Ein Turm, der ständig seine Stockwerke vertauscht, verborgene Loren voller Edelsteine und ein ziemlich wackeliges Bauwerk: Zoch bleibt auch bei seinen Herbstneuheiten 2026 der Verlag für Spiele, bei denen das Material mehr darf, als einfach nur auf dem Tisch herumzuliegen. Vier neue Titel bringt der Verlag zur SPIEL in Essen mit. Dabei wird gestapelt, geschoben, versteckt und sogar die Zeit möglichst gut im Kopf behalten.
Die Altersspanne reicht bei Zoch vom Kinderspiel ab vier Jahren bis zu Familienspielen, bei denen Erwachsene keineswegs nur als Begleitung am Tisch sitzen.
Der Turm
Wo war noch gleich das Stockwerk mit den Edelsteinen? Bei Der Turm wäre die Antwort schon leichter, wenn das verdammte Stockwerk nicht ständig woanders landen würde.
Zehn Turmebenen werden übereinandergestapelt. In ihnen verschwinden nach und nach die Edelsteine der Spieler. Im eigenen Zug darf der Turm an einer Stelle geteilt werden. Ist in der dadurch geöffneten Etage noch Platz, kann dort ein eigener Edelstein abgelegt werden. Anschließend darf der Turm erneut geteilt oder der Zug beendet werden.
Das Problem sind die Zahlen auf den einzelnen Stockwerken. Wird eine Ebene geöffnet, in der bereits so viele Edelsteine liegen, wie die dort angegebene Zahl erlaubt, müssen die offenliegenden Steine wieder genommen werden. Und nach jedem Zug werden die Turmteile neu zusammengesetzt. Eben noch ganz oben, kann ein bestimmtes Stockwerk plötzlich irgendwo im unteren Teil verschwinden. Wer seine Edelsteine zuerst vollständig loswird, gewinnt. Eine zusätzliche Ebene mit Stern lässt sich mit verschiedenen Sonderregeln ins Spiel bringen.
Der Turm stammt von BLOB Factory und ist für zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren gedacht. Auf der SPIEL wird das Spiel mit einem Preis von 11,99 Euro geführt. Das ungewöhnliche Turmmaterial macht daraus ein Familienspiel, bei dem Gedächtnis und räumliche Orientierung wichtiger werden, je häufiger das Bauwerk auseinandergenommen wurde.
Funkel Munkel
Tief unter der Erde warten die Edelsteine – nur dummerweise verschwinden auch die Loren im Bergwerk. Bei Funkel Munkel werden sie zwischen die Ebenen eines doppelbödigen Spielplans geschoben und sind anschließend nicht mehr zu sehen.
Die Spieler müssen deshalb im Gedächtnis behalten, wo sich die eigene Lore gerade befindet. Wird eine Lore in einen der Schächte geschoben, fällt ein Edelstein hinein. Gleichzeitig wird damit allerdings verdeckt, wem die Lore eigentlich gehört. Nun heißt es, den Weg durch das unterirdische Labyrinth weiterzuverfolgen und möglichst die eigenen beladenen Loren auf der anderen Seite wieder ans Tageslicht zu befördern. Wer sechs Edelsteine beziehungsweise fünf einer Farbe sammelt, gewinnt.
Funkel Munkel stammt von Cielo d'Oro und wurde von Dennis Lohausen illustriert. Gespielt wird mit zwei bis vier Spielern ab vier Jahren, eine Partie dauert etwa 30 Minuten.
Damit ist Funkel Munkel das eindeutige Kinderspiel unter den vier Zoch-Neuheiten. Durch den mehrschichtigen Spielplan und die tatsächlich darin verschwindenden Loren wird das Gedächtnisprinzip allerdings sehr anschaulich umgesetzt: Hier müssen sich Kinder nicht einfach nur merken, wo eine Karte liegt, sondern verfolgen, wohin ihre Lore unter Tage gefahren ist.
Nein! Doch! Ohh!
Nein? Doch? Oder vielleicht doch noch nicht? Bei Nein! Doch! Ohh! dreht sich alles um vier Sanduhren mit unterschiedlichen Laufzeiten. Und die haben die unangenehme Eigenschaft, unter Bechern zu verschwinden.
Im eigenen Zug zeigt ein Würfel an, um welchen Becher es geht. Nun muss eingeschätzt werden, ob die darunter versteckte Sanduhr bereits abgelaufen ist. Wer davon überzeugt ist, hebt den Becher an. Stimmt die Einschätzung, können eigene Chips abgegeben werden. Wer danebenliegt, bekommt dagegen neue hinzu.
Wer glaubt, die Sanduhr laufe noch, sagt Nein und reicht den Zug weiter. Doch auch die Mitspieler können sich einmischen: Mit einem Doch lässt sich die Einschätzung anzweifeln und der Becher wird angehoben. Sobald eine Sanduhr aufgedeckt wurde, wird sie wieder umgedreht. Damit beginnen die unterschiedlichen Zeiten immer wieder von vorn – nur eben nicht gleichzeitig.
Autor ist Christoph Cantzler, der auch hinter Pocket Pisa steckt. Nein! Doch! Ohh! richtet sich an Spieler ab acht Jahren. Das Spielprinzip ist leicht zugänglich, verlangt aber ein erstaunlich gutes Zeitgefühl. Damit passt der Titel sowohl an den Familientisch als auch in eine Erwachsenenrunde – zumal die Schadenfreude bei einer mit großer Überzeugung aufgedeckten, aber eben doch noch laufenden Sanduhr altersunabhängig funktionieren dürfte.
Pocket Pisa
Dass der Turm von Pisa schief steht, war bekanntlich nicht unbedingt so geplant. Bei Pocket Pisa gehört das Wackeln dagegen ausdrücklich zum Konzept.
Auf einer abgerundeten Grundplatte werden unterschiedlich geformte Holzbausteine aufeinandergestapelt. Im eigenen Zug gibt es dabei eine Entscheidung: weiterbauen oder lieber rechtzeitig aussteigen und die bis dahin erreichten Punkte sichern? Wer weiterbaut, deckt zunächst eine Zahlenkarte auf und setzt anschließend einen weiteren Baustein auf den Turm. Bleibt alles stehen, geht es weiter. Fallen dagegen bereits verbaute Teile herunter, endet die Runde.
Je höher der Turm wächst, desto attraktiver werden die Punktekarten – und desto größer wird natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Schwerkraft irgendwann doch durchsetzt. Wer aussteigt, sichert sich dagegen eine Karte und darf in dieser Runde nicht mehr weiterbauen. Sobald ein Spieler fünf Karten gesammelt hat, endet das Spiel; für die Wertung zählen die drei höchsten Karten.
Pocket Pisa stammt von Christoph Cantzler und Anja Wrede und ist für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren gedacht. Eine Partie dauert ungefähr 20 Minuten. Das kleine Geschicklichkeitsspiel richtet sich damit zwar ausdrücklich auch an Familien, dürfte aber genauso gut in Erwachsenenrunden funktionieren. Schließlich wird die Frage „Noch einen Stein oder lieber aufhören?“ nicht dadurch einfacher, dass man älter wird.
Von der Diamantenmine bis zum wackelnden Turm
Vier Spiele reichen Zoch im Herbst 2026 für ein erstaunlich typisches Verlagsprogramm. Denn bei allen Neuheiten spielt das Material selbst eine wichtige Rolle. In Funkel Munkel verschwinden Loren tatsächlich unter dem Spielplan, Der Turm wird während der Partie immer wieder auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, Sanduhren verstecken sich bei Nein! Doch! Ohh! unter Bechern und Pocket Pisa stellt seine Holzbausteine auf einen wackeligen Untergrund.
Für Familien mit jüngeren Kindern ist vor allem Funkel Munkel interessant. Die übrigen drei Titel beginnen bei acht Jahren und sind klassische generationenübergreifende Spiele: schnell erklärt, überschaubar in der Spielzeit und mit Mechanismen, bei denen Erwachsene nicht automatisch einen Vorteil haben.
Fotos: © Zoch/Simba Dickie Group



