines Gesetz, nach dem Brettspiele auf einer Messe billiger sein müssen, existiert jedoch nicht.
Viele Neuheiten werden zum regulären Verkaufspreis angeboten. Bei manchen Titeln liegt der Preis sogar über dem Betrag, der kurz nach der Messe im Onlinehandel verlangt wird. Das muss keine Absicht des Verlages sein. Kleine Anbieter können bei ihren eigenen Spielen häufig nicht dieselben Rabatte gewähren wie große Händler mit entsprechenden Einkaufsmengen.
Ein Messekauf kann sich trotzdem lohnen, wenn Versandkosten entfallen oder ein Spiel im deutschen Handel schwer erhältlich ist. Auch ein persönliches Gespräch mit einem kleinen Verlag oder Autor kann ein guter Grund sein, direkt am Stand zu kaufen. Dann steht allerdings die Unterstützung des Anbieters im Vordergrund und nicht das vermeintliche Schnäppchen.
Bei bekannten und problemlos erhältlichen Spielen ist ein kurzer Preisvergleich sinnvoll. Dafür reicht meist eine Suche im Smartphone. Allerdings gibt es in den Messehallen kein kostenloses Besucher-WLAN; freie Hotspots stehen nur in den Foyers der Eingänge Ost, Süd und West zur Verfügung. Auch das Mobilfunknetz kann bei großem Andrang langsamer werden. Die Preisrecherche muss daher nicht immer genau in dem Moment funktionieren, in dem sie gebraucht wird.
Was bedeutet „Neuheit“ auf der SPIEL?
Nicht jedes als Neuheit präsentierte Spiel ist ausschließlich auf der SPIEL erhältlich. Der Begriff bedeutet zunächst nur, dass ein Titel neu im Programm eines Ausstellers ist oder rund um die Messe vorgestellt wird.
Einige Spiele wurden bereits vor der Veranstaltung ausgeliefert. Andere können auf der SPIEL erstmals ausprobiert werden, sind aber noch nicht verkäuflich. Wieder andere liegen als Vorabexemplare in kleiner Stückzahl vor und erscheinen erst später regulär. Bei internationalen Ausstellern kann es sich zudem um Spiele handeln, die im Herkunftsland längst erhältlich sind, aber erstmals einem größeren deutschen Publikum vorgestellt werden.
Vor einem Kauf oder einer gezielten Jagd durch mehrere Hallen lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf den Status des Spiels. Begriffe wie „Demo“, „Vorbestellung“, „Abholung“, „Preview“ oder „Prototyp“ bezeichnen sehr unterschiedliche Dinge. Ein am Stand ausgestelltes Spiel muss nicht automatisch im Regal darunter liegen.
Was ist wirklich Messe-exklusiv?
Echte Messe-Exklusivitäten gibt es, sie sind jedoch seltener als die allgemeine Aufregung vermuten lässt. Dazu können eigens für die SPIEL produzierte Promos, kleine Sonderauflagen, signierte Exemplare oder Spiele gehören, die ein internationaler Verlag nur zur Messe nach Deutschland bringt.
Daneben wird der Begriff „exklusiv“ gern großzügig ausgelegt. Manchmal bedeutet er lediglich, dass ein Spiel einige Wochen früher gekauft werden kann. Manchmal ist ausschließlich eine zusätzliche Karte oder ein kleines Plättchen exklusiv, während das Grundspiel später überall erhältlich sein wird.
Vor allem bei Promos stellt sich die Frage nach ihrem tatsächlichen Nutzen. Eine zusätzliche Karte kann eine nette Erinnerung sein. Sie macht aus einem ungeeigneten Spiel aber kein passendes. Der Kauf eines Grundspiels allein wegen eines exklusiven Miniteils ist deshalb selten eine besonders vernünftige Rechnung.
Auch der Hinweis auf eine begrenzte Stückzahl muss nicht automatisch Hektik auslösen. Ist ein Spiel später regulär im Handel erhältlich, besteht kein Grund, den gesamten Messetag auf seine Beschaffung auszurichten. Anders sieht es bei kleinen Importen oder Titeln ohne deutschen Vertrieb aus. Dabei kann die mitgebrachte Menge tatsächlich die einzige unkomplizierte Kaufmöglichkeit darstellen.
Vorbestellungen und Abholung am Messestand
Viele Verlage ermöglichen es, Neuheiten bereits vor der SPIEL zu bestellen und anschließend am Stand abzuholen. Das bietet vor allem bei kleinen Auflagen oder stark erwarteten Titeln Sicherheit. Gleichzeitig muss man das reservierte Spiel nicht direkt am Morgen suchen und kaufen.
Vor der Bestellung sollte man die Abholbedingungen genau lesen. Einige Verlage reservieren Spiele für den gesamten Messetag, andere nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Teilweise ist ein Zahlungsnachweis erforderlich. Bei internationalen Anbietern können außerdem unterschiedliche Abholschalter oder besondere Zeitfenster vorgesehen sein.
Ebenso wichtig ist die Menge der Vorbestellungen. Zehn bereits bezahlte Spiele erzeugen zwar Planungssicherheit, legen den Messetag aber weitgehend auf zehn Abholtermine fest. Befinden sich diese in verschiedenen Hallen, wird aus dem entspannten Messebesuch schnell eine Logistikübung.
Auch das Gewicht bleibt. Vorbestellte Spiele tragen sich nicht leichter, nur weil die Kaufentscheidung bereits zu Hause gefallen ist.
Erst ausprobieren, dann kaufen?
Die Möglichkeit zum Probespielen gehört zu den großen Vorteilen der SPIEL Essen. Regeln, Material und Spielgefühl lassen sich unmittelbar kennenlernen. Eine kurze Demorunde kann besser als jede Beschreibung zeigen, ob ein Spiel zur eigenen Runde passt.
Allerdings bilden Messepartien nicht immer das vollständige Spielerlebnis ab. Häufig werden nur wenige Züge gespielt oder vereinfachte Einstiegssituationen verwendet. Die Erklärung übernimmt ein erfahrener Mitarbeiter, lange Aufbauzeiten fallen weg und Regelfragen werden sofort beantwortet. Zu Hause kann dasselbe Spiel deutlich sperriger wirken.
Umgekehrt muss ein komplexeres Spiel nicht nach zehn Minuten seine ganze Stärke zeigen. Manche Mechanismen entfalten sich erst im weiteren Verlauf oder nach mehreren Partien. Eine kurze Messeerfahrung ist deshalb ein wichtiger Eindruck, aber kein unfehlbares Urteil.
Hilfreich sind einige nüchterne Fragen: Passt die Spielerzahl zur üblichen Runde? Ist die Spieldauer realistisch? Kommt das Spiel auch dann auf den Tisch, wenn kein professioneller Erklärer danebensteht? Und befinden sich in der Sammlung nicht bereits drei Spiele, die einen sehr ähnlichen Zweck erfüllen?
Die letzte Frage ist auf der Messe vermutlich die unbeliebteste. Dafür ist sie erstaunlich wirksam.
Eine Wunschliste mit Prioritäten erstellen
Eine Wunschliste schafft Orientierung, solange sie nicht zur verpflichtenden Einkaufsliste wird. Sinnvoll ist eine Einteilung nach Prioritäten.
Ganz oben stehen wenige Spiele, die bereits vor der Messe genauer geprüft wurden. Dazu gehören Informationen über Spielerzahl, Spieldauer, Sprache, Preis und Verfügbarkeit. Eine zweite Gruppe umfasst interessante Titel, die zunächst ausprobiert oder angesehen werden sollen. In einer dritten Gruppe können spontane Kandidaten gesammelt werden.
Diese Einteilung verhindert, dass jede im Vorfeld erwähnte Neuheit automatisch zum Pflichtkauf wird. Besonders umfangreiche Vorschauen erzeugen leicht den Eindruck, zwanzig oder dreißig Spiele seien unverzichtbar. Einige Wochen später ist von vielen dieser Titel kaum noch die Rede.
Standnummern gehören ebenfalls auf die Wunschliste. Wer ein Spiel erst nach langer Suche wiederfindet, empfindet den Kauf möglicherweise bereits deshalb als zwingend. Schließlich soll sich der Weg gelohnt haben. Wirtschaftlich betrachtet ist das keine besonders überzeugende Begründung.
Ein realistisches Messebudget festlegen
Ein festes Budget begrenzt nicht nur die Ausgaben, sondern erleichtert Entscheidungen. Sobald jedes interessante Spiel theoretisch gekauft werden kann, wird die Auswahl erstaunlich schwer. Eine Obergrenze zwingt zur Frage, welcher Titel tatsächlich wichtiger ist.
Zum Budget gehören neben den Spielen auch Promos, Zubehör, Essen, Parkgebühren, Garderobe und gegebenenfalls Versandkosten. Bei mehrtägigen Besuchen summieren sich selbst kleinere Beträge.
Eine mögliche Lösung besteht darin, einen festen Betrag für geplante Käufe und einen kleineren zusätzlichen Betrag für spontane Entdeckungen vorzusehen. So bleibt Raum für den unbekannten Kleinverlag, ohne dass die gesamte Wunschliste unterwegs ihre Bedeutung verliert.
Bargeld kann dabei ganz nebenbei helfen, die Ausgaben sichtbar zu halten. Ist der vorgesehene Betrag aufgebraucht, lässt sich das schwerer übersehen als bei einer Folge kontaktloser Zahlungen.
Bargeld oder Kartenzahlung?
An den Verkaufsständen der SPIEL Essen gibt es kein einheitliches Bezahlsystem. Viele Aussteller akzeptieren Karten, andere verkaufen ausschließlich gegen Bargeld. Und: Vorhandene Kartenlesegeräte können durch technische Probleme oder eine überlastete Verbindung ausfallen.
Etwas Bargeld ist daher sinnvoll. Auf dem Messegelände stehen zwar Geldautomaten zur Verfügung, doch diese sind aufgrund der starken Nutzung zeitweise bereits am frühen Nachmittag leergeräumt.
Bei kleineren internationalen Ausstellern sollte zudem geklärt werden, in welcher Währung der ausgezeichnete Preis gemeint ist und ob beim Karteneinsatz zusätzliche Gebühren entstehen können. Innerhalb der Messe ist zwar der Euro üblich, bei mobilen Zahlungslösungen aus dem Ausland sind Missverständnisse jedoch nicht völlig ausgeschlossen.
Den Kaufbeleg sollte man zumindest bei teureren Spielen aufbewahren. Das erleichtert eine spätere Reklamation und zeigt, bei welchem Anbieter das Spiel tatsächlich gekauft wurde. Nach einem Tag mit mehreren ähnlich aussehenden Tüten ist auch das nicht immer selbstverständlich.
Fremdsprachige Spiele richtig einschätzen
Die internationalen Hallenbereiche gehören zu den spannendsten Teilen der SPIEL. Dort finden sich Spiele, die keinen deutschen Vertrieb haben oder erst deutlich später lokalisiert werden. Vor dem Kauf sollte jedoch klar sein, wie stark das Spiel von Sprache abhängt.
Ein sprachneutrales Spiel verwendet auf Karten, Plättchen und Spielplan nur Symbole oder Zahlen. Eine deutsche Anleitung lässt sich möglicherweise beim Verlag herunterladen. Trotzdem sollte geprüft werden, ob die Symbole eindeutig genug sind und ob tatsächlich eine vollständige Übersetzung existiert.
Anders sieht es bei Spielen mit vielen Karten-, Szenario- oder Geschichtstexten aus. Eine verständliche Erklärung am Stand kann darüber hinwegtäuschen, dass später jede Partie umfangreiche Fremdsprachenkenntnisse verlangt. Auch Fanübersetzungen sind nicht bei jedem Titel verfügbar und können wieder verschwinden.
Bei angekündigten deutschen Ausgaben stellt sich außerdem die Frage, ob das englische Original wirklich sofort benötigt wird. Wer ohnehin lieber auf Deutsch spielt, ist mit etwas Geduld häufig besser beraten. Ein Spiel wird nicht schlechter, nur weil es erst einige Monate nach der Messe ins Regal kommt.
Welche Ausgabe liegt am Stand?
Gerade bei internationalen Neuheiten ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, welche Ausgabe verkauft wird. Möglich sind englische Originalfassungen, mehrsprachige Versionen oder sprachneutrale Ausgaben mit mehreren Anleitungen.
Auch bei deutschen Verlagen können frühe Exemplare kleine Abweichungen zur späteren Handelsausgabe aufweisen. Denkbar sind nachproduzierte Anleitungen, Korrekturblätter oder Materialteile, die nachgereicht werden. Das muss kein Ausschlussgrund sein, sollte aber vor dem Kauf bekannt sein.
Bei erkennbar beschädigten Schachteln lohnt sich ebenfalls eine Nachfrage. Manche Verlage verkaufen leicht eingedrückte Exemplare bewusst günstiger. Ein kleiner Schönheitsfehler kann bei einem Spiel, das ohnehin geöffnet und gespielt wird, ein guter Tausch gegen einen deutlichen Preisnachlass sein. Der Zustand und die Preisreduzierung sollten allerdings transparent sein.
Vollständigkeit möglichst früh prüfen
Bei neuen, originalverpackten Spielen lässt sich der Inhalt auf der Messe kaum vollständig kontrollieren. Nach dem Öffnen zu Hause sollte die Materialliste jedoch zeitnah geprüft werden. Fehlende Karten oder beschädigte Teile fallen so auf, solange der Kauf noch eindeutig zugeordnet werden kann.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Nichtgefallen und einem tatsächlichen Mangel. Für mangelfreie Ware besteht bei einem Kauf am Messestand nicht automatisch ein allgemeines Rückgabe- oder Umtauschrecht. Ob ein Verlag ein ungeöffnetes Spiel trotzdem zurücknimmt, ist eine Frage der Kulanz. Bei beschädigter oder unvollständiger Ware bestehen dagegen gesetzliche Gewährleistungsrechte. Die Verbraucherzentrale empfiehlt grundsätzlich, bei Messekäufen Preis, Vertragsbedingungen und Anbieter genau zu prüfen und sich Zusagen schriftlich bestätigen zu lassen.
Besonders kompliziert kann eine spätere Reklamation bei einem kleinen Anbieter außerhalb der Europäischen Union werden. Deshalb sollten Schäden an der Verpackung oder erkennbare Unstimmigkeiten möglichst noch am Stand angesprochen werden.
Ausverkauft bedeutet nicht automatisch verpasst
Beliebte Spiele können an einzelnen Messetagen ausverkauft sein. Das ist ärgerlich, aber nur selten eine Katastrophe. Häufig betrifft der Ausverkauf lediglich die für diesen Tag vorgesehene Menge. Manchmal wird am nächsten Morgen nachgeliefert, manchmal folgt die reguläre Veröffentlichung kurze Zeit später.
Vor allem bei deutschen Verlagen lohnt sich eine Nachfrage nach dem weiteren Erscheinungsplan. Ein ausverkauftes Spiel kann wenige Tage später im Fachhandel stehen. In diesem Fall spart der spätere Kauf nicht nur die Suche auf der Messe, sondern auch den Transport durch die Hallen.
Bei Kleinauflagen, Importen und Spielen ohne Vertrieb sieht es anders aus. Dort kann ein Ausverkauf tatsächlich bedeuten, dass eine Bestellung im Ausland erforderlich wird. Auch dann sollte der Kaufpreis jedoch nicht aus dem Blick geraten. Ein Spiel wird nicht automatisch interessant, nur weil es schwer erhältlich ist. Knappheit und Qualität sind zwei verschiedene Eigenschaften.
Kleine Verlage und unbekannte Spiele entdecken
Die SPIEL Essen bietet eine seltene Gelegenheit, Spiele kleiner und internationaler Verlage direkt kennenzulernen. Diese Titel tauchen in großen Neuheitenlisten oder im deutschen Handel oft kaum auf.
Ein Kauf am Stand kann für kleine Anbieter besonders wertvoll sein, da ein größerer Teil des Verkaufspreises beim Verlag verbleibt. Gleichzeitig entfallen möglicherweise hohe Versandkosten. Voraussetzung bleibt natürlich, dass das Spiel tatsächlich überzeugt.
Gerade bei unbekannten Titeln ist eine Proberunde sinnvoll. Auch ein Gespräch über Spielidee, Zielgruppe und verfügbare Regelsprachen kann bei der Entscheidung helfen. Die Begeisterung eines Autors ist ansteckend, ersetzt aber nicht die Frage, ob das Spiel später zur eigenen Runde passt.
Nicht jeder unbekannte Titel ist ein Geheimtipp. Aber fast jeder echte Messefund war vorher unbekannt.
Wie werden die Einkäufe durch die Hallen transportiert?
Eine einzelne Schachtel lässt sich problemlos tragen. Aus einer einzelnen Schachtel werden auf der SPIEL allerdings schnell drei, fünf oder acht. Große Spielekartons sind zudem sperrig und passen nur selten in gewöhnliche Stoffbeutel.
Vor dem Kauf sollte deshalb nicht nur das Budget, sondern auch der Transport bedacht werden. Ein stabiler Rucksack eignet sich für kleinere Spiele, sofern ausreichend Platz bleibt und die Schachteln nicht gequetscht werden. Große Taschen verteilen das Gewicht weniger angenehm, während dünne Papier- oder Plastiktüten bei schweren Spielen reißen können.
Rollkoffer und Trolleys bieten viel Stauraum, werden in vollen Gängen jedoch schnell zum Hindernis. Bollerwagen sind zwar nicht grundsätzlich verboten, der Veranstalter rät wegen des Verletzungsrisikos bei großem Andrang aber von ihrer Mitnahme ab.
Für größere Taschen und Koffer gibt es am Ende der Galeria in Richtung Halle 3 eine Koffergarderobe. Dort können Gepäckstücke während des Messetages gegen Gebühr erneut befüllt werden. Das erspart den ständigen Transport sämtlicher Einkäufe durch alle Hallen.
Schließfächer befinden sich in den Foyers West und Süd. Ihre Zahl und Größe sind allerdings begrenzt. Mehrere große Spieleschachteln passen nicht zwangsläufig hinein.
Spiele nach Hause schicken lassen
Für besonders große Einkäufe steht auf der SPIEL ein kostenpflichtiger Versandservice zur Verfügung. Für 2026 befindet sich dieser laut Veranstalter in Halle 8. Die Spiele werden dort entgegengenommen und per Kurier verschickt. Eine über mehrere Tage angesammelte Sammlung lässt sich allerdings nicht auf diese Weise zwischenlagern; jede Abgabe gilt als eigene Sendung.
Der Versand ist vor allem für Besucher interessant, die mit der Bahn oder dem Flugzeug anreisen. Ob er sich lohnt, hängt von Zahl, Größe und Gewicht der Spiele ab. Die Kosten sollten in das Messebudget einbezogen werden.
Bei einer Anreise mit dem Auto kann es ebenfalls sinnvoll sein, Einkäufe zwischendurch zum Fahrzeug zu bringen. Dafür ist allerdings die Entfernung zu den Besucherparkplätzen zu beachten. P2 und P10 werden mit Shuttlebussen bedient und liegen nicht direkt an den Hallen. Der schnelle Gang zum Kofferraum ist daher weniger schnell, als es zunächst klingt. Wer das Gelände verlässt, benötigt außerdem ein Wiedereintrittsbändchen.
Spontankäufe mit kurzer Bedenkzeit prüfen
Die Versuchung zum Spontankauf gehört zur SPIEL. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Gerade ein unerwartet entdecktes Spiel kann zum persönlichen Höhepunkt der Messe werden.
Hilfreich ist trotzdem eine kurze Unterbrechung zwischen Begeisterung und Bezahlung. Ein Foto der Schachtel samt Standnummer ermöglicht es, zunächst weiterzugehen und später zurückzukehren. Bleibt das Spiel nach einer Stunde oder einer Pause weiterhin interessant, spricht das eher für einen echten Kaufwunsch.
Natürlich besteht das Risiko, dass ein Titel bis dahin ausverkauft ist. Dieses Risiko wird auf der Messe gerne sehr wirkungsvoll betont. Bei regulär erscheinenden Spielen ist der Verlust jedoch überschaubar. Schlimmstenfalls erfolgt der Kauf später im Handel.
Auch die Frage nach dem vorhandenen Platz zu Hause ist erlaubt. Brettspiele benötigen nicht nur Geld, sondern dauerhaft Regalfläche. Die Schachtel, die auf der Messe noch handlich wirkt, entwickelt im heimischen Regal gelegentlich erstaunliche Ausmaße.
Braucht jedes Spiel eine Promo?
Promos sind ein fester Bestandteil der Messekultur. Manche erweitern ein Spiel um interessante Karten, Figuren oder Varianten. Andere sind eher kleine Sammlerstücke oder Erinnerungen.
Vor dem Kauf sollte geklärt werden, ob die Promo ohne das Grundspiel nutzbar ist, zu welcher Ausgabe sie gehört und ob sie das Spiel tatsächlich erweitert. Eine kostenlose Zugabe ist nett. Sie ist aber kein Preisnachlass, wenn das dazugehörige Spiel sonst gar nicht gekauft worden wäre.
Kostenpflichtige Promos verdienen dieselbe Prüfung wie jede andere Erweiterung. Zusätzliche Inhalte machen ein Spiel nicht automatisch besser. Manchmal machen sie es lediglich vollständiger im Sinne einer Checkliste.
Wer ohnehin Freude am Sammeln hat, darf und soll natürlich sammeln. Es hilft nur, den Sammelwunsch nicht mit spielerischer Notwendigkeit zu verwechseln.
Der Kaufrausch beginnt häufig schon vor der Messe
Neuheitenlisten, Vorschauvideos, Verlagsankündigungen und Beiträge in sozialen Netzwerken setzen lange vor Messebeginn ein. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, bestimmte Spiele müssten unbedingt am Erscheinungstag gekauft werden.
Viele dieser Einschätzungen beruhen allerdings noch gar nicht auf vollständigen Partien. Häufig werden Ankündigungen, Prototypen oder kurze Vorführungen besprochen. Das Spiel kann später hervorragend sein – sicher ist das zu diesem Zeitpunkt nicht.
Eine persönliche Vorauswahl sollte deshalb nicht allein danach entstehen, welche Titel besonders häufig genannt werden. Spielerzahl, Schwierigkeitsgrad, Spieldauer und Thema sind für die eigene Kaufentscheidung wichtiger als die Anzahl der Vorschauen.
Nach der Messe zeigt sich ohnehin, welche Neuheiten dauerhaft überzeugen und welche nur für einige Tage sehr laut waren.
Die beste Messeausbeute ist nicht die größte
Spiele auf der SPIEL Essen zu kaufen, gehört für viele Besucher zum Erlebnis. Kleine Verlage, ausländische Titel, echte Messeangebote und überraschende Entdeckungen bieten dafür genügend gute Gründe. Trotzdem ist nicht jede Neuheit ein Schnäppchen und nicht jede Promo unverzichtbar.
Eine überschaubare Wunschliste, ein festes Budget und etwas Zeit zum Nachdenken schützen vor Käufen, die hauptsächlich aus Messetrubel und vermeintlicher Knappheit entstehen. Bei fremdsprachigen Spielen sollten Anleitung und Spielmaterial geprüft werden, bei umfangreichen Einkäufen auch Gewicht und Heimtransport.
Der sinnvollste Kauf ist am Ende nicht das exklusivste oder meistdiskutierte Spiel. Es ist dasjenige, das nach der Messe tatsächlich auf den Tisch kommt. Ein kleiner Stapel gut ausgewählter Spiele schlägt deshalb problemlos einen Schachtelturm, dessen größter Auftritt bereits auf dem Foto der Messeausbeute endet.
Grafik: © Redaktion Spieleldorf (KI-generiert mit DALL∙E)